Heimat-Check Region Einkaufen im Kreis Esslingen – nicht immer und überall ein Vergnügen

Einkaufen in Kirchheim scheint Spaß zu machen. Die Umfragewerte dazu jedenfalls sind gut. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Wie gut ist der Einzelhandel in den 44 Städten und Gemeinden im Kreis Esslingen? Die Antworten der Teilnehmenden unserer nicht repräsentativen Umfrage Heimat-Check fallen unterschiedlich aus. Das Einkaufsvergnügen ist offenkundig nicht überall dasselbe.

Für die einen ist es ein notwendiges Übel, für andere ein Vergnügen. Und es hat immer mit Geld zu tun und ist insofern existenziell: das Einkaufen. Die Möglichkeiten, das Konsumbedürfnis zu stillen, sind mit ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Ort. Im Heimat-Check unserer Zeitung wurde in diesem Zusammenhang zwei Fragen zum Lebensmittelangebot und zum Einzelhandel gestellt. Das Ergebnis: Am liebsten gehen die Menschen im Kreis Esslingen in Kirchheim einkaufen. Neuhausen dagegen liegt im Städteranking am Ende der Skala.

 

An unserer Heimat-Check-Umfrage haben in den Kreisen Esslingen, Böblingen, Rems-Murr und Ludwigsburg mehr als 15 000 Menschen teilgenommen, davon allein im Kreis Esslingen etwa 5000. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, liefert jedoch ein deutliches Stimmungsbild. Die Fragestellung zum Einzelhandel lautete: „Wie gut ist das Angebot an Lebensmittelgeschäften in ihrer Gemeinde? Wie bewerten Sie das Einzelhandelsangebot in Ihrer Gemeinde?“ Bewertet werden konnte auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (gut). Das Thema Einkaufen gehört mit den Bereichen Immobilienmarkt und Verkehr zu den Kategorien, die mit am schlechtesten bewertet werden im gesamten Kreisgebiet. Insgesamt konnten 14 Bereiche bewertet werden, wobei die Kategorien Lebensqualität, Sport und Vereine sowie Sauberkeit am besten abschnitten.

In Kirchheim unter Teck werden die städtischen Bedingungen zum Einkaufen mit 8,37 am besten eingeschätzt. Es folgen Weilheim an der Teck mit einem Wert von 8,00 und Reichenbach mit 7,37. Städte wie Esslingen, Ostfildern, Plochingen, Wernau und Nürtingen landen im Mittelfeld. Weiter hinten ist Neuhausen mit 5,21 platziert. In Kirchheim scheint das Umfeld zu stimmen. Oberbürgermeister Pascal Bader: „Wenn man mit den Leuten auf der Straße spricht, merkt man, dass sie gerne hier wohnen. Sie sagen: Kirchheim ist einfach eine tolle Stadt. So kommen sehr viele Menschen nach Kirchheim, um hier einzukaufen.“

Dabei spielt womöglich die Lage eine Rolle. Die Stadt liegt deutlich weiter weg von Stuttgart, das mit seinen mehr als 630 000 Einwohnern zu den zehn größten Städten Deutschlands gehört. Von Esslingen ist die Stuttgarter Innenstadt in nur wenigen Stationen erreichbar. Wer Abwechslung sucht, etwa bei der Wahl nach modischer Bekleidung, hat es von Esslingen nach Stuttgart nicht weit. Vom Jammern ist man in Esslingen dennoch weit entfernt. Zumal eine repräsentative Umfrage aus dem Frühjahr 2022 ergab, dass die große Mehrheit der Esslingerinnen und Esslinger gerne in der Stadt lebt – 83 Prozent der Befragten. Zwischen der nicht repräsentativen Umfrage des Heimat-Checks und der repräsentativen der Stadt gibt es zahlreiche Übereinstimmungen, beim Einzelhandel allerdings eine Abweichung. Er schneidet in der Esslingen-Umfrage besser ab als im Heimat-Check.

„Niemand möchte mehr in den Einzelhandel“

Dennoch hat die größte Stadt im Landkreis ein Problem. Im Juni kündigte das weit über die Stadt bekannte Modehaus Kögel an, Ende Januar zu schließen. Es sei nicht mehr möglich, „ein Modehaus wie unseres rentabel zu betreiben“, begründete Geschäftsführer Alexander Kögel das Ende einer über ein Jahrhundert währenden Tradition. Das ist auch der Zeitpunkt, zu dem die Karstadt-Filiale am Rande der Altstadt schließen wird. Kleinere Traditionshäuser machten in den vergangenen Monaten ebenfalls zu. Eine davon ist das Modegeschäft von Isolde Baum. Hier sind es Altersgründe, warum das Ehepaar Baum sich aus dem Geschäftsleben Esslingens verabschiedet. Nachfolger wird es nicht geben. „Niemand möchte mehr in den Einzelhandel“, sagt die Inhaberin.

Oft wird in diesem Zusammenhang über den Onlinehandel geschimpft. In einer Stadt wie Wernau sieht man das differenziert. Gerade weil immer mehr Menschen im Netz einkauften, sei es wichtig, „dass unser Einzelhandelsangebot in der Stadt auch online gut sichtbar ist“, sagt Bürgermeister Armin Elbl. „Was nicht bedeutet, dass die Shops auch einen Onlinehandel betreiben müssen. Sie sollten sich aber mit ihrem Angebot und Service online darstellen.“ Dafür gebe es in Wernau einige gute Beispiele wie die „Digitale Metzgerei-Theke“, den Lieferservice des Fairen Handels oder regelmäßige Wochenspeisekarten über den Whatsapp-Messenger. Elbl ist sich daher sicher: „Einzelhandel funktioniert nur mit und nicht gegen das Internet.“

Weitere Themen