Aber Dulger ist nicht nur externer Wächter in der Krebstest-Affäre, er pflegt auch enge Kontakte zu maßgeblichen Akteuren – und wäre beinahe selbst zum Akteur geworden. Innerhalb und außerhalb des Klinikums wird daher gefragt, ob er als Aufsichtsrat eigentlich die nötige Distanz habe. Doch das Wissenschaftsministerium von Theresia Bauer (Grüne) kann keine Interessenkonflikte erkennen, weder tatsächliche noch potenzielle.
„Bevor ich als möglicher Investor aktiv werde...“
Gut bekannt ist Dulger zum einen mit dem Chef der Universitäts-Frauenklinik, Christof Sohn, der in der Affäre eine Schlüsselrolle spielt. Wohl deshalb wurde er von Sohn angesprochen, als man 2017 einen Investor für das Projekt „Mammascreen“ suchte. Seine Firma Prominent liefert zwar Dosiertechnik für alle möglichen Branchen, doch von Medizin steht nichts auf der Homepage. Gleichwohl zeigte sich Dulger interessiert, wie eine unserer Zeitung vorliegende Mail zeigt.
Ende Mai 2017 schrieb er darin an zwei Geschäftsführer der Technologie Transfer Heidelberg GmbH, jener Tochterfirma der Uniklinik, die für die Vermarktung von Forschungsergebnissen zuständig ist. Eingangs dankte er für das „angenehme Gespräch“ am Morgen jenes Tages. Dann verwies er auf seine Rolle als Aufsichtsrat und nannte eine wichtige Bedingung für sein Engagement. „Bevor ich als möglicher Investor … aktiv werde, brauche ich einen positiven Bescheid des Justiziars des Klinikums bzw. der Universität, dass hier kein Interessenkonflikt besteht.“ Er wolle sicher gehen, „dass wir gegen keine bestehenden Gesetze verstoßen, wenn ich persönlich in dieses Projekt investiere“.
Persönlicher Vorteil für Aufsichtsräte tabu
Ob und welche Auskunft Dulger erhielt, ist nicht bekannt. Er selbst wollte sich gegenüber unserer Zeitung zunächst nicht äußern, wegen der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Seine Bedenken waren aber sicher nicht grundlos. Im Corporate Governance Kodex des Landes sind für Aufseher strenge Regeln festgelegt: Sie dürften „weder persönliche Interessen verfolgen noch Geschäftschancen, die dem Unternehmen zustehen, für sich nutzen“, heißt es dort.
Bald darauf hatte sich die Anfrage ohnehin erledigt. Sohn habe ihm mitgeteilt, „dass ein anderer Investor gefunden sei“, berichtete Dulger nach Angaben des Wissenschaftsministeriums im Aufsichtsrat. Danach habe es keinen Kontakt mehr dazu gegeben, was auch von dritter Seite bestätigt worden sei. Da Dulger „nicht mit dem Projekt verbunden war oder ist“, gebe es keinen Interessenkonflikt, betonte ein Ressortsprecher. An mehreren Sitzungen des Kontrollgremiums, bei denen darüber „umfänglich beraten“ und beschlossen wurde, habe er teilgenommen.
Zwei Schlüsselfiguren als gute Bekannte
Auch der „andere Investor“ ist ein guter Bekannter Dulgers: Zum Zuge kam der Unternehmer Jürgen Harder, bekannt vor allem als Ehemann der Schwimmerin Franziska van Almsick; zuletzt machte er mit einer Verurteilung in einem Korruptionsprozess Schlagzeilen. Mit knapp 40 Prozent beteiligte sich der Immobilienentwickler an der Firma Heiscreen, die für die Vermarktung des Bluttests gegründet wurde. Auch Harder und Sohn kennen sich bestens, der Arzt soll die Kinder van Almsicks entbunden haben. Seine „persönliche Bekanntschaft“ mit beiden habe Dulger „gegenüber dem Aufsichtsrat offengelegt“, sagt der Ministeriumssprecher.
Gleichwohl hielt es der Chef der Innenrevision der Uniklinik für angebracht, die Beamten von Theresia Bauer näher über die Heidelberger Verflechtungen zu informieren. Per Mail schickte er an die Aufsichtsratschefin Schwanitz etliche Fotos von der Feier zum 40. Geburtstag van Almsicks. Zu sehen sind darauf lauter gut gelaunte Festgäste: Dulger und Sohn, aber auch dessen Professoren-Kollegin Sarah Schott, mehrere Vertraute Harders und ein schillerndes Promi-Paar, der österreichische Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser nebst Gattin Fiona Svarowski.
Ministerium will keine Party-Bilder sehen
Die Reaktion von Schwanitz fiel überaus kühl aus. „Die Innenrevision ist vom Vorstand eingesetzt und soll auch weiterhin dem Vorstand zuarbeiten“, schrieb sie zurück, „hier gibt es keine Änderung der Berichtspflichten.“ Mit anderen Worten: man möge das Ministerium mit solchen Informationen verschonen.