Heimat-Check Leonberg und Strohgäu Mittelmäßiges Zeugnis für Ärzteversorgung

Leonberg hat ein eigenes Krankenhaus und mit der Römergalerie ein großes Gesundheitszentrum. In der Bewertung unserer Heimat-Check-Teilnehmer reicht es aber nur für 5,7 Punkte. Foto: Simon Granville/Simon Granville

Sechs Punkte vergeben unsere Leser im Heimat-Check für die Gesundheitsversorgung in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg.

Knapp über Mittelmaß – so beurteilen Leser in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg, die sich an unserem Heimat-Check beteiligt haben, die Gesundheitsversorgung in ihrer Umgebung. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Was bei Themen wie Einkaufsmöglichkeiten oder Gastronomie kein allzu schlechter Wert wäre, lässt bei der Frage nach der Erreichbarkeit von Haus- und Fachärzten sowie Zusatzangeboten wie Rehas und Physiotherapie nichts Gutes verheißen.

 

Am besten schneiden unter unseren Lesern im ehemaligen Landkreis Leonberg die Strohgäu-Städte Ditzingen und Gerlingen ab. Beide Städte haben einen Punktedurchschnitt von fast genau 6,5. Leonberg kommt auf 5,7. Deutlich schlechter kommen Korntal-Münchingen und Renningen weg. Beide bewegen sich um einen Wert von 4,8 bis 4,9. In Renningen steckt offensichtlich vielen noch der Verlust des Kinderarztes ohne Nachfolger in den Knochen. Es gibt Eltern, die bis heute keinen neuen Arzt für ihre Kinder gefunden haben.

Verlust des Renninger Kinderarztes sitzt noch tief

Wie sehr das emotional an den Menschen nagt, zeigt sich deutlich an den Kommentaren, die von den Umfrageteilnehmern abgegeben werden konnten. Das Stichwort „fehlender Kinderarzt“ taucht dabei ständig auf. Doch nicht nur: „Wir haben einige Ärzte, aber sie sind alle überfüllt – sogar die Hausarztpraxen“, schreibt jemand. „Wenn jemand zu uns zieht, wo soll er unterkommen?“ Ein fehlender Orthopäde sowie ein fehlendes Ärztehaus werden ebenso angesprochen.

Renningen habe mit Praxen zum Beispiel für Allgemeinmedizin, Dermatologie, Frauenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und anderen ein stabiles Grundgerüst, sagt Alicia Paulus, Sprecherin der Stadt. „Darüber hinaus ist der Stadtverwaltung jedoch durchaus bekannt, dass es noch Verbesserungspotenzial gibt.“ Vor allem, wenn immer mehr Ärzte in den Ruhestand gehen, werde sich das Problem noch weiter verschärfen, nicht nur in Renningen.

Bürokratie wird stark kritisiert

„Um den Menschen auch zukünftig verlässlich ein gutes, breites und insbesondere flächendeckendes medizinisches Angebot unterbreiten zu können, gilt es, bürokratische Hürden abzuschaffen und die Attraktivität einer Praxisübernahme zu erhöhen.“ Denn aus ihrer Sicht besteht darin das Hauptproblem, dass zu viele junge Mediziner den Weg in die Selbstständigkeit wegen der hohen Risiken und des immensen bürokratischen Aufwands scheuen, der von praktizierenden und angehenden Ärzten immer wieder kritisiert wird. Hier sehen viele Betroffene die Regierung in der Pflicht.

Im Hinblick auf die Ärzteversorgung steht auch die Kassenärztliche Vereinigung, die für deren Planung primär zuständig ist, immer wieder in der Kritik, ebenso die nicht mehr zeitgemäße Bedarfsplanung, die aus finanziellen Gründen vor 30 Jahren von der Bundesregierung eingeführt wurde und die festlegt, wie viele Arztsitze es in einer Region maximal geben darf. Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, betont derweil: „Über die Bedarfsplanung kann man sehr unterschiedlicher Ansicht sein. Klar ist nur, dass die Probleme in der Versorgung nicht an zu wenigen Arztsitzen hängen. Unser Problem sind nicht zu wenige Arztsitze, sondern zu wenige Ärztinnen und Ärzte.“

Die Standortwahl innerhalb eines Landkreises ist frei

Wo diese sich ansiedeln, sobald es in einer Region freie Arztsitze gibt, ist den Medizinern selbst überlassen. Die gesetzmäßig vorgegebenen Kontingente beziehen sich auf Landkreise, weshalb der Versorgungsgrad von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich sein kann, je nachdem, wo ein Facharzt sich niederlässt. Ländliche Bereiche haben gegenüber größeren Städten oft das Nachsehen. Viele Kommunen bemühen sich daher, Anreize für Ärzte zu schaffen. Dazu gehören große Gesundheitszentren, deren Struktur für die Mediziner den Verwaltungsaufwand reduziert. In Gerlingen gibt es beispielsweise ein Haus in der Kirchstraße, in dem mehrere Ärzte untergebracht sind, sowie das MVZ Medicover in der Weilimdorfer Straße. In Ditzingen gibt es das „Weiße Haus“, in dem Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen praktizieren, wenn auch kein medizinisches Versorgungszentrum. In Renningen und Korntal-Münchingen gibt es keine Ärztezentren, erste Gespräche werden aber geführt. „Die Stadtverwaltung steht zudem im engen Austausch mit den Ärzten und vermittelt, wenn möglich, geeignete Praxisräume“, sagt Angela Hammer, Sprecherin der Stadt Korntal-Münchingen.

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