Heimat-Check Rems-Murr-Kreis Ein gutes Gasthaus glänzt auch ohne Stern

Was kommt bei den Gästen an? Die Gastronomie im Rems-Murr-Kreis erhält nicht überall gute Noten. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Die Bewertungen für die Gastronomie warten beim Heimat-Check mit verblüffenden Ergebnissen auf: An der Spitze der Zufriedenheits-Rangliste liegt eine Kommune, die bisher nicht als Genussmetropole galt. Mit einem Notendurchschnitt von 5,72 kann sich die Gastro im Kreis dennoch sehen lassen.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Dass es die Genießer aus der Region Stuttgart mit Vorliebe in den Rems-Murr-Kreis zieht, ist kein Geheimnis. Mit seinen landschaftlichen Reizen, seinem Angebot an Kultur und Natur, aber eben auch wegen seiner Einkehrmöglichkeiten von der Besenwirtschaft bis zum Biergarten gilt der Nordosten von Stuttgart seit Jahrzehnten als beliebtes Ausflugsziel für am Wochenende gern aus ihrem Kessel flüchtende Städter.

 

Kein Wunder, dass bei der touristischen Vermarktung des Rems-Murr-Kreises neben Fachwerk und Geschichte stets auch vom Genuss die Rede ist. Die gastronomische Vielfalt von der Sterneküche bis zum Landgasthof ist ebenso wie die mit herausragender Qualität gesegnete Weinbautradition ein Aushängeschild für den Landkreis. Umso spannender ist die beim großen Heimat-Check unserer Zeitung gestellte Frage, ob auch die Menschen, die in der „schwäbischen Toskana“ zwischen dem Remstal und der Backnanger Bucht leben, das kulinarische Angebot zu schätzen wissen. Die persönliche Bewertung der vor Ort jeweils vorhandenen Gastronomiebetriebe war eine der insgesamt 14 Kategorien, die bei der dreiwöchigen Befragung der Leserschaft im Juni abgefragt wurden – mit auf den ersten Blick teils sehr überraschenden Ergebnissen.

Beste Noten für die kleine Gemeinde Althütte

So heimst nicht etwa eine Kommune mit einem Sternerestaurant die beste Benotung im Rems-Murr-Kreis ein, die Meinung der Tester des renommierten Restaurantführers Michelin scheint für die Einschätzung, was gute Gastlichkeit bedeutet, keine Rolle zu spielen. Im Gegenteil: Die besten Noten beim gastronomischen Angebot erhält mit 7,48 von zehn möglichen Punkten die zahlenmäßig eher kleine Gemeinde Althütte. Von den Gastronomiebetrieben in dem 4200-Einwohner-Ort darf dieses Ergebnis durchaus als kulinarischer Ritterschlag verstanden werden – besser bewertet als Althütte wird an Rems und Murr kein Angebot.

Auch die hinter dem Spitzenreiter auf dem Treppchen gelandete Kommune dürfte für Feinschmecker eine Überraschung sein. Platz zwei hat sich mit einem Notendurchschnitt von stattlichen 7,25 Punkten das doppelt so große Aspach gesichert. Erst auf den Plätzen drei und vier sind beim Heimat-Check für die Gastronomie mit Weinstadt (7,10) und Winterbach (7,09) die ersten Remstal-Kommunen zu finden. Und: Der erste Ort mit einem Sternekoch landet auf dem fünften Platz – in Kernen, wo der vom Michelin gekrönte Joannis Malathounis auf Gourmet-Niveau seine moderne griechische Küche serviert, vergeben die Bürgerinnen und Bürger fürs gastronomische Gesamt-Angebot die Durchschnittsnote 6,77.

Allerdings: Auch wenn sich an unserer Umfrage zum Heimat-Check immerhin 2623 Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis aktiv beteiligt haben, genügt die kreisweite Rangliste den Anforderungen an ein wirklich repräsentatives Ergebnis nicht. Je kleiner die Kommune, desto größer wirken sich extreme Einzelbewertungen aus. Mit Oppenweiler, Burgstetten, Kaisersbach und Spiegelberg haben wir außerdem vier Kommunen ganz bewusst aus der Wertung genommen, weil eine geringe Teilnehmerzahl das Ergebnis aus unserer Sicht deutlich verzerrt hätte. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt sich bei der Gastronomie: Just Oppenweiler wäre mit einem Notenschnitt von 7,57 Punkten auf dem ersten Platz gelandet – auch wenn sich nur eine Handvoll an Bürgern zur Qualität des Angebots vor Ort geäußert hat.

Ein interessantes Stimmungsbild zeichnen die Resultate des Heimat-Checks trotz der statistischen Unschärfen gleichwohl – gerade, was das subjektive Empfinden der Bürgerinnen und Bürger betrifft. Das ist etwa in Fellbach ablesbar, das sich nicht zuletzt wegen der örtlichen Spitzen-Weingüter und dreier inzwischen verblasster Michelin-Sterne gern als „Genussmetropole“ im Rems-Murr-Kreis vermarktet. Aus Sicht der eigenen Bürgerschaft reicht es allerdings nur für 6,63 Punkte, die kulinarische Hochburg nimmt den sechsten Platz in der Rangliste ein. Trösten kann sich Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, dass Fellbach immerhin noch vor Schorndorf (6,59), Waiblingen (6,56) und Backnang (6,52) liegt – auch da ist nicht alles Gold, was gastronomisch zu glänzen scheint.

Bemerkenswert ist an den Gastronomie-Ergebnissen allerdings auch, wie weit die Schere bei der Zufriedenheit auseinanderklafft: Kirchberg an der Murr ist mit gerade mal 1,44 von zehn möglichen Punkten das Schlusslicht, Auenwald (3,76) und Großerlach (4,71) fallen ebenfalls durch.

Worum es beim Heimat-Check

Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15.120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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