Heimat-Check Leonberg und Strohgäu Wohnraum und Bauplätze sind ein knappes Gut

Eine hohe Mieter-Fluktuation gibt es im mehrgeschossigen Wohnbau von Hemmingen – dafür immer wieder freien Wohnraum. Foto: Simon Granville

Die Kategorie Immobilienmarkt schneidet beim Heimat-Check unserer Zeitung in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr am schlechtesten ab. Da macht auch das Gebiet Leonberg-Strohgäu keine Ausnahme.

Da ist noch reichlich Luft nach oben. Beim Heimat-Check unserer Zeitung hat die Kategorie Immobilienmarkt in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr den schlechtesten Wert von 4,24 Punkten – in einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) – erhalten. Das ist auch im Gebiet Leonberg-Strohgäu der Fall. Am positivsten abgeschnitten hat hier die mehr als 8000 Einwohner zählende Gemeinde Hemmingen mit 4,47 Punkten. Den Schluss mit nur 3,13 Punkten ziert Weissach, einst eine der reichsten Gemeinden Deutschlands, als die Firma Porsche dafür sorgte, dass in der Heckengäugemeinde die Gewerbesteuereinnahmen munter sprudelten.

 

Hemmingens Bürgermeister ist überrascht

Gefragt wurden die Bürgerinnen und Bürger im Heimat-Check, wie sie die Höhe der Mieten und die Kaufpreise einschätzen. Und: Wie sie das Wohnungsangebot in ihrem Landkreis bewerten. Dass Hemmingen an erster Stelle gelistet ist, darüber ist Bürgermeister Thomas Schäfer ziemlich überrascht. „Auch bei uns wird verzweifelt nach Wohnraum gesucht.“ Dass dennoch immer wieder Wohnungen frei werden, kann sich Schäfer nur mit dem umfangreichen Geschosswohnbau in seiner Kommune erklären. „In diesen Bereichen gibt es eine höhere Fluktuation, innerhalb von elf Jahren erneuert sich hier die Einwohnerschaft.“

Etwa 124 Wohneinheiten sollen im Schöckinger Weg im Süden entstehen. Weil der Paragraf 13b des Baugesetzbuches vom Bundesverwaltungsgericht gekippt wurde, verlängert sich allerdings die Umsetzung dieses Projektes. Bislang durften Freiflächen am Ortsrand mit bis zu 10 000 Quadratmetern im beschleunigten Verfahren ohne Umweltprüfung überplant werden. Das ist nun nicht mehr möglich.

Auf beschleunigte Verfahren hatte auch die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier gesetzt. Ihre Gemeinde folgt in der Kategorie Immobilienmarkt mit 4,15 Punkten hinter Hemmingen auf dem zweiten Rang. In der Entwicklung sind Gebiete im Heuweg Nord, Spissen II und in den Krautgärten Perouse. Und natürlich auf dem ehemaligen Bosch-Areal. „Und wir versuchen, von städtischer Seite im Ortskern viel aufzukaufen, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen“, sagt Widmaier, „es gibt einige Gebäude, wo die Rollläden zu sind, weil niemand mehr drin wohnt.“ Den Grund für zahlreiche Leerstände sieht die Bürgermeisterin unter anderem im starken Mieterrecht. „Die Rechte für Vermieter müssten gestärkt werden, dann würden sie auch wieder ihren Wohnraum auf dem Markt anbieten.“ Die Rutesheimer orientieren sich am Mietspiegel von Leonberg, „mit einem kleinen Abschlag“, sagt Widmaier, die Mieten und Immobilienpreise als viel zu hoch einschätzt. „Früher war es einfacher, sich eine Immobilie zu kaufen, heutzutage ist das ohne Erbschaft doch kaum mehr möglich.“

Der Bürgermeister von Weissach, Jens Millow, ist kaum überrascht über das schlechte Abschneiden seiner Gemeinde beim Thema Immobilienmarkt. „Wir haben seit langem kein Baugebiet mehr ausgewiesen, das lässt der Flächennutzungsplan nicht zu.“ Die letzte Möglichkeit, „Am Graben“ südlich von Weissach neuen Wohnraum zu schaffen, wurde durch einen Bürgerentscheid im Jahr 2021 abgeschmettert. Das war vor Millows Zeit in der Gemeinde. Zwei Mehrfamilienhäuser erstellt derzeit die Wohnbau Weissach GmbH in der Kirchbergstraße. „Zudem haben wir noch ein paar potenzielle Flächen, die aber noch nicht spruchreif sind, schnelle Lösungen kann ich nicht bieten.“ Auf der Suche nach Wohnraum im Ort seien vor allem junge Menschen, die in der Kommune aufgewachsen sind und eine Familie gründen wollten. „Wenn sie wegziehen müssen, ist das keine gute Entwicklung. Laut Statistik ist die Weissacher Bevölkerung schon jetzt überdurchschnittlich alt im Vergleich zu anderen Kommunen“, so Millow.

Leonberg landet auf dem vorletzten Platz

Auf dem siebten Platz von neun an der Umfrage beteiligten Kommunen hat Ditzingen mit 3,42 Punkten abgeschlossen. Dahinter als Vorletzter folgt Leonberg mit 3,34 Punkten. „Wohnraum und Bauplätze sind in der gesamten Region Stuttgart ein sehr knappes Gut und die Mieten und Grundstückspreise deshalb hoch. Ditzingen gehört zu den 89 Kommunen in Baden-Württemberg mit einem angespannten Wohnungsmarkt, der von einem deutlichen Nachfrageüberhang gekennzeichnet ist“, sagt Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath. Hintergrund der anhaltend hohen Nachfrage sei die sehr gute Lage der Stadt unmittelbar an der Grenze zur Landeshauptstadt, viele attraktive Arbeitgeber und ausgezeichnete Verkehrsanbindung.

Die Stadt entwickelt aktuell vier Neubaugebiete, die voraussichtlich ab 2025 schrittweise an den Markt kommen werden. „Auch davon kann eine Entlastung des Wohnungsmarktes ausgehen, wenn auch andere Kommunen Flächen entwickeln“, so Makurath.

Weitere Themen