Heidelberg Das Ende des „Faulen Pelz“ naht

Von Johanna Eberhardt 

Das Land will das historische Amtsgefängnis in der Heidelberger Altstadt aufgeben. Im Frühjahr 2014 soll Schluss sein. Die Stadt denkt schon jetzt über eine mögliche neue Nutzung nach.

Mitten in der Heidelberger Altstadt liegt die Außenstelle Heidelberg der Justizvollzugsanstalt Mannheim – im Frühjahr 2014 soll sie geschlossen werden. Foto: dapd
Mitten in der Heidelberger Altstadt liegt die Außenstelle Heidelberg der Justizvollzugsanstalt Mannheim – im Frühjahr 2014 soll sie geschlossen werden. Foto: dapd

Heidelberg - Seit Jahrzehnten haben Stadtplaner und Kommunalpolitiker immer wieder einmal begehrliche Blicke auf den „Faulen Pelz“, das historische Amtsgefängnis in der Heidelberger Altstadt, geworfen. Ein richtiges Gefängnis, mitten in der Stadt, das hat heutzutage Seltenheitswert. Auch die Bewohner der Umgebung waren nicht immer glücklich mit den dort einsitzenden Nachbarn: Knapp 80 Männer und Frauen, unter ihnen echte Schwerverbrecher, warten in den Zellen des alten Sandsteingemäuers zwischen Universitätsgebäuden und Wohnhäusern am Fuß des Schlossbergs bis jetzt auf ihren Prozess.

Zuletzt war es allerdings ruhig geworden um das Thema. Bereits die Vorgängerin des heutigen Oberbürgermeisters Eckart Würzner, Beate Weber (SPD), hatte bei einem Besuch festgestellt, der „Faule Pelz“ sei schon so lange da, dass er quasi zur Altstadt gehöre.

Die Stellen sollen nach Offenburg verlagert werden

Doch nun wird diese Ära schneller als von vielen erwartet zu Ende gehen. Im Frühjahr 2014 soll die Haftanstalt in Heidelberg zusammen mit der in Heidenheim geschlossen werden, um Stellen für die Vollzugsanstalt in Offenburg zu gewinnen. Das hat Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) Anfang der Woche angekündigt. Angesichts rückläufiger Häftlingszahlen insgesamt werde das alte Untersuchungsgefängnis in Heidelberg nicht mehr benötigt, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Die bisher dort untergebrachten Häftlinge sollten künftig vorrangig wohnortnah untergebracht werden; ein größerer Teil von ihnen werde sicher in die Vollzugsanstalt nach Mannheim kommen, zu der der „Faule Pelz“ seit Längerem gehört.

Für das Heidelberger Rathaus kam die Nachricht von der Schließung überraschend und offenbar ohne interne Vorankündigung. Unglücklich war man darüber aber nicht. „Wir sehen das als eine gute Chance zu überlegen, was für neue Nutzungen infrage kommen, und haben ein großes Interesse daran, gemeinsam mit dem Land etwas zu entwickeln“, erklärte der Sprecher der Stadtverwaltung. „Es ist eine sehr interessante und auch exponierte Lage in der Altstadt“, sagte er. Denkbar wäre beispielsweise, dass dort künftig Studenten oder die Univerwaltung Räume bekommen. „Aus unserer Sicht wäre jede andere als die bisherige Nutzung ein Gewinn“, gestand der Sprecher. Auch wenn man aufgrund des Denkmalschutzes mit erheblichen Einschränkungen rechnen müsse, sei man sicher, dass sich eine Lösung finden lasse, „die für uns eine Aufwertung bedeutet“.

Einst eine der fortschrittlichsten Anstalten in Baden

Das Gefängnis war 1847/48 errichtet worden und gehörte – nach Bruchsal – damals zu den fortschrittlichen Anstalten in Baden. Die ersten Insassen der Anstalt waren einige Pfarrer gewesen, die gegen die Revolution gepredigt hatten. „Pfarrhaus“ und „Pfaffenburg“ hieß das neue Gefängnis deshalb rasch im Volksmund. Doch das war und blieb eine Episode.

Bald schon war das neue Heidelberger Amtsgefängnis übervölkert mit Revolutionären, die für die Demokratie kämpften. Einige von ihnen wurden später in Mannheim erschossen, viele wurden zur Auswanderung genötigt, erläutert Hans-Martin Mumm, der Leiter des Heidelberger Kulturamts. Und das Gefängnis bekam den alten Gewannnamen „Fauler Pelz“. Woher der kommt, ist nicht ganz geklärt. Es gibt eine Legende, die besagt, dass dort früher die Gerber ihre Felle und Pelze zum Trocknen ausgelegt haben. Mumm nimmt an, dass der Name eher auf den ehemaligen Obstgarten des Schlossvogts zurückgeht, den „Faut“. „Das Pelzen ist ein alter Ausdruck für das Veredeln von Obst“, erklärt er.