Die Infrastruktur des dicht besiedelten Landkreises Ludwigsburg ächzt unter der Last der Automassen. Umso wichtiger sind Radwege und ein guter öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Besonders Bus- und Bahnverbindungen haben sich in den vergangenen Jahren verbessert und weitere Projekte sind in Planung.
Dennoch fühlen sich manche Kommunen abgehängt, und auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Heimat-Checks sind mit ihrer Bewertung zurückhaltend. Die Fragen, wie gut ihre Gemeinden an den ÖPNV angebunden ist und wie zufrieden sie mit dem Radwegenetz sind, bewerteten die Leser im Kreis mit einem Ergebnis von 6,09 Punkten – 10 Punkte wären möglich.
VVS hat einiges vorzuweisen
„Ich würde dem Landkreis Ludwigsburg neun Punkte geben“, sagt Frank Bodenhöfer, Teamleiter der Angebotsplanung im VVS. Laut seiner Aussage gibt es im Kreis 13 Bahnlinien, circa 110 Buslinien und rund 700 Fahrten pro Tag. „Im Vergleich zu den anderen vier VVS-Landkreisen liegt das Angebot in Ludwigsburg ganz vorne.“
Dieser Top-Wert lässt sich unter anderem auf einen Angebotssprung vor drei Jahren zurückführen. Der VVS habe damals mit dem Landkreis die Busverbindungen verstärkt, die Strohgäubahn auf einen Halbstundentakt umgestellt und den vollständigen 15-Minuten-Takt der S-Bahnen unter der Woche eingeführt, zählt Bodenhöfer auf. In Ludwigsburg habe sich die Betriebsleistung innerhalb kurzer Zeit um 20 Prozent gesteigert, in Bietigheim-Bissingen sogar um 25 Prozent.
Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, dennoch fällt auf, dass sich einige Kreisbewohner trotz der Fortschritte nicht gut angebunden fühlen. Die Teilnehmer aus Ludwigsburg beschweren sich beispielsweise über unzuverlässige Busverbindungen. Ein Tammer bemängelt die Anbindung seines Stadtteils an den Bahnhof. Aus Markgröningen fordern mehrere Stimmen einen schnellen Bau der Stadtbahn – „wir warten seit vielen, vielen Jahren“. Es sind jedoch die kleinen Gemeinden, die den größten Ärger haben. Ein Eberdingener würde gerne in seine 13 Kilometer entfernte Arbeitsstelle mit dem Bus fahren – zweimal umsteigen und eine doppelt so lange Fahrtzeit gegenüber dem Auto sind ihm aber einfach zu viel.
Dörfer hinken weiterhin hinterer
Vom ÖPNV-Ausbau kommt in den Dörfern wenig an, findet auch Eberdingens Bürgermeister Carsten Willing. Seine Gemeinde schneidet im Heimat-Check am schlechtesten ab. Die Bemühungen um eine bessere Bustaktung oder neue Haltestellen seien aussichtslos. Er müsse aktuell eher dafür kämpfen, dass er den Status quo beibehalten kann. „Mein Eindruck ist, dass unsere ausgestreckte Hand nicht angenommen wird.“ Und das, obwohl die Landespolitik öffentlich die Stärkung des flächendeckenden ÖPNV beschwöre, sagt Willing.
„Sicher haben wir in einigen Kommunen noch Luft nach oben“, sagt Bodenhöfer vom VVS. „Aber das hängt mit der Einwohnerzahl und der potenziellen Nachfrage zusammen.“ Je nachdem wird das Angebot gestaltet.
Neben der fehlenden Nachfrage gibt es jedoch weitere Gründe, warum der Ausbau von Buslinien in kleinen Gemeinden hinterherhinkt. Erstens leiden Busunternehmen unter Personalmangel. Schon 2022 konnte das Verkehrsangebot auf zahlreichen Linien im Kreis nicht vollständig aufrechterhalten werden.
Zweitens schlingen Probleme auf bestehenden Buslinien Aufmerksamkeit und Ressourcen. Denn wegen Staus, neuer Haltestellen und den vielen neuen Tempo-30-Zonen haben die Verspätungen auf einigen Linien zugenommen. Diese Probleme müssen erst behoben werden, bis an neue Linien gedacht wird.
Drittens ist da das Geld: Das Landratsamt und die Gemeinden haben mit steigenden Personalkosten und Ausgaben für die Flüchtlingsunterbringung zu kämpfen. Bus-Projekte müssen sich dabei hinten anstellen.
Viel optimistischer ist die Stimmung derweil in „S-Bahn-Gemeinden“ wie Tamm, Bietigheim-Bissingen und Benningen. Das 6500-Einwohner-Dorf belegt mit einem Wert von 8,11 den ersten Platz dieses Heimat-Checks. Benningen sei privilegiert, sagt Bürgermeister Klaus Warthon. Der Neckarradweg führt direkt am Ort vorbei, zudem fährt alle 15 Minuten eine S-Bahn vom Ortskern in Richtung Ludwigsburg. Die Anbindung durch die S-Bahn funktioniert so gut, dass es in Benningen keinen einzigen Bus braucht.