Mobilitätszentrum von Daimler in Feuerbach So steht es um das Projekt an der Heilbronner Straße

Das Gelände an der Heilbronner Straße in Feuerbach   nutzt Daimler derzeit nur  als Abstellfläche für Autos. Ursprünglich war dort eine neue Niederlassung des Autobauers geplant. Foto: Georg Friedel
Das Gelände an der Heilbronner Straße in Feuerbach nutzt Daimler derzeit nur als Abstellfläche für Autos. Ursprünglich war dort eine neue Niederlassung des Autobauers geplant. Foto: Georg Friedel

Der Autobauer mit dem Stern will eine Stellplatzfläche auf dem ehemaligen Hahn-und-Kolb-Gelände in Feuerbach schaffen. Der Bau der Niederlassung lässt auf sich warten.

Stuttgart-Feuerbach - Wie schnell die Jahre vergehen: Ende 2011 kaufte Daimler das frühere Hahn-und-Kolb-Gelände an der Kreuzung Heilbronner/ Borsigstraße. Für ein Automobilunternehmen gibt es kaum ein besseres Grundstück, um seine Produkte ins Schaufenster zu stellen: Tausende Autofahrer und Pendler passieren täglich die Stelle stadteinwärts an der B 10 am nördlichen Einfallstor.

Doch wer dort vorbeifährt, schaut nach neun Jahren immer noch auf eine Brache am Rande der sechsspurigen Straße. Auf dem inzwischen leer geräumten Gelände parken zwar ein paar Gebrauchtfahrzeuge und in der Mitte prangt ein Meter hoher Sandberg, aber sonst deutet bisher nichts darauf hin, dass hier in Bälde ein Neubau entstehen könnte.

Dabei hatte der Autobauer mit dem Stern angekündigt, dass er an dieser Stelle Großes vorhabe. Ein neues Mobilitätszentrum sollte an der Heilbronner Straße 339 gebaut werden. Das bisherige Mercedes-Forum mit der etwa 18 Meter hohen Glasfassade wollte Daimler abreißen lassen. Stattdessen sollte ein neuer „Flag-ship Store“ mit einem „Sales-Gebäude“ und einem „Service-Gebäude“ auf dem Doppelgrundstück nahe der Kreuzung im Gewerbegebiet Feuerbach-Ost entstehen. Zudem war ein Parkhaus mit 1200 Stellplätzen auf der künftigen Mercedes-Niederlassung geplant. Doch der rasante Strukturwandel in der Automobilindustrie bremst manches Projekt aus. „Die Automobilhersteller und Zulieferer haben gerade ganz andere Sorgen“, ist von einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu hören. Für Daimlers Pläne an der Automeile heißt das: Der Bau der Niederlassung ist wohl vorerst auf Eis gelegt. Was wird dann aber aus dem „Flagship-Store“? Werden die Fahnen für das Großprojekt an der Heilbronner Straße wieder eingerollt – bevor sie überhaupt gehisst wurden? Wie soll die Nutzung der Fläche künftig aussehen? Auf diesbezügliche Fragen reagiert der Automobilbauer aus Untertürkheim schon seit einiger Zeit ausgesprochen wortkarg: „Ein neues Konzept wird derzeit erarbeitet“, sagt ein Daimler-Sprecher auf die aktuelle Nachfrage unserer Zeitung. Mit genaueren Angaben geizt der Autobauer aus Untertürkheim und teilt schriftlich mit: „Im Rahmen regelmäßiger Überprüfungen“ sei „auch das Konzept für die geplante Neuausrichtung erneut bewertet“ worden. Darüber hinaus wolle man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Bei der Stadt ist bisher kein Antrag für einen Neubau eingegangen

Nähere Angaben über das Projekt sind auch nicht aus dem Stuttgarter Rathaus zu hören: „Uns liegen im Moment keine neuen Informationen vor.“ Es handle sich um ein Privatgrundstück. Und deshalb liege es in der Entscheidung des Eigentümers, was er damit mache: „Wir haben großes Interesse daran, dass an dieser Stelle eine qualitätvolle Entwicklung entsteht“, heißt es aus dem Referat von Baubürgermeister Peter Pätzold.

Ursprünglich wollte Mercedes-Benz seine Pkw-Vertriebsaktivitäten an dieser Stelle bündeln und seine Niederlassung vom Neckarpark an die Heilbronner Straße legen. Mit dem Stadtplanungsamt fanden diesbezüglich mehrfach Gespräche statt. Im Technikausschuss war vor etwa zwei Jahren die Mehrheit der Stadträte von den Bauplänen des Autobauers in Feuerbach-Ost durchaus angetan. Der städtische Gestaltungsbeirat sah allerdings, was die optische Gestaltung betraf und „Riegel-Bebauung“ anging, architektonisch noch viel Luft nach oben: Insofern sei „Innehalten vielleicht gar nicht mal das Schlechteste“, meint ein Planer bei der Stadt.

Zumindest wie das Areal übergangsweise genutzt werden kann, steht wohl fest: Momentan will Daimler auf dem Areal neben dem Mercedes Forum einen Parkplatz bauen. So ist jedenfalls aus dem Baurechtsamt zu hören. Bei der Stadt sei bisher kein Antrag für einen Neubau eingegangen, sagt Kirsten Rickes. Die Amtsleiterin hat stattdessen einen anderen Bauantrag für das ehemalige Hahn-und-Kolb-Gelände vorliegen. Demnach plant der Autobauer mit dem Stern, dort eine Stellplatzfläche für Fahrzeuge zu schaffen: Dafür sei ein Genehmigungsverfahren erforderlich, das derzeit noch laufe, erklärt Rickes. Die Bauarbeiten dafür sollen voraussichtlich „gegen Ende des ersten Quartals 2021 abgeschlossen sein“, erklärt ein Pressesprecher von Mercedes-Benz.




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