Die Gemeinden auf der Vorderen Alb wollen ihren Keltenschatz endlich ins rechte Licht rücken. In einem zweitägigen Kolloquium berieten diverse Fachleute, was dafür zu tun ist.

Esslingen: Thomas Schorradt (adt)

Hülben - An historischem Erbe mangelt es der Region am Heidengraben nicht. Schließlich hat sich auf der Vorderen Alb, zwischen Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten, einst die größte keltische Siedlung Europas erstreckt. Im Bemühen, diesen Schatz auch touristisch zu heben, ziehen die drei Albgemeinden an einem Strang. In der Reutlinger Kreisgemeinde Grabenstetten haben Fachleute aus den Bereichen Denkmalpflege, Archäologie und Tourismus jetzt im Rahmen eines zweitägigen Kolloquiums „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung“ das bisher weitgehend brach liegende Feld erst einmal in der Theorie beackert.

Der Teilbereich 1, der Befund, ist die leichteste Übung: Der Heidengraben, ein in der Landschaft deutlich ablesbarer Befestigungswall, hat im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus eine keltische Großsiedlung umschlossen, die in ihrer Blütezeit an die 10 000 Einwohner gehabt haben könnte. Das schiere Ausmaß auf der einen und die archäologische Funde auf der anderen Seite verdeutlichen die überregionale Bedeutung des Oppidum, dessen Bewohner Handelsbeziehungen bis in den Mittelmeerraum unterhalten haben.

Rekonstruktion nach historischem Vorbild

Das Bemühen um den Teilbereich 2, die Rekonstruktion, lässt sich schon im Landschaftsbild ablesen, allerdings braucht es dazu schon ein kundiges Auge. Unterhalb des talseitigen Ortseingangs von Erkenbrechtsweiler wird derzeit eines der Zangentore des Heidengrabens nach historischen Vorbild rekonstruiert. Am Burrenhof zeugen aufgeworfene Erdhügel vom Bestattungskult der Kelten.

Die touristische Nutzung, der Teilbereich 3, steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Versuchsballon, die Keltenausstellung im Bürgerhaus von Erkenbrechtsweiler, ist erfolgreich gestartet worden. Mehr als 5000 Besucher waren im Frühsommer dieses Jahres in die museal aufbereitete Welt der Kelten eingetaucht. Für das Heidengrabenzentrum, dessen Bau den drei Gemeinden am Burrenhof nach dem Vorbild der Keltenwelt am Glauberg vorschwebt, sind die ersten planerischen Pflöcke eingeschlagen. Parallel dazu haben die Gemeinden die Grundstücke in ihren Besitz gebracht. „Wir haben hier ein historisches Alleinstellungsmerkmal und niemand weiß davon“, beschreibt der Erkenbrechtsweiler Bürgermeister Roman Weiß das Dilemma. Das Kolloquium habe ihm und seinen Kollegen gezeigt, wie das Keltenthema der Bevölkerung zugänglich gemacht werden könne. Im ersten Schritt will sich das Schultes-Trio um touristische Hinweisschilder bemühen, die den auswärtigen Keltenfreunden den Weg weisen sollen.

Hinweisschilder und Hofladen

Immerhin hat sich schon ein Betrieb, unterstützt vom Verein Fakt – die Abkürzung steht für Förderverein für Archäologie, Kultur und Tourismus – aufgemacht, das interkommunale Bemühen mit einem privatwirtschaftlichen Vorstoß zu flankieren. Am Ortseingang von Erkenbrechtsweiler, unweit der Abzweigung zum Hohenneuffen, entsteht bald ein Hofladen zur Vermarktung regionaler Produkte. Der künftige „Markt am Heidengraben“ wird auch über eine Gastronomie verfügen. „Wir unterstützen das Vorhaben im Sinne der Tourismusförderung, Selbstvermarktung und Regionalentwicklung“, sagt Weiß. Der entsprechende Bebauungsplan ist kürzlich im Gemeinderat abgesegnet worden. Noch wichtiger: Auch der Verband Region Stuttgart und das Regierungspräsidium Stuttgart haben bereits grünes Licht gegeben.

Aufbruchstimmung auf der Berghalbinsel

Vision
Die zweitägige Fachtagung hat neben der Vorstellung schon bestehender keltischen Museen und ihrer pädagogischen Konzepte vor allem das touristische Potenzial der Region auf der Vorderen Alb beleuchtet. Das erklärte Ziel ist es, „den Heidengraben auf der touristischen Landkarte sichtbar zu machen“. Der von Jürgen Steiner vom Schwäbische Alb Tourismusverband Urach formulierten Absicht wollen die Gemeinden Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler mit dem Bau eines Heidengrabenzentrum am Burrenhof Taten folgen lassen – „sofern wir dabei auf den Rückhalt der Bürger bauen können“, wie Roman Weiß, der Bürgermeister von Erkenbrechtsweiler einschränkt.

Kolloquium
Schon ein Blick auf die Veranstalterliste des Kolloquiums „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung“ zeigt, welcher Stellenwert dem Thema mittlerweile in Fachkreisen eingeräumt wird. Vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidiums Stuttgart und dem Verein Fakt über die Universität Tübingen bis hin zur Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern und dem Verein Keltenwelten – Keltische Stätten in Deutschland war in Grabenstetten alles vertreten, was in der Keltenszene Rang und Namen hat.

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