Kirchheim hat beim Heimat-Check Kultur und Freizeit die Nase vorn. Kulturpolitik in den Städten erntet Kritik. Lob gibt es für das Ehrenamt, das die Szene auf dem Land belebt.

Das erfolgreiche Stadtmarketing, eine lebendige Kulturszene und die Nähe zur Schwäbischen Alb tragen dazu bei, dass Kirchheim beim Heimat-Check mit 7,51 Punkten vorne liegt. Die Bereiche Kultur und Freizeit landen bei den 5081 Befragten im Landkreis Esslingen mit 5,71 Punkten auf Platz 8 von insgesamt 14 Kategorien. Dieser durchschnittliche Wert zeigt, dass die Menschen mit den Angeboten in Natur und Tourismus weitgehend zufrieden sind. Dennoch gibt es an Naherholung und Kultur Kritik.

 

Auch in den anderen Landkreisen landen Kultur und Freizeit im Mittelfeld. In den Landkreisen Böblingen (5,82 Punkte) und Ludwigsburg (5,83 Punkte) und Stuttgart (5,86) landet das Themenfeld auf Platz 10. Im Rems-Murr-Kreis erreicht das Angebot Platz 6. Die Fragen an die Leserinnen und Leser lauteten: Wie bewerten Sie das kulturelle Angebot Ihrer Gemeinde? Wie zufrieden sind Sie mit der Vielfalt der Freizeitmöglichkeiten in Ihrer Gemeinde?

Das Hallenbad fehlt den Menschen

Im Ranking der Kommunen liegt Kirchheim mit 7,34 Punkten vor Altdorf (7,25) und Aichwald (6,67). Trotz der Spitzenposition bei Kultur und Freizeit sehen die Teilnehmer der Umfrage noch Luft nach oben. Dass in der Fachwerkstadt unter der Burg Teck das Hallenbad fehlt, trübt den Freizeitwert. Und die langjährige Schließung des Kunstmuseums Kornhaus wegen der Sanierung wird bemängelt: „Es sollte mehr getan werden, um die Touristenattraktionen zu bewerben.“

Dass die Kulturämter in den größeren Städten im Landkreis Esslingen ein Motor sind für die Szene vor Ort, steht für Sarah Panten, die das Sachgebiet Kultur im Landratsamt Esslingen leitet, außer Frage. Das spiegelt sich im Heimat-Check. Die Kreisstadt Esslingen liegt auf Platz 4 (6,64 Punkte), Leinfelden-Echterdingen auf Platz 8 (6,53 Punkte), Nürtingen auf Platz 13 (6,13 Punkte), Filderstadt (6,10 Punkte) und Ostfildern auf Platz 18 (6 Punkte). Damit liegen die Großen Kreisstädte im Feld der 44 Kommunen vergleichsweise weit vorne.

Obwohl die Kreisstadt Esslingen auf Platz 4 bei den Freizeit- und Kulturangeboten ein Spitzenergebnis erreicht, kommentierten die Leserinnen und Leser das Angebot auch kritisch. Die Zukunft der Stadtbücherei erntet scharfe Kritik: „Die Stadtbücherei sollte endlich erweitert werden.“ Andere Stimmen formulieren das noch schärfer: „Für die Stadtbücherei ist kein Geld vorhanden, aber das Hotel Best Western steht ohne Mieteinnahmen leer.“ Eine andere Kritik bezieht sich auf die „unnötige Aufhebung des Bürgerentscheids“. Statt die Bibliothek konzeptionell zu erweitern, werde nun nur saniert. Dabei sei sie „ein Ort, mit dem sich viele Menschen identifizieren“. Der Wunsch, den Merkelpark aufzuwerten und so auch die Städtische Galerie einem breiten Publikum zu erschließen, steht ebenso im Raum. Dass der Neckar zu wenig erschlossen ist, erntet auch Kritik.

Kleinere Kommunen setzen auf das Ehrenamt

Dass kleinere Kommunen bei Kultur und Freizeit die Nase vorn haben, zeigen nicht nur die Aichwalder auf Platz 3. Lichtenwald mit rund 2700 Einwohnern hat 6,51 Punkte – damit liegt die Schurwaldgemeinde auf Platz 9. Darüber freut sich das Ehepaar Walter und Gerti Grupp, das mit Kunstschaffenden ein ambitioniertes Kulturprogramm im Bürgerhaus macht. „Wir schöpfen aus dem Potenzial unserer Gemeinde“, sagt Gerti Grupp. Da werde man von der Kommune unterstützt. Das Angebot, „vor allem im musikalischen Bereich“, erntete beim Heimat-Check Lob.

Die erfolgreiche und vielschichtige Kulturarbeit der Stadt Plochingen wird dem Ergebnis auf Platz 27 (5,58 Punkte) nicht unbedingt gerecht. Dort konzentriert sich die Kritik auf den Freizeitbereich, denn vielen fehlt das Hallenbad. Mit 6 Punkten liegt Ostfildern auf Platz 18. Da erntet das Kindertheater-Abonnement des Kulturbüros großes Lob. Auch das Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ kommt an: „Es gibt in der Region keine vergleichbare Veranstaltung.“ Die Wanderwege rund um den Stadtteil Ruit mit dem Eichenbrunnen, dem Rossert und den Streuobstwiesen sind beliebt.

Die kommunale Kulturarbeit in Neuhausen erntet Kritik. Da wird bemängelt, dass die Kommune zu wenig für die Künste tue. Lob gab es für die Vereine. Die Fildergemeinde landet auf Platz 20 (5,93 Punkte). Im Bereich Freizeit ist das Freibad aus dem Jahr 1928 das Top-Thema: „Dieses Kleinod müssen wir erhalten.“ Viele befürchten, dass die beliebte Freizeiteinrichtung in absehbarer Zeit abgeschafft werden könnte. Schlusslicht im Heimat-Check Kultur und Freizeit ist Schlaitdorf mit 3,25 Punkten.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.