So hoch die Lebensqualität im Rems-Murr-Kreis eingeschätzt wird, so niedrig ist zwischen Murrhardt und Plüderhausen die Zufriedenheit mit dem Wohnungsangebot. Und: Mit einem kreisweiten Notenschnitt von 4,42 ist der Immobilienmarkt die einzige Kategorie unserer Umfrage, bei der das Ergebnis unter die magische Fünf-Prozent-Marke rutscht. Weder die Familienpolitik noch die Verkehrslage, weder die Gesundheitsversorgung noch die Kriminalitätsfrage erreichen im Heimat-Check für den Rems-Murr-Kreis ähnlich schlechte Werte.
Nach der Gastronomie liegt Althütte auch bei den Immobilien ganz vorn
Beantwortet haben die Teilnehmer nicht nur die Frage nach dem Wohnungsangebot in ihrem jeweiligen Ort. Auch die persönliche Bewertung von Miethöhe und Kaufpreisen wurde abgefragt. Noch am besten scheint die Situation in den ländlichen Randgebieten zu sein, fern von den Bundesstraßen und weit ab vom S-Bahn-Netz ist der Traum von den eigenen vier Wänden noch am ehesten zu verwirklichen. So wird die 4200-Einwohner-Gemeinde Althütte nach der Gastronomie auch bei der Frage nach dem Immobilienmarkt zum Spitzenreiter, mit einer Durchschnittsnote von 5,93 erreicht die Zufriedenheit im Ort ein bemerkenswertes Niveau.
Auch in Weissach im Tal und in Allmersbach im Tal steht noch eine fünf vor dem Komma, die restlichen Kreiskommunen erreichen diese Marke nicht. Im Gegenteil: Das hinter dem Spitzen-Trio platzierte Kirchberg an der Murr kommt in der Zufriedenheits-Rangliste noch auf 4,88, es folgen Rudersberg, Leutenbach, Berglen, Großerlach und Welzheim. Auffällig ist bei der Aufzählung, dass es sich bei den Ortschaften erstens um vergleichsweise kleine Kommunen handelt und der Druck von einer Bleibe suchenden Berufspendlern nicht so massiv ausgeprägt ist wie in näher am Stuttgarter Speckgürtel liegenden Städten und Gemeinden.
Deutlich schlechter fallen die Noten in größeren Kommunen aus: Backnang und Weinstadt schaffen gerade noch die Note vier, Winnenden, Waiblingen, Schorndorf und Fellbach kommen bei der Bewertung durch die Bürger deutlich dürftiger weg. Auch in Kernen, Korb und Remshalden hält sich die Zufriedenheit mit der Lage auf dem lokalen Wohnungsmarkt in engen Grenzen. Als Schlusslichter auf der Liste stehen die Gemeinden Schwaikheim und Urbach, mit nur noch 3,54 beziehungsweise 3,51 als Note ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Ein schwacher Trost dürfte für den Kreis und seine Kommunen sein, dass es anderen Landkreisen in der Region nicht besser geht. Noch miserabler als Rems-Murr schneiden beim Immobilienmarkt der Kreis Esslingen mit der Durchschnittsnote 4,31, Ludwigsburg mit 4,30 und der Kreis Böblingen mit gerade mal 3,95 ab. Lohnenswert ist deshalb auch ein Blick auf die Bemerkungen, die von den 2623 Teilnehmern zur Frage nach dem Wohnungsmarkt hinterlassen wurden. „Als Angestellter hat man keine Chance auf eine bezahlbare Wohnung“, heißt es da etwa. Berichtet wird auch, dass „mehr als die Hälfte des monatlichen Nettogehalts“ für die Unterkunft draufgehen.
„Wir wollen keine neuen Baugebiete“ oder „Ich will endlich eine Wohnung“?
Erwähnung findet allerdings ebenso, dass es auch eine andere Seite der Immobilienmarkt-Medaille gibt – und mittlerweile der Flächenverbrauch am Rand des Ballungsraums eine Dimension erreicht hat, in der immer weniger Platz für Natur und Naherholung bleibt. „Wir wollen keine neuen Baugebiete – eine Stadt muss nicht immer wachsen“, stellt ein Teilnehmer der Heimat-Check-Umfrage fest. Der Rems-Murr-Kreis jedenfalls will – unter anderem auf der Hangweide in Kernen – bis 2027 insgesamt 500 geförderte Wohnungen bauen, außerdem sollen über die Kreisbau knapp 1100 frei finanzierte Mietappartements entstehen – auch wenn das auf einem zum Erliegen gekommenen Immobilienmarkt nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann.
Worum geht es beim Heimat-Check?
Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15.120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.
Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.