Heidengraben Ein Dornröschen, immer mehr Prinzen

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Die Gemeinden auf der Vorderen Alb wollen ihren Keltenschatz endlich ins rechte Licht rücken. In einem zweitägigen Kolloquium berieten diverse Fachleute, was dafür zu tun ist.

Die Rekonstruktion des Zangentores bei Erkenbrechtsweiler ist ein Teil des Bemühens, das keltische Erbe sichtbar zu machen. Foto: Ines Rudel
Die Rekonstruktion des Zangentores bei Erkenbrechtsweiler ist ein Teil des Bemühens, das keltische Erbe sichtbar zu machen. Foto: Ines Rudel

Hülben - An historischem Erbe mangelt es der Region am Heidengraben nicht. Schließlich hat sich auf der Vorderen Alb, zwischen Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten, einst die größte keltische Siedlung Europas erstreckt. Im Bemühen, diesen Schatz auch touristisch zu heben, ziehen die drei Albgemeinden an einem Strang. In der Reutlinger Kreisgemeinde Grabenstetten haben Fachleute aus den Bereichen Denkmalpflege, Archäologie und Tourismus jetzt im Rahmen eines zweitägigen Kolloquiums „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung“ das bisher weitgehend brach liegende Feld erst einmal in der Theorie beackert.

Der Teilbereich 1, der Befund, ist die leichteste Übung: Der Heidengraben, ein in der Landschaft deutlich ablesbarer Befestigungswall, hat im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus eine keltische Großsiedlung umschlossen, die in ihrer Blütezeit an die 10 000 Einwohner gehabt haben könnte. Das schiere Ausmaß auf der einen und die archäologische Funde auf der anderen Seite verdeutlichen die überregionale Bedeutung des Oppidum, dessen Bewohner Handelsbeziehungen bis in den Mittelmeerraum unterhalten haben.

Rekonstruktion nach historischem Vorbild

Das Bemühen um den Teilbereich 2, die Rekonstruktion, lässt sich schon im Landschaftsbild ablesen, allerdings braucht es dazu schon ein kundiges Auge. Unterhalb des talseitigen Ortseingangs von Erkenbrechtsweiler wird derzeit eines der Zangentore des Heidengrabens nach historischen Vorbild rekonstruiert. Am Burrenhof zeugen aufgeworfene Erdhügel vom Bestattungskult der Kelten.

Die touristische Nutzung, der Teilbereich 3, steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Versuchsballon, die Keltenausstellung im Bürgerhaus von Erkenbrechtsweiler, ist erfolgreich gestartet worden. Mehr als 5000 Besucher waren im Frühsommer dieses Jahres in die museal aufbereitete Welt der Kelten eingetaucht. Für das Heidengrabenzentrum, dessen Bau den drei Gemeinden am Burrenhof nach dem Vorbild der Keltenwelt am Glauberg vorschwebt, sind die ersten planerischen Pflöcke eingeschlagen. Parallel dazu haben die Gemeinden die Grundstücke in ihren Besitz gebracht. „Wir haben hier ein historisches Alleinstellungsmerkmal und niemand weiß davon“, beschreibt der Erkenbrechtsweiler Bürgermeister Roman Weiß das Dilemma. Das Kolloquium habe ihm und seinen Kollegen gezeigt, wie das Keltenthema der Bevölkerung zugänglich gemacht werden könne. Im ersten Schritt will sich das Schultes-Trio um touristische Hinweisschilder bemühen, die den auswärtigen Keltenfreunden den Weg weisen sollen.

Hinweisschilder und Hofladen

Immerhin hat sich schon ein Betrieb, unterstützt vom Verein Fakt – die Abkürzung steht für Förderverein für Archäologie, Kultur und Tourismus – aufgemacht, das interkommunale Bemühen mit einem privatwirtschaftlichen Vorstoß zu flankieren. Am Ortseingang von Erkenbrechtsweiler, unweit der Abzweigung zum Hohenneuffen, entsteht bald ein Hofladen zur Vermarktung regionaler Produkte. Der künftige „Markt am Heidengraben“ wird auch über eine Gastronomie verfügen. „Wir unterstützen das Vorhaben im Sinne der Tourismusförderung, Selbstvermarktung und Regionalentwicklung“, sagt Weiß. Der entsprechende Bebauungsplan ist kürzlich im Gemeinderat abgesegnet worden. Noch wichtiger: Auch der Verband Region Stuttgart und das Regierungspräsidium Stuttgart haben bereits grünes Licht gegeben.