Die „Grüne Hauptstadt Europas 2026“ ist ein jährlicher Wettbewerb der Europäischen Kommission. Die Auszeichnung geht an Städte, die sich besonders für Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagieren. In die Bewertung fließen Kriterien wie Luftqualität, Wassermanagement oder Lärmbelastung ein. Der Wettbewerb ist mit 600 000 Euro dotiert und Heilbronn ist in der letzten Runde – gemeinsam mit Guimarães in Portugal und Klagenfurt am Wörthersee in Österreich .
„Roter Karte“ von der Deutschen Umwelthilfe
Doch ausgerechnet vor vier Wochen hat Heilbronn eine „Rote Karte“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erhalten, als eine der am schlimmsten versiegelten deutschen Städte. Nur Mannheim, Böblingen und Sindelfingen (Kreis Böblingen) sind der DUH zufolge landesweit noch stärker versiegelt. Da tröstet auch die Tourismus-Halbjahresbilanz für Heilbronn kaum mit einem neuen Spitzenwert: 25 Prozent mehr Übernachtungen (51 778) als im Vorjahr.
Sei’s drum: Der Anlauf für die städtische Generalüberholung liegt zwei Jahre zurück. 2022, mit der Wahl von Andreas Ringle (Grüne) zum Baudezernenten, kam neue Dynamik in den Prozess. Er erkannte schon damals, dass „grundlegende“ und tief greifende“ städtebauliche Veränderungen notwendig seien, um den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ erringen zu können.
Akademikerflucht an den Wochenenden
Ebenfalls nicht zu übersehen ist die Akademikerflucht an den Wochenenden und der dann verwaiste Bildungscampus. So zeigt sich: Um die Menschen in Heilbronn zum Bleiben zu bewegen, braucht es mehr als Kneipen, Kiez und Surfwelle am Neckar. Ringle sagt nicht umsonst: „Es ist sicher richtig, dass jüngere Generationen anders auf die Stadt schauen, andere Bedarfe und Erwartungen haben. Auch dies wird ein spannender Treiber für Transformation sein.“ Die Bewerbung zur „Grünen Hauptstadt Europas“ 2026“ gehört dazu.
Vom Gemeinderat kommt parteiübergreifende Zustimmung, versehen mit der Forderung, den zentralen Kiliansplatz in Heilbronn mit Bäumen zu bepflanzen.
Doch es muss noch einiges mehr dazukommen, wenn Heilbronn den Titel erobern will, auch mehr als die bereitgestellten 100 000 Euro. Am 24. Oktober fällt in Valencia die Entscheidung, Heilbronn bekam schon Vorschusslorbeeren für seine „nachhaltige Stadtentwicklung“. Auch wenn Ringle die Erwartungen dämpft so will man doch dranbleiben: Klappt es 2026 nicht, dann will man, so hat es der Gemeinderat beschlossen, die Bewerbung wiederholen.
Vom Wartberg aus, einem beliebten Ausflugsziel in Heilbronn inmitten der typischen Rebenlandschaft, sieht man, dass Heilbronn jetzt schon eine „grüne Stadt“ ist, eine interaktive Karte weist viele grüne und kühle Orte aus, aber die Idylle, wie sie die Planskizzen für einzelne Innenstadtareale vorführen, ist noch fern. Im März konnte man in der Ausstellung „Zukunft Innenstadt – Visionen und Strategien für Heilbronn“ die dafür entwickelten Zukunftsvisionen von Studierenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sehen, auf Basis des Bestandes, einschließlich der Hinterhöfe.
Wie schnell kann der Transformationsprozess sein?
Konkretes hat Oliver Toellner, Leiter des Grünflächenamtes und Pionier der Klimawäldchen, auf der Agenda: Er will die beiden Großkirchen der Innenstadt in eine „differenzierte“ Grünplanung des Kiliansplatzes und der Fußgängerzone Kirchbrunnenstraße einbeziehen. Dekan Christoph Baisch (evangelisch) wie auch Roland Rossnagel (katholisch) signalisierten bereits grundsätzliche Zustimmung, auch die ihrer Kirchengemeinderäte, für eine zunächst vierjährige Projektdauer.
Doch wie schnell kann der Transformationsprozess hin zu einer „Grünen Hauptstadt Europas“ sein? Heilbronn steht wirtschaftlich exzellent da. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung bescheinigte der Stadt zuletzt „Krisensicherheit“, eine „überdurchschnittliche Attraktivität für ausländische Akademiker“ und eine „hohe Dichte an Unternehmensgründungen, Fachkräften und Innovationen“. Und damit das so bleibt , fordern viele wirtschaftsnahe Institutionen hohe Investitionen in ihre Infrastruktur, vor allem aber auch ein Verständnis der Bürgerinnen und Bürger. Ringle sagt „die Fragen sind zu diskutieren, wo, wann und wie schnell sich der Transformationsprozess gestaltet“ und erinnert daran, dass Heilbronn einmal schon „grüne Gartenstadt“ werden sollte. Das war in ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Daraus wurde nichts. Doch in diesem Jahr soll sich das ändern