Hegelgymnasium Gewaltsongs kosten Schulkarriere

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Thomas Gurrath wollte Lehrer am Hegelgymnasium in Vaihingen werden. Doch dem Death-Metal-Sänger fehlt dazu die Distanz zu Killerspielen.

So präsentiert sich der frühere Referendar und Death-Metal-Sänger Thomas Gurrath im Internet. Foto: StZ 2 Bilder
So präsentiert sich der frühere Referendar und Death-Metal-Sänger Thomas Gurrath im Internet. Foto: StZ
Stuttgart - Continue to kill" und "It pleases us to kill" - so heißen die Songs, die der Stuttgarter Death-Metal-Sänger Thomas Gurrath mit seiner Band "Debauchery" singt. Für seine Fans ist das Kult, und dazu gehören auch martialische Bühnenauftritte mit Pornodarstellungen, (kunst-)blutüberströmten Musikern und gewaltverherrlichenden Texten, in denen Mord und Vergewaltigung angepriesen werden - für jeden zugänglich auch im Internet. Doch der 29-jährige Sänger strebte auch eine Karriere als Gymnasiallehrer an: Ethik und Gemeinschaftskunde. Im Januar begann er seine Ausbildung als Referendar am Hegelgymnasium in Vaihingen. Doch die ist seit dem 29. März beendet.

Zum Verhängnis wurde dem Referendar eine Ethikunterrichtsstunde vor Neuntklässlern am 10. März - einen Tag, bevor sich der Amoklauf des Tim K. in Winnenden jährte. Im Unterricht thematisierte Gurrath Killerspiele und die Frage, ob die darin vom Spieler ausgeübte fiktionale Gewalt auch in echte Gewalt umschlagen könnte. In dieser Stunde hatte sich Gurrath offenbar nicht klar genug von Gewalt abgegrenzt, worauf auch die Schulleiterin Barbara Graf auf ihn aufmerksam wurde.

Gurrath wollte sich nicht von der Musik distanzieren


Es sei sein erster Unterrichtsbesuch gewesen, und die Schulleiterin wertete die mangelnde Gewaltdistanz zunächst als pädagogischen Fehler eines Anfängers. Doch auch bei der anschließenden Besprechung habe Gurrath nicht akzeptiert, dass man von ihm als Lehrer eine klare Position erwarte, so Graf. "Insbesondere nach dem Amoklauf von Winnenden erwarten wir, dass die Lehrer ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen", sagt Graf. Sämtliche Amokläufe seien von jungen Männern begangen worden, die durch Killerspiele seelisch dafür geöffnet worden seien.

Daraufhin habe ein Kollege sich im Internet über Gurraths Musikeraktivitäten in der Death-Metal-Szene informiert - und sich ob der Darstellungen übergeben müssen. Die Musik, die Bildsprache, die Videos seien von Gewaltverherrlichung und von Folterungen von Frauen geprägt. So würden einer Frau die Beine abgesägt. "Für mich ist auch die sexualisierte Form der Gewalt besonders schlimm", sagt Graf. "Da wird die Menschenwürde mit Füßen getreten." Vor allem jüngere Schüler könnten nicht zwischen Gurraths Rolle als Musiker und als Lehrer unterscheiden.

Sie habe den Referendar aufgefordert, sich von dieser Musik zu distanzieren, weil dies unvereinbar mit seiner Vorbildfunktion als Lehrer sei. Diese Diskrepanz habe der junge Mann, den Graf als "freundlich, etwas zurückhaltend und keineswegs unreflektiert" beschreibt, nicht gesehen und sich für seine Konzertreisen während des Referendariats beurlauben lassen wollen. Schließlich habe man das Regierungspräsidium (RP) eingeschaltet, und Gurrath habe von sich aus kündigen wollen.

Alles nur "reine Unterhaltung"


Ein RP-Sprecher erklärte: "Wir haben einvernehmlich das Arbeitsverhältnis beendet." Zur Trennung sei es gekommen, weil Gurrath erklärt habe, er wolle sich stärker im künstlerischen Bereich betätigen.

Gurrath räumt gegenüber der StZ ein: "Die Texte sind gewaltverherrlichend." Es sei aber alles "reine Unterhaltung" und "die Schüler sollen selbst entscheiden, was sie gut finden". Die seien schlau genug, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Er selbst sei zur Kündigung genötigt worden. Eine Rückkehroption habe er jedoch auch: "Aber dafür muss ich drei Jahre abstinent sein."

Diese Option akzeptiert zwar auch die Vize-Elternbeiratsvorsitzende Heidrun Falk. Doch jetzt seien die Eltern "froh, dass so schnell Konsequenzen gezogen wurden". Dass ein Lehrer mit Gewaltdarstellungen, und dazu noch frauenfeindlichen, an die Öffentlichkeit gehe, sei "schlicht widerlich". In einem Video gehe es um die Vergewaltigung einer Schülerin im Schulgelände. "So jemanden wollen wir nicht als Lehrer. Einer der vornehmsten Aufgaben der Lehrer ist es doch, dass sie unseren Kindern beibringen, wie wir gewaltfrei in einer Gesellschaft leben können."




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