Heikle Abwägung in Ludwigsburg Wohnraum oder Abkühlung für die Bevölkerung?

Brunnen – wie hier im Blühenden Barock – können für Abkühlung im Sommer sorgen. Allein werden sie gegen die weiter steigenden Temperaturen in Ludwigsburg aber nichts ausrichten. Foto: Simon Granville

Mit dem Rahmenplan „Grüne Innenhöfe“ will Ludwigsburg dafür sorgen, dass nicht noch mehr Grün verschwindet. Damit allein werden sich die steigenden Temperaturen in der Stadt aber nicht erledigen.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg - Starkregen, Hagel, zunehmend heiße Tage und tropische Nächte: Der Klimawandel macht sich auch in Ludwigsburg mehr und mehr bemerkbar. Die Zahl der Tage, an denen das Thermometer über 30 Grad zeigt – aktuell sind es jährlich etwa zehn –, wird sich bis Ende des Jahrhunderts Prognosen zufolge verdreifacht haben. Die Temperaturen in der Barockstadt sind dann mit Avignon in Frankreich oder Salamanca in Spanien vergleichbar. Aufzuhalten ist die Entwicklung nicht mehr – und unter den steigenden Temperaturen werden viele Bürger leiden.

 

Um ihnen das Leben in Ludwigsburg weiterhin erträglich zu machen, hatte die Stadt vor sechs Jahren ein Konzept zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels (KliK) beschlossen. Dabei spielen beispielsweise Frischluftschneisen durch die Stadt, Parks, Gewässer, Bäume, Dach- und Fassadenbegrünungen aber auch die Entsieglung von Flächen eine Rolle. An welchen Stellen die Gefahr besonders groß ist, dass ein regelrechter Glutofen entsteht, eruiert derzeit das Forschungsprojekt Zures (Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risikoanalyse). Neu daran ist, dass die Stadt besonders kleinteilig betrachtet wird und die Analyse ein besonderes Augenmerk auf schutzbedürftige Gruppen wie Senioren, chronisch Kranke und Kinder legt.

Wo bleiben die versprochenen Bäume für Ludwigsburg?

Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften gab es in der jüngsten Sitzung nicht nur Lob für die Analyse. Einige Gemeinderäte äußerten Kritik daran, dass die Stadtverwaltung eigentlich schon wisse, was zu tun sei. „Aber wir haben nichts getan“, sagt Elga Burkhardt (Lubu). Ulrich Bauer (Grüne) wollte wissen, was aus den 1000 Bäumen geworden sei, die die Stadt versprochen hat zu pflanzen. Seine Parteifreundin Christine Knoß monierte, dass es die Stadt nicht einmal schaffe, die neu gepflanzten Bäume an Bushaltestellen so zu bewässern, dass sie nicht wieder eingehen.

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Klar ist schon jetzt, dass der Verwaltung ein Spagat gelingen muss. Denn auf der einen Seite muss mehr Wohnraum her, neue Wohnungen in der Innenstadt sind eigentlich nur durch Aufstockung von Gebäuden möglich. Höhere Bauwerke könnten verhindern, dass die Luft in Ludwigsburg gut zirkuliert. Außerhalb müssten für neue Gebäude Grünflächen weichen, die wiederum einen kühlenden Effekt haben. Mit der neuen Studie sollen deshalb auch die Maßnahmen identifiziert werden, die am besten wirken, so Bürgermeisterin Andrea Schwarz.

Genießen Schottergärten Bestandsschutz?

Bei (Neu-)Bauprojekten in der Innenstadt hat die Verwaltung mit dem Rahmenplan „Grüne Innenhöfe“ bald immerhin eine Verhandlungsgrundlage. Da sich die Anfragen häufen, Flächen zwischen den schon bestehenden Blocks zu bebauen, befürchtet die Verwaltung, dass sich das „Kleinklima“ weiter verschlechtert. Der Rahmenplan soll bestehende Grünflächen, Bäume und Wiesen schützen. Einigt sich die Stadt mit einem Besitzer in diesem Punkt nicht, entscheidet der Gemeinderat.

Die Stadt prüft zudem, wie Eigentümer dazu bewegt werden können, ihre Flächen intensiver zu begrünen. Möglich wären beispielsweise auch Prämien. Unklar ist bislang die Situation bei den Schottergärten. Die Landesregierung müsse klären, ob die Steinwüsten Bestandsschutz genießen, sagt Schwarz.

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