Heimat-Check Region Stuttgart Wo die Menschen im Kreis Esslingen am liebsten wohnen – und wo nicht

Die Kirchheimer fühlen sich nicht nur beim Einkaufsbummel wohl. Foto: Ines Rudel

Wo ist die Lebensqualität in den 44 Städten und Gemeinden im Kreis Esslingen am höchsten? Die Ergebnisse unserer Umfrage Heimat-Check bergen einige Überraschungen. Eine Stadt liegt klar vorn – aber auch sie hat noch Luft nach oben.

Chefredakteur: Johannes M. Fischer (jmf)

Es gibt viele Aspekte, die die eigene Zufriedenheit im jeweiligen Lebensumfeld beeinflussen. 14 dieser Merkmale haben wir in unserer Heimat-Check-Umfrage abgefragt, von denen ein Aspekt alles umschließt: die Lebensqualität. Hat der Ort, in dem ich lebe, ausreichend Lebensqualität oder sogar mehr als das? Lohnt es sich, an diesem Ort zu leben? Dabei geht es um die subjektive Wahrnehmung, aber es geht auch immer darum, was in dem jeweiligen Umfeld passiert, damit diese Wahrnehmung positiv ausfällt.

 

An unserer Heimat-Check-Umfrage haben in den Kreisen Esslingen, Böblingen, Rems-Murr und Ludwigsburg mehr als 15 000 Menschen teilgenommen, davon allein im Kreis Esslingen etwa 5000. Die meisten Teilnehmenden kamen aus der Stadt Esslingen, wo 1666 Menschen mitmachten. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, liefert jedoch ein deutliches Stimmungsbild. Die Fragestellung lautete: „Wie bewerten Sie die Lebensqualität in Ihrer Gemeinde?“ Und: „Wie wird die Gemeinde von Außenstehenden wahrgenommen?“ Bewertet werden konnte die Lebensqualität auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (gut).

Die Menschen leben gerne in ihren Orten

Bei den Städten im Kreis schneidet dabei Kirchheim unter Teck am besten ab, hier wurde die Lebensqualität mit 8,57 bewertet. Es folgen Weilheim an der Teck mit einem Wert von 8,16 und Esslingen mit 7,48. Weit hinten landeten Plochingen mit 5,86 und Nürtingen mit 6,16. Wernau und Filderstadt landeten ebenfalls im unteren Viertel, Ostfildern befindet sich im Mittelfeld.

Schaut man auf den gesamten Kreis, erkennt man, dass die Kategorie „Lebensqualität“ überall zu den am höchsten bewerteten gehört. Die Menschen sind gerne dort, wo sie leben. Bessere Noten gab es im Kreis nur für Sport und Vereine sowie für die Sauberkeit. Tendenziell schlecht bewertet wurden im Kreis dagegen die Bereiche Immobilienmarkt, Verkehr und Einzelhandel.

Ergebnisse sollen in die Planung einfließen

Interessant für die größte Stadt im Kreis: In Esslingen gab es vor gar nicht langer Zeit ein repräsentative Umfrage, deren Ergebnisse nicht weit von denen des Heimat-Checks lagen. „Das Stimmungsbild aus dem Heimat-Check deckt sich mit dem Ergebnis unserer repräsentativen Bevölkerungsbefragung. 74 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewerteten die Lebensqualität in Esslingen mit gut oder sehr gut – und zwar über alle Altersklassen hinweg“, sagt die Rathaussprecherin Nicole Amolsch. „Das zeigt uns, dass Esslingen viel zu bieten hat, die Menschen gerne in der Stadt leben.“ Die Ergebnisse sollen in politisches Handeln münden. Die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger würden in die Planungen einfließen.

Grund zum Handeln gibt es in Esslingen durchaus: Auch wenn die Lebensqualität als recht gut eingeschätzt wird, gibt es andere Felder sowohl im Heimat-Check als auch in der repräsentativen Umfrage, bei denen Esslingen weniger gut abschneidet. „Großer Handlungsbedarf besteht beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Klimaschutz und Sauberkeit“, so Amolsch.

Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader, der auf hohe Zufriedenheitswerte in allen Punkten blicken kann, vermutet, dass das sehr gute Abschneiden mit dem Gemeinsinn in der Stadt zu tun hat. „Wir unterstützen uns gegenseitig. Das macht etwas mit einer Kommune. Und das gilt für alle: Auch Hinzugezogene werden schnell in die Stadtgesellschaft aufgenommen. Dieses gute Miteinander zeichnet sicherlich unsere Stadt aus.“

Nicht alles ist in Ordnung

Dennoch ist auch in Kirchheim nicht alles in Ordnung. Das Thema Verkehr wird wie in Esslingen nicht sonderlich gut bewertet. Neben der Bewertung der 14 Felder gaben die Teilnehmenden auch zahlreiche Kommentare ab, oftmals Kritik, aber auch Verbesserungsvorschläge. So schreibt ein Teilnehmer Kirchheim ins Stammbuch: „Bessere Infrