Hegel-Gymnasium und Robert-Koch-Realschule Eltern und Kinder kämpfen für ihre Schulen

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Die Schulgemeinschaften der Robert-Koch-Realschule und des Hegel-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen demonstrieren Einigkeit. Sie wollen, dass die seit Langem angekündigten Sanierungen und Neubauten nun zügig in Angriff genommen werden.

Sie sind nicht „atemlos“, sondern „fassungslos“. Eine Delegation aus Schüler- und Elternvertretern übergab   Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt  einen Korb mit Fotos, welche die Zustände in den beiden Schulen dokumentieren und zwei Flaschen mit „Air de Toilette“. Um das Thema wird sich nun Meinhardts Nachfolger Kai Mungenast kümmern müssen. Foto: A. Kratz
Sie sind nicht „atemlos“, sondern „fassungslos“. Eine Delegation aus Schüler- und Elternvertretern übergab Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt einen Korb mit Fotos, welche die Zustände in den beiden Schulen dokumentieren und zwei Flaschen mit „Air de Toilette“. Um das Thema wird sich nun Meinhardts Nachfolger Kai Mungenast kümmern müssen. Foto: A. Kratz

Vaihingen - Am Ende war es fast ein Schlachtruf: „Campus und Sanierung – wir sind uns einig“, skandierten die etwa 100 Schüler und Eltern. Sie waren in den Bezirksbeirat Vaihingen gekommen, um auf die miserablen Zustände an der Robert-Koch-Realschule und am Hegel-Gymnasium aufmerksam und um ihrem Ärger Luft zu machen. Das Hegel-Gymnasium muss saniert werden, die Robert-Koch-Realschule braucht einen Neubau. Gabriele Raff, die Elternbeiratsvorsitzende des Hegel-Gymnasiums, und Rosemarie Brundelius, Elternbeirätin an der RKR, haben die Zustände an ihren Schulen mit der Kamera dokumentiert. Schimmel an der Decke, Fenster, die aus dem Rahmen zu fallen drohen, kaputte Fußböden – die Liste der Mängel ist lang. Der Gemeinderat hat das Geld für beide Projekte schon in frühere Doppelhaushalte eingestellt. Doch passiert ist nichts.

Als Grund dafür wurde in der Vergangenheit immer wieder das Campus-Projekt genannt. Denn das Hegel, die RKR, die Pestalozzischule und die Verbundschule Rohr sollen enger zusammenwachsen. Am Anfang dieses Prozesses gab es Reibungen, insbesondere zwischen der RKR und dem Hegel. Damals wurde die Gemeinschaftsschule vorangetrieben. Manch einer innerhalb der beteiligten Schulgemeinschaften meinte, dass dies auch am Vaihinger Campus das Ziel sein könnte. Und das wollte man nicht. Doch das ist Geschichte. Die Elternvertreter haben die Gespräche zwischen dem Hegel und der RKR wieder in Gang gebracht. Seit Mitte 2015 gibt es ein Konzept für das sogenannte C-4-Haus, das gemeinsame Campusgebäude. Der damaligen Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann habe das Konzept vielleicht nicht gefallen, sagt Gabriele Raff. „Aber es war ein Konzept, dass die beteiligten Schulen mittragen konnten.“

Der Inhalt: Im pädagogischen Bereich bleiben die beiden Schulen strikt getrennt. Daneben sind aber viele Kooperationen und Synergien denkbar, von der gemeinsamen Mensa bis hin zu einer Aula. Im vergangenen Jahr stellte die Stuttgarter Bürgermeisterin Isabell Fezer die Schulentwicklungsplanung in allen Schulbezirken vor. „Das war ein Offenbarungseid“, sagt Gabriele Raff. Denn damals wurde klar, dass alle Schulen länger auf Sanierungen und Neubauten warten müssen als ohnehin schon angekündigt war.

Eltern und Schüler sammeln Unterschriften im Bezirk und weltweit

Am Hegel-Gymnasium gab es daraufhin eine außerordentliche Elternbeiratssitzung – übrigens das erste Mal in der Geschichte der Schule. Auch die Schülersprecher waren dabei. „Alle waren sich einig: Es ist für uns unerträglich. Wir sind am Ende und stehen jetzt auf. Wir lassen uns das nicht mehr gefallen.“ Die Hegelianer haben sich mit der RKR zusammengetan. Gemeinsam wollen sie dafür sorgen, dass es mit den längst überfälligen Sanierungen, dem notwendigen Neubau und dem gesamten Campus-Projekt vorangeht.

Am 28. April haben Vertreter beider Schulen vor der Schwabengalerie Passanten informiert und Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt. „Wir sind auf offene Ohren gestoßen. Die Bürger stehen hinter uns und fühlen mit uns. Sie waren entsetzt, wie marode unsere Schulen sind“, sagt Raff und ergänzt: „Der Zustand der Schulen ist eine Schande für den Stadtteil.“ Lena Volz, Schülersprecherin am Hegel, ergänzt: „Es muss was passieren. Wir wollen zeigen, dass uns unsere Schulen am Herzen liegen.“ Florentine Brundelius, Mitglied der Schülermitverantwortung an der RKR, sieht das genauso. Ihre Mutter Rosemarie Brundelius hat auf der Internetplattform „Open Petition“ eine Petition eingestellt und so knapp 350 Unterschriften gesammelt. Die Schüler und Eltern der beiden Schulen wollen weitermachen, weitere Aktionen sind geplant.

Das freut auch die beiden Schulleiter. „Ich freue mich, dass die Eltern unser Anliegen unterstützen und sich für die Schule ihrer Kinder einsetzen. Und ich freue mich, dass das Hegel und die RKR nun zusammen kämpfen. Wir sind nicht zerstritten und keine Konkurrenten. In Vaihingen gibt es genügend Kinder für alle Schulen“, sagt Frank Bäuerle, der Rektor am Hegel. Nadia Bescherer-Zeidan, die Rektorin an der RKR, ergänzt: „Die Kinder verbringen einen Großteil ihres Tages in der Schule. Sie müssen sich dort auch wohlfühlen.“

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