Heilige Pforte an Ave Maria in Deggingen Sündenvergebung am Seiteneingang

Pater Felix öffnet die Heilige Pforte von Ave Maria. „Wir Menschen brauchen äußere Zeichen“, ist er überzeugt. Foto: Horst Rudel
Pater Felix öffnet die Heilige Pforte von Ave Maria. „Wir Menschen brauchen äußere Zeichen“, ist er überzeugt. Foto: Horst Rudel

Der Papst in Rom hat es vorgemacht, jetzt ist Pater Felix dran: am Sonntag öffnet der Kapuzinermönch an der Wallfahrtskirche Ave Maria bei Deggingen die Heilige Pforte. Wer dort in den kommenden zwölf Monaten hindurch schreitet, kann laut Kirchenrecht mit einem Ablass rechnen.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Göppingen - Gemessen am spätbarocken Prunk im Inneren von Ave Maria ist die dunkle Holztüre von fast protestantischer Schlichtheit. Und doch soll der Seiteneingang der hoch über Deggingen gelegenen Wallfahrtskirche etwas Besonderes sein. In den kommenden zwölf Monaten ist er eine so genannte Pforte der Barmherzigkeit. Am Sonntag, den dritten Advent, wird sie feierlich eröffnet. „Wir werden sie mit einem grünen Kranz schmücken“, sagt Pater Felix Kraus, der Hausobere des zugehörigen Kapuzinerklosters.

Der Papst wünscht mehr Barmherzigkeit

Vorbild ist der Petersdom in Rom. Dort hat Papst Franziskus am Dienstag, dem Tag von Mariä Erwählung, den Beginn des außerordentlichen Heiligen Jahres verkündet. In einer feierlichen Zeremonie öffnete er das Nordportal der Papstbasilika als Heilige Pforte. Seit dem letzten Heiligen Jahr 2000/2001 war es zugemauert gewesen und so hätte es nach dem Kirchenrecht bis zum Jahr 2025 bleiben sollen. Doch so lange wollte der Papst nicht warten. Zu wichtig und drängend erschien es ihm in Zeiten von Flüchtlingsströmen und Krisen, das Thema Barmherzigkeit in den Mittelpunkt zu rücken. Und weil nicht jeder nach Rom pilgern kann und die katholische Kirche eine weltweite ist, bat Franziskus seine Bischöfe, auch in ihren Diözesen an Kathedralen und Wallfahrtskirchen zum Heiligen Jahr solche Portale einzurichten.

So erhielten auch Pater Felix und seine vier Mitbrüder vom Degginger Kapuzinerkonvent vor fünf Wochen ein Schreiben des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg. Ob es möglich wäre, auch an Ave Maria eine solche Pforte zu öffnen, fragte der Weihbischof Johannes Kreidler nach. Natürlich sagten die Mönche zu. Die gleichzeitig angekündigte wetterfeste Stehfahne ist zwar noch nicht geliefert, aber Pater Felix hat die Heilige Eröffnungsmesse schon vorbereitet. Feierlich wird die Weihung werden, wenn auch nicht ganz so prunkvoll wie in Rom. Die Klosterbrüder entschieden sich dafür, den Seiteneingang zum Wallfahrtshof als Heilige Pforte auszuweisen. Der ist auch sonst geöffnet. „Vom Hauptportal haben wir zwar einen herrlichen Blick hinunter aufs Dorf“, sagt Pater Felix. Aber dort kommen nach vier Metern gleich die Mauer und dann der Abhang.

Den Pilgern winkt ein Ablass

Traditionell ist mit dem Heiligen Jahr ein besonderer Ablass verbunden. Wer dreimal durch die Heilige Pforte des Petersdoms schreitet, so heißt es seit dem Hochmittelalter, dem werden seine Sünden erlassen. Ob dies auch an Ave Maria funktioniert? Wahrscheinlich werde es Leute geben, „die können 100 Mal hin und her laufen und bemerken nichts“, sagt Pater Felix. Es komme schon auf die richtige Einstellung an. Für ihn sei das Portal ein äußeres Zeichen für die innere Gnade, die Gott gewähre, für die Chance, mit sich und anderen neu anzufangen. „Menschen brauchen solche äußeren Zeichen“, ist der Priester überzeugt. Eine Kirche sei ja auch mehr als ein bloßes Kulturdenkmal.

Auch das Wort Ablass hat für den 70-Jährigen keinen schlechten Klang. Natürlich sei die lutherische Kritik am exzessiven Ablasshandel berechtigt gewesen. „Aber alles Heilige kann man verkaufen, auch die Liebe“, sagt der Pater. „Trotzdem bleibt es etwas Gutes.“ Der Eintritt in Ave Maria ist selbstverständlich auch in den kommenden Monaten frei.




Unsere Empfehlung für Sie