Wie sauber ein Ort empfunden wird, liegt im Auge beziehungsweise Gefühl des Betrachters. Wie bei so vielen Dingen haben Menschen ein unterschiedliches Sauberkeitsempfinden und -bedürfnis. Beim Heimat-Check, der nicht-repräsentativen Umfrage unserer Zeitung, haben die Bürgerinnen und Bürger die Frage danach, wie sie die Sauberkeit in ihrer jeweiligen Gemeinde beurteilen und wie gut die Müllentsorgung in ihrem Ort funktioniert, recht unterschiedlich bewertet. Unterm Strich schneidet das Thema aber gut ab: Mit einem Wert von 7,27 (bei zehn möglichen Punkten) erlangt das Thema Sauberkeit in der Umfrage den zweiten Platz. Nur das Vereins- und Sportangebot wird im Landkreis Böblingen besser bewertet.
Bei den Umfragewerten der einzelnen Kommunen sticht hervor, dass es mit Böblingen, Leonberg und Sindelfingen die größeren Städte sind, die weniger gut bewertet werden. Sie landen auf den letzten Plätzen und bekommen lediglich mittlere Werte von 6,12 (Böblingen), 5,91 (Leonberg) und 5,59 (Sindelfingen). Die Kommentare mancher Umfrageteilnehmer zeichnen ein düsteres Bild. „Überall Müll und alles verdreckt, das ist einfach zu viel!“, schreibt zum Beispiel eine Person aus Böblingen. Ein anderer Anwohner regt an: „Mehr Mülleimer und nicht wieder fünf Stück hintereinander.“
Menschen aus Sindelfingen sind in ihrem Urteil teils noch radikaler: „Die Sauberkeit der Stadt ist eine Zumutung!!!“, schreibt ein Bürger, oder: „Gefühlt ist es die schmutzigste und verkommenste Stadt im weiten Umkreis, keine schöne Atmosphäre in der Innenstadt. Sehr schade!“ Ein Anwohner aus dem Stadtteil Maichingen schreibt im Kommentarfeld: „Sindelfingen ist sehr dreckig, sehr viele Hundehaufen, Spielplätze für meinen Kleinen sind manchmal sehr gefährlich aufgrund von Scherben und Hundehaufen.“
Gut bewertet werden kleinere Gemeinden: Holzgerlingen liegt an der Spitze mit 8,50 Punkten, gefolgt von Deckenpfronn (8,29) und Nufringen (8,19). Kommentare zum Thema Sauberkeit werden hier kaum abgegeben, gemäß dem Motto: Ned g’schompfa isch g’nug g’lobt. Ein positiver Beitrag findet sich aber in Holzgerlingen: „Gepflegte Stadt“, schreibt hier ein Anwohner. Problempunkte gibt es aber auch in gut bewerteten Orten: Ein Bürger aus Nufringen wünscht sich, „dass die Hundekackesauerei endlich aufhört“.
Im Holzgerlinger Rathaus ist die Freude über die gute Bewertung groß. „Mit dem positiven Votum der Umfrage erhält die gesamte Holzgerlinger Bürgerschaft und Stadtverwaltung eine tolle Bestätigung des eigenen Tuns zum Wohl der Stadt, denn jeder und jede trägt dazu bei und ist zugleich immer aufgefordert, mitzuwirken“, sagt der Erste Beigeordnete Jean-Rémy Planche. Wie sauber Straßen, Plätze und Gehwege seien, hänge schließlich maßgeblich von den Leuten ab, die sie nutzten. „Gleichzeitig haben wir einen sehr guten Bauhof, der achtsam und regelmäßig seine Touren macht und besondere Bereiche besonders anfährt“, lobt Planche die Mitarbeiter, die sich unter anderem darum kümmern, dass Grün- und Sportanlagen gepflegt sind, Müll entsorgt wird, Spielplätze, Feldwege und Brunnen sauber und am Laufen gehalten werden.
Jean-Rémy Planche räumt aber ein, dass es auch in Holzgerlingen immer mal wieder Probleme mit der Sauberkeit gebe. Bei akuten Fällen werde über das Nachrichtenblatt und die Homepage an die Vernunft der Nutzer appelliert. „Bei Häufungen werden auch Kontrollen und direkte Ansprachen durchgeführt“, sagt der städtische Angestellte.
Ein Projekt, das Holzgerlingen auszeichnet, ist die überparteiliche Bürgerinitiative „Mehrweg ohne Plastik“ (Mop), das seit Ende 2014 Eingang in den örtlichen Handel gefunden hat. Das gesetzte Ziel ist, Holzgerlingen weitestgehend frei von Plastiktüten zu machen. Deshalb sind in vielen örtlichen Geschäften anstelle von Plastiktüten „Holzgerlinger Tütle“ zu erhalten. Das sind aus 100 Prozent Altpapier hergestellte, kompostierbare und ungebleichte Tüten, die in Deutschland hergestellt werden. Die Firma, die sie vertreibt, stammt aus dem benachbarten Dettenhausen.
Noch besser als recycelbarer Müll ist jener, der gar nicht erst entsteht. Deshalb setzt sich die Initiative dafür ein, dass immer mehr Menschen auf dem Wochenmarkt ihre eigenen Gefäße mitbringen. Und auch eine steigende Anzahl an Geschäften nimmt mitgebrachte Schüsseln und Dosen an.
Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.
Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.