Heilbronner Polizistenmord Die lange Suche nach den Tätern

Von Stefan Geiger 

Hinter dem Polizistenmord und der sogenannten Döner-Mordserie stehen nach Auffassung der Bundesanwaltschaft die gleichen rechtsextremen Täter.

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Karlsruhe/Heilbronn - Es ist, wenn sich der Vorwurf bewahrheitet, eine der schlimmsten Serien politisch motivierter Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik. Noch mehr Opfer haben die Taten der linksextremen "Roten Armee Fraktion", das Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 und der rechtsextremistisch motivierte Anschlag auf das Oktoberfest 1980 in München gefordert.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt Uwe B. und Uwe M., die beiden 34 und 38 Jahre alten Männer, die sich vor einigen Tagen in Eisenach selbst erschossen haben, und deren Komplizin Beate Z. (36), die inzwischen in Haft ist, des Mordes in mindestens zehn Fällen, eines Mordversuchs, der Brandstiftung und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Politisch motivierte Gewalttaten

Der Verdacht ist gut begründet. In dem Wohnwagen, in dem sich die beiden Männer getötet haben, wurde die Waffe gefunden, mit der eine Heilbronner Polizistin ermordet worden ist. Und in der ausgebrannten Wohnung des Trios in Zwickau wurde die Pistole sichergestellt, mit der acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer in den Jahren zwischen 2000 bis 2006 ermordet worden sind. Die Serie erregte unter dem Stichwort "Döner-Morde" großes Aufsehen, wurde aber bis jetzt nicht aufgeklärt. Dass es sich um politisch motivierte Gewalttaten rechtsextremer Täter gehandelt hat, schließt die Bundesanwaltschaft aus dem Beweismaterial, das in Zwickau sichergestellt wurde.

Die Mordserie begann am 9. September 2000 in Nürnberg. Damals wurde ein 38 Jahre alter türkischer Blumenhändler an seinem mobilen Stand mit acht Schüssen getötet. Die damals verwandte Pistole der Marke Ceska, Typ 83, vom Kaliber 7,65 wurde auch bei allen anderen "Döner-Morden" benutzt.

Erstmals ist von zwei Tätern die Rede

Am 13. Juni 2001 wurde ebenfalls in Nürnberg ein 49-jähriger türkischer Änderungsschneider mit zwei Kopfschüssen getötet. Erstmals ist von zwei Tätern die Rede. Wenige Tage später, am 27. Juli 2001, wurde in Hamburg ein 31 Jahre alter Gemüsehändler in seinem Laden zum Mordopfer. Am 29. August 2001 waren die Täter am anderen Ende der Republik in München aktiv und erschossen einen 38-jährigen türkischen Gemüsehändler. Dann gab es in der Mordserie eine zweieinhalbjährige Unterbrechung. Am 25. Februar 2004 wurde ein 25 Jahre alter türkischer Verkäufer in einem Döner-Stand in Rostock ermordet. Zum ersten Mal gibt es eine Täterbeschreibung. Zeugen berichten von zwei jungen, auffallend schlanken Männern auf Fahrrädern. Am 15. Juni 2005 sind die Mörder wieder in München aktiv. Sie erschießen den 41-jährigen Mitinhaber eines Schlüsseldienstes. Das Opfer ist diesmal ein Grieche.

Im Jahre 2006 ereignen sich zwei weitere Morde. Am 4. April wird in Dortmund zur Mittagszeit an einer viel befahrenen Straße ein türkischstämmiger 39-jähriger Kioskbesitzer getötet. Nur zwei Tage später wurde der 21-jährige Betreiber eines Internet-Cafes in Kassel durch zwei Schüsse niedergestreckt. Damals wurde ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes kurzzeitig wegen Mordverdachts festgenommen. Er hatte das Internet-Cafe nur eine Minute vor der Tat verlassen. Nachgewiesen werden konnte ihm nichts. Danach endete die Serie.

Die Fahnder hatten keinen Erfolg

Die Polizei ermittelte mit bis zu 160 Beamten im ganzen Bundesgebiet. Es wurden Belohnungen von 300.000 Euro für die Ergreifung der Täter versprochen. 11.000 Personen wurden überprüft. Doch die Fahnder hatten keinen Erfolg. Sie suchten vergeblich nach einem Motiv und sie verfolgen falsche Spuren. Erst wurden die Täter im Mafia-Milieu gesucht, später wurde spekuliert, Wettschulden könnten die Ursache sein. Dabei gab es keine Hinweise auf finanzielle Probleme der Opfer.

Die Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst berichtete mehrfach über die Mordserie - ohne Ergebnis. Hörfunk und Fernsehen brachten Dokumentationen. Dann gerieten die Verbrechen jedenfalls öffentlich in Vergessenheit - bis Freitag.

Möglicherweise weitere Personen verwickelt

Niemand kam bis zu den spektakulären Ereignissen der vergangenen Tage auf die Idee, dass diese Serie im Zusammenhang mit dem Mord im April 2007 in Heilbronn stehen könnte. Dort war die 22-jährige Polizistin Michéle Kiesewetter getötet, ihr Kollege schwer verletzt worden. Niemand brachte all diese Taten mit dem Trio in Verbindung, das bereits in den 90er Jahren wegen seiner Aktivitäten im rechtsextremen "Thüringischen Heimatschutz" aufgefallen und damals dringend verdächtig war, Bomben gebastelt zu haben.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass das Trio auch verdächtigt wird, seit 1999 mindestens 14 Raubüberfälle begangen zu haben. Die Beute: mehr als 100.000 Euro. In der Zwickauer Wohnung waren eine Maschinenpistole, ein Gewehr und neun Faustfeuerwaffen gefunden worden.

Die Bundesanwaltschaft hat offenbar auch Hinweise darauf, dass noch weitere Personen aus dem rechtsextremistischen Milieu in die Taten verwickelt sein könnten und ermittelt in diese Richtung.