Heilfasten daheim Eine Woche lang fasten, als einzige in der Familie

Der Fastenkorb ist vorbereitet. Nach dem Heilfasten gibt es einen ersten Apfel und der Pullover ist in der Woche (fast) fertig geworden. Foto: privat

Eine Woche Heilfasten daheim, als einzige in der Familie. Kann das klappen? Unsere Leserin berichtet von ihrer Erfahrung und verrät, ob sie wirklich bis zum Schluss durchgehalten hat.

Freizeit und Unterhaltung: Dominika Bulwicka-Walz (dbw)

Julia Weber, die eigentlich anders heißt aber ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat sich dazu entschlossen, als einzige der vierköpfigen Familie eine Heilfastenkur zu machen. Die 50-Jährige beschließt daheim eine Woche lang Hausputz in ihrem Körper zu betreiben. Wie das geklappt hatte, hat die Stuttgarterin hier aufgeschrieben. Ein Realitätscheck.

 

Kurz nach Silvester bemerke ich eine gewisse körperliche Trägheit und Behäbigkeit. Irgendwie war es in den letzten Monaten von allem zu viel. Zuviel reichhaltige winterliche Speisen, zu viel Brot, zu viele Süßigkeiten, die dunklen Tage riefen nach Kaffee und dafür zu wenig Sport. Ich nehme mir vor, wieder gesünder zu essen und mehr Bewegung in meinen Alltag zu bringen. Doch wer kennt sie nicht, die guten Silvestervorsätze?

Da bietet es sich an, dass die Kinder auch dieses Jahr fragen, ob wir vor Ostern wieder auf etwas fasten wollen. Klar, ich bin dabei! Wir comitten uns auf rein vegetarische Kost und totales Süßigkeitenverbot.

Zwei Kuren hinter sich

Dann erzählt mir eine Bekannte von ihrer Fastenkur und ich höre sehr interessiert zu. Denn ich habe bereits zwei Fastenkuren in meinem Leben gemacht. Eine vierwöchige F.X.-Mayr-Kur noch während des Studiums - und habe mir geschworen, diese niemals zu wiederholen. Es war anstrengend, eintönig und unfassbar lang. Mit Seminaren, Lernen, Prüfungen und Nebenjob nicht wirklich praktikabel im Alltag. Fairerweise muss ich aber gestehen: Nach der Kur ging es mir richtig gut.

Die zweite Kur war eine Woche Buchinger Fasten daheim. Allerdings war unsere Tochter damals noch keine zwei Jahre alt, daher habe ich diesen Versuch zwar bis zum Schluss durchgehalten, aber auch nicht in besonders schöner Erinnerung. Müdigkeit, Kleinkindbetreuung und Heilfasten sind eine fiese Mischung.

„Ich wage den dritten Versuch“

Wie es der Zufall will, fällt mein Faschingsurlaub in diesem Jahr auf die Zeit nach den Faschingsferien und vormittags wird niemand daheim sein. Ich wage einen neuen Anlauf, beschließe ich und lasse meine Entscheidung am Esstisch raus: „Ich werde eine Heilfastenkur daheim machen, eine Woche Buchinger Fasten.“ Drei Augenbrauen wandern synchron nach oben, drei Augenpaare sehen erst mich, dann sich untereinander an. Und das knappe gemeinschaftliche „Okay“ lässt mich erahnen, dass die Prognosen für meinen Erfolg eher im einstelligen Prozentbereich gehandelt werden.

Wie dem auch sei, ich bereite mich akribisch vor. Ich stöbere in der Buchhandlung herum und besorge mir ein Fachbuch mit guten Erklärungen und realistischen Anleitungen, in dem auch alles aufgelistet ist, was man zur Hand haben sollte. Was die Verpflegung angeht, ist es ohnehin nicht viel: Bio-Säfte, da wir keinen Entsafter haben, Gemüse für die Brühe, Honig, die Kräutertees mische ich selbst und stilles Wasser. Der Speiseplan der kommenden fünf Tage wird aus zwei Löffeln Honig, einem Glas Saft und einem Becher Gemüsebrühe bestehen. Wärmflasche, schöne Tasse für den Tee, Wollsocken und Ähnliches habe ich vorrätig.

Vorbereitungen für den Start

Mein Fachbuch empfiehlt sich in den anstehenden Tagen sehr viel Zeit für sich selbst zu nehmen: Ruhezeiten, viel Bewegung und die Dinge, die einem Spaß machen voll und ganz zu genießen. Also lege ich mir die „The Nine Tailors“ von Dorothy L. Sayers bereit neben den Pullover den ich fertig stricken will, nehme mir vor mich ganz viel im Wald aufzuhalten und zwei Schubladen umzuorganisieren. Am folgenden Tag geht es los mit den Schontagen.

