Heidengrabenzentrum im Kreis Esslingen Neues Museum fasziniert Besucher – „Das kann sich wirklich sehen lassen“

Inhaltlich und architektonisch eine Attraktion: das neue Heidengrabenzentrum bei Erkenbrechtsweiler. Foto: Zweckverband/Steffen Roller

Der Heidengraben bei Erkenbrechtsweiler (Kreis Esslingen) gehört zu den größten spätkeltischen Siedlungen in Europa. Das im vergangenen Juni eingeweihte Museum zeigt: Das Leben vor über 2000 Jahren fasziniert die Menschen in der Gegenwart.

Keltenfans haben auf der Schwäbischen Alb eine neue Anlaufstelle: Im Dreieck zwischen Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten ist im Juni vergangenen Jahres das Heidengrabenzentrum eröffnet worden. Das interaktive Museum informiert die Besucher über den Alltag der Menschen, die hier vor über 2000 Jahren lebten. Das sogenannte Oppidum Heidengraben war einst mit fast 17 Quadratkilometern eine der größten befestigten spätkeltischen Siedlungen Europas mit beeindruckenden Wallanlagen und Toren.

 

An diesem „besonders historischen Ort“ wurde ein kleines, feines Museum errichtet, das auf 350 Quadratmetern „die Welt der Kelten emotional erfahrbar macht“, stellte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Einweihung begeistert fest. Was hier auf der Albhochfläche zwischen den Landkreisen Esslingen und Reutlingen entstanden sei, „das kann sich wirklich sehen lassen“, schwärmte der bekennende Keltenfan nach dem Rundgang durch den 5,2 Millionen Euro teuren Neubau, dessen preisgekrönte Architektur einem keltischen Hügelgrab nachempfunden ist.

Avatare von Kelten weisen den Weg

Obwohl der Heidengraben zu den bedeutendsten archäologischen Fundstellen Deutschlands zählt, werden in dem Informationszentrum beim Burrenhof keine originalen Relikte aus der Ära der Kelten präsentiert. Vielmehr lädt die Ausstellung mit zahlreichen 3-D-Animationen, Filmen und Mitmachaktionen zu einer virtuellen Reise in die Zeit vor 2500 Jahren ein. Sechs Avatare von Kelten an Bildschirmen erzählen Begebenheiten aus ihrem Alltag. Der Rundgang führt unter anderem vorbei an Marktständen, einem Vorratshaus, Handwerkergerätschaften und einem Streitwagen.

Der Rundgang durchs Museum führt durch ein Zangentor und vorbei an einem Totenwagen. Foto: Elke Hauptmann

Die neue Attraktion kommt gut an. Der aus den drei Gemeinden bestehende Zweckverband Region am Heidengraben, der Träger der Einrichtung, zieht zufrieden eine erste Bilanz: Rund 17 000 Besucher, vor allem Familien aus einem Umkreis von gut 50 Kilometern, haben das Museum inzwischen besucht, berichtet Tanja Breitenbücher von der Geschäftsstelle Heidengrabenzentrum voller Stolz und fügt zugleich hinzu: „Natürlich wissen wir, dass wir mit dem gleichen Schwung dabeibleiben müssen.“

Die Rückmeldungen der Gäste seien überwiegend positiv, blickt sie auf die ersten Monate zurück: „Wenn sie nach dem Besuch sagen, sie sehen jetzt viel mehr als bloße Landschaft und Alb-Natur, das ist für uns das schönste Lob“, sagt Breitenbücher. „Dann haben wir unseren Auftrag erfüllt, da das Zentrum ein Teil des gesamten Erlebnisfelds Heidengraben ist.“ Die breite Zustimmung zeige, „wir haben vieles richtig gemacht“, betont Breitenbücher.

Lob und Kritik von Besuchern

Vereinzelt sei von den Gästen aber auch Kritik geäußert worden, räumt sie ein. Etwa über die Akustik im Museum: Es sei doch recht laut in dem Gebäude. „Wir prüfen derzeit, welche Verbesserungen technisch möglich sind und wirtschaftlich Sinn machen.“ Ein Ärgernis für so manchen Gast seien die fünf Euro Parkgebühren, räumt sie offen ein und versichert: „Wir nehmen die Kritik sehr ernst.“ Die Eintrittspreise bleiben laut Breitenbücher vorerst stabil. Man wolle weitere Erfahrungen sammeln, „auch um zu sehen, wo wir sinnhaft nachjustieren müssen“.

Für das Jahr 2025 hat sich das Team des Heidengrabenzentrums viel vorgenommen. So seien in Kooperation mit lokalen Outdoor-Partnern verschiedene Themenführungen in Vorbereitung, informiert Breitenbücher. Zudem werde die ortsansässige Living-History-Gruppe Riusiava die Besucher an mehreren Terminen in keltisches Handwerk und Leben entführen.

Zum Erlebnisfeld Heidengraben gehört auch der neue Aussichtsturm. Foto: Elke Hauptmann

„Es starten auch die ersten Vorträge“, kündigt die Sprecherin der Geschäftsstelle Heidengrabenzentrum an. Dieter Hagmann, der die Avatare umsetzte, wird am 25. März erläutern, wie es zu den digitalen Rekonstruktionen in der Ausstellung kam. Andrea Häussler, die unter anderem den Totenwagen rekonstruierte, der im Heidengrabenzentrum zu sehen ist, wird am 27. März über ihre Handwerks- und Recherchearbeit berichten. Andrea Zeeb-Lanz stellt am 10. April ihr Projekt „Keltisches Oppidum auf dem Donnersberg in der Nordpfalz“ vor.

Pilotprojekt der Keltenland-Konzeption

Das Heidengrabenzentrum ist ein Pilotprojekt der 2019 von der Landesregierung beschlossenen Keltenland-Konzeption, mit der Baden-Württemberg sein reichhaltiges keltisches Erbe sichtbar und erlebbar machen möchte. Die Vernetzung der Keltenstätten untereinander soll Basis für ein gemeinsames Konzept zur touristischen Vermarktung und zur Schaffung schulischer Bildungsangebote sein. Für den Neubau bei Erkenbrechtsweiler stellte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst 1,75 Millionen Euro bereit, weitere zwei Millionen Euro steuerte der Bund bei.

Das Erlebnisfeld Heidengraben

Heidengrabenzentrum
Das Museum am Burrenhof bei Erkenbrechtsweiler ist donnerstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene acht Euro, ermäßigt sechs Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Zutritt, bis 17 Jahre sind fünf Euro zu entrichten. Die Familienkarte kostet 20 Euro.

Heidengrabenturm
Von der Plattform des 18 Meter hohen Aussichtsturms können Besucher das gesamte Areal, auf dem einst die Kelten lebten, überblicken. Der Zugang über die 102 Treppenstufen ist kostenfrei, der Parkplatz davor ist jedoch gebührenpflichtig.

Kelten-Erlebnis-Pfad
Der sechs Kilometer lange, barrierefreie Rundgang führt mit einer kostenfreien, multimedialen App entlang von acht Informationsstationen durch das spätkeltische Oppidum. Die App muss zuvor am Startpunkt, dem Heidengrabenzentrum, aktiviert werden.

Kelten-Museum
Das von einem Förderverein betreute Museum in der Ortsmitte von Grabenstetten kann von Mai bis September sonntags zwischen 14 und 17 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden. Gezeigt werden Fundstücke aus der späten Bronzezeit, der Hallstatt- sowie der Früh- und Spätlatènezeit. Infotafeln, Karten und Rekonstruktionszeichnungen ergänzen die Ausstellung.

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