Heilende Töne in Sillenbuch Klänge für Herz und Seele

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Die Heiltherapeutin Carmen Bettini aus Sillenbuch will mit ihren Klangschalen nicht nur heilen, sondern tritt auch bei Konzerten auf.

Carmen Bettini tritt mit ihren Klangschalen auch vor Publikum auf. Foto: Cedric Rehman
Carmen Bettini tritt mit ihren Klangschalen auch vor Publikum auf. Foto: Cedric Rehman

Sillenbuch - Der Ton gleicht einem Schlag. Er lässt zusammenzucken, als ob Gefahr im Verzug ist. Das Grollen erinnert an einen Tsunami, der sich langsam aus dem Meer in die Höhe schraubt, um kurz darauf alles unter sich zu begraben. Das ist eine spontane Assoziation und genau um die geht es, sagt Carmen Bettini. Sie hat einen Klöppel in der Hand, der entfernt an ein Mikro erinnert. Mit ihm streicht sie über die Metallplatte. Dann summt der Gong sanft vor sich hin. Oder sie schlägt auf die Scheibe. Vulkanausbruch, Unwetter, da sind sie wieder, die Assoziationen.

Im Grunde sind Gong und Klangschalen nur Mittel zum Zweck. Carmen Bettini will die Fantasie ihrer Zuhörer anregen und sie hinausführen aus dem Kreislauf ewig gleicher Gedanken. So wie am gestrigen Sonntag, als sie den Innenraum der Kirche Sankt Michael bei einem Konzert als Resonanzkörper für ihre Gong-Klänge nutzte. Sie kann sich selbst gut erinnern an Zeiten, in denen ein voller Terminkalender ihr Leben bestimmt hat.

Aus der Modebranche

Noch in den 90er-Jahren leitete die Heilpraktikerin als Designerin eine Modefirma in Stuttgart. Modells zeigten ihre Entwürfe auf dem Catwalk in Düsseldorf. Sie selbst kaufte in Frankreich Stoffe ein oder auch in Mailand. Das klingt glamourös, nach Champagner und Bussi-Bussi. Doch in der Realität war es harte Arbeit, die viel Energie gekostet hat. Der schöne Schein, in den Bettini Ballen aus Stoff verwandelt hat, ließ sich auf Dauer nicht aus ihrem Leben raushalten.

Dann kam der Bruch vor zehn Jahren. Der Ehemann starb, und das eigene Erleben gab zu wenig her, um damit fortzufahren nur glitzernde und schillernde Oberfläche zu produzieren. Eine ganz neue Richtung musste her, und das Interesse ging eher in die Richtung all dessen, was im Inneren steckt, sagt sie. „Es ist nicht selten, dass Heilpraktiker ein eigenes Erlebnis haben, das sie dazu bringt, sich für alternative Therapien zu interessieren“, sagt sie.

Positive Wirkung

Besonders die Methoden, die mit Klängen Traumata und Stress begegnen wollen, faszinieren Bettini. Wenn sie den Segen der Gongtöne erklärt, klingt das nüchtern und wissenschaftlich. Dann ist von der Hertz-Frequenz der Schwingungen die Rede, die einen positiven Effekt auf den Tonus der Muskeln haben.

Bettini ist überzeugt, dass so Verspannungen gelöst werden können, während gleichzeitig der Verstand in einen anderen Bewusstseinszustand entrückt. Die Musik öffne dem Therapeuten einen direkteren Zugang zum Patienten, sagt sie. Zu den Gefühlen, die sich nicht immer in einem Gespräch offenbaren können, weil sie oft gar nicht mehr bewusst von den Menschen wahrgenommen werden.

Klischees

Bettini kennt die Klischees über ihren Berufsstand und kann über sie lachen. „Heilpraktiker sind doch auch nur Menschen“, sagt sie. Und nicht alle glauben an Engel oder Geisterwesen, Carmen Bettini zumindest nicht. Ihre Tätigkeiten sind auch oft genug ganz irdischer Natur. Abend muss die Heilpraktikerin oft bis spät in den Abend Rechnungen schreiben und wieder muss sie aufpassen, dass sie selbst nicht zu kurz kommt bei ihren Verpflichtungen. Die Arbeit mit den Patienten hilft ihr, ihre eigenen Grenzen zu erkennen, sagt sie. Weil die Therapeutin ihr Verhalten wie in einem Spiegel sieht. Zum Beispiel, wenn Patienten mit durchgedrückten Knien völlig unentspannt herumstehen. „Das ist eine Haltung, die eine innere Anspannung ausdrückt.“ Bettini weist sie darauf hin und erinnert sich dann selbst daran, entspannt dazustehen und den Stress nicht an sich heranzulassen. Inzwischen hat sie damit aber nur selten Probleme. Das Leben ohne den schönen Schein, es scheint leichter zu sein. „Früher wäre ich gestylter gewesen“, sagt Bettini, die einen Wollpulli in schlichtem Grau trägt.

Ausgefallene Mode vermisst sie offenbar so wenig wie das ausgefallene Leben drum herum. Selten trifft sie jemanden aus der Branche, sagt sie. Falls doch, freut sie sich, es berührt sie aber wenig. „Das ist einfach eine andere Welt.“

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