Ich muss zugeben, dass ich die Abbautage, also, die Tage, an denen man den Körper auf die Kur vorbereitet und nur noch schonende Kost in geringen Mengen zu sich nimmt, etwas freier interpretiere. Aber dann reiße ich mich zusammen. Der erste Tag ist überraschenderweise nicht so schlimm wie erwartet. Morgens ein Tee mit Honig, mittags trinke ich einen mit Wasser verdünnten Saft, abends löffele ich meine Gemüsebrühe und gehe früh schlafen.

Das Fasten geht los

Schon am zweiten Tag, will ich die ganze Welt umarmen. Meine Laune ist bestens aber meine Beine sind so schwach, dass ich kaum die Treppen hoch komme. Nichtsdestotrotz bringe ich meine Tochter zum Sport und wieder zurück.

Die Kinder sind in der Woche engelsgleich: Um mich nicht mit Essen zu belästigen, kümmern sie sich selbst darum. Sie backen an einem Nachmittag zum Beispiel Bananenkuchen zum Abendessen und Pfannkuchen für das Mittagessen am nächsten Tag. Ich laufe an dem vollen Teller vorbei und ertappe mich beim reflexhaften Zugreifen. Nein, ermahne ich mich und halte tapfer durch. Und muss in diesem Augenblick ehrlich gestehen, dass ich zwar einen leeren Magen habe aber keinen echten Hunger. Dafür trinke ich gefühlt einen Hektoliter Wasser und Tee pro Tag.

Eines nachts wache ich allerdings um 2.44 Uhr auf und bin hellwach. Am Ende geht mein Mann mit seinem Buch ins Wohnzimmer. Tags drauf verrät mein Fachbuch: ganz normal. Mitten in der Kur habe ich einen Tag, an dem ich mich nicht besonders gut fühle aber auch nicht schlecht. Trotzdem muss ich los, um etwas zu erledigen. Da muss ich jetzt durch.

Die folgenden Tage bis zum Schluss sind eigentlich unproblematisch aber allmählich etwas eintönig. Denn de facto habe ich nur wenig Sport gemacht, da doch immer irgendwelche Termine anstanden, die ich wahrnehmen musste. Auf mein Buch konnte ich mich aus irgendeinem Grund nur schwer konzentrieren. Ich habe es zwar zu Ende gelesen aber mit Schwierigkeiten. Das hatte ich gar nicht erwartet. Den Pullover habe ich dafür fertigbekommen. Wahrscheinlich waren die monotonen Bewegungen genau das Richtige. Und die Schubladen habe ich auch umgeräumt.

Bis zum Schluss durchgehalten

Mein Fazit: Wenn ich am Essen vorbeilief, war da immer dieser Instinkt einfach nach einem Stück zu schnappen. Und das ist auch das, was wir während des Fastens wieder lernen sollen, bewusstes Essen. Eine Fastenkur als einziges Familienmitglied ist machbar. Wenn die Kinder bereits älter sind, ist es ohnehin leichter. Doch der Alltag lässt sich mit Familie nicht einfach ausschalten und die Zeit für sich selbst und das ganz bewusste Zelebrieren dieser Tage sind doch nur eingeschränkt möglich. Man kann sich am Ende nicht komplett abkapseln. Der eine oder andere Geschwisterstreit will beschwichtigt und ein T-Shirt-Problem geklärt werden oder es warten Vokabeln, die man gemeinsam durchgehen will.

Dennoch hatte mich selbst ziemlich überrascht, dass das Hungergefühl und die befürchtete notorische Übellaunigkeit nicht aufkamen. Ganz im Gegenteil, ich hatte sogar sehr gute Laune. Und unvergessen bleibt mir von dieser Heilfastenkur, wie auch von den beiden anderen der erste Geschmack eines Apfels. Etwas so Köstliches hatte ich schon lange nicht gegessen.

Wer also bereit ist nicht zu streng mit sich zu sein, schafft es auch im Kreise der Familie zu fasten. Denn das, was ich mitgenommen habe ist, dass man tatsächlich einen frischeren und wieder reflektierten Blick auf seine eigene Ernährung bekommt, der sicherlich noch eine Weile anhält.

Bei uns sind die Süßis bis Ostern komplett vom Speiseplan gestrichen und vegetarische Kost angesagt.

Bevor man eine Heilfastenkur beginnt sollte man unbedingt mit seinem Arzt oder Ärztin abklären, ob keine gesundheitlichen Bedenken bestehen.

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