Nach äußerst emotionalen Kontroversen im Vorfeld wird in Leonberg das Modell an der Sophie-Scholl-Schule eingeführt.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Er könne sich kaum daran erinnern, so sagt Oliver Zander, dass ein Thema zu solch kontroversen Debatten geführt habe. Auch in seiner eigenen Fraktion, so berichtet der Leonberger CDU-Chef, werde die Frage unterschiedlich bewertet. Nämlich jene, ob Eltern verpflichtet werden können, ihre Kinder ganztags, das bedeutet bis maximal 15 Uhr, in die Schule zu schicken.

 

Dies wird ab dem Jahr 2026 möglich sein, wenn der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft tritt. An der Sophie-Scholl-Grundschule im Leonberger Stadtteil Ezach wird die verpflichtende Ganztagsbetreuung nun eingeführt. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Doch der Weg dorthin war holprig und äußert emotional.

Unzählige E-Mails und Anrufe

Denn neben diesem sogenannten verpflichtenden Ganztag gibt es die Wahl, Kinder ganz normal bis zum Mittag in der Schule zu lassen. Für dieses Wahlmodell hatten sich im Vorfeld Teile der Eltern der Sophie-Scholl-Schule stark gemacht, unterstützt vom eigenen Elternbeirat und dem Gesamtelternbeirat der Stadt. Das Kollegium der Sophie-Scholl-Schule und die Stadt als Schulträger hatten sich jedoch für die den verpflichtenden Ganztag ausgesprochen.

So auch Ottmar Pfitzenmaier, der selbst im Ezach wohnt, und von unzähligen E-Mails und Anrufen in den vergangenen Tagen berichtet. „Mit dieser Schärfe der Auseinandersetzung habe ich nicht gerechnet“, sagt der SPD-Fraktionschef, der an der Präferenz seiner Fraktion indes keinen Zweifel lässt: „In ganz Leonberg gibt es acht Grundschulen. Warum soll da nicht eine davon zur verpflichtenden Ganztagsschule werden?“ Dass das Projekt an der Sophie-Scholl-Schule gut aufgehoben sei, daran habe er keinen Zweifel: „Dort gibt es ein überzeugendes Lehrerkollegium, das dafür brennt.“ In seinen Augen ist der verpflichtende Ganztag „das Zukunftsmodell“.

Überforderte Kinder?

Eher abwägend sind in der entscheidenden Ratssitzung die Überlegungen von Claudia Nowak (Freie Wähler), Bernd Murschel (Grüne) und Gabriele Gaber-Paul (SALZ) . Der verpflichtende Ganztag könnte Familienabläufe einschränken und womöglich die Kinder überfordern. Auch gebe es zu wenig pädagogisches Fachpersonal. Klar gegen eine Verpflichtung ist Thomas Hartung (AfD): „Die Eltern werden entmündigt. Wir setzen auf Qualität statt Quantität.“

Am Ende beschließt der Gemeinderat die verpflichtende Ganztagsschule an der Sophie-Schule mit klarer Mehrheit. Je nach persönlicher Meinung verlassen die zahlreich erschienenen Eltern das Rathaus mit zufriedenen oder nachdenklichen Mienen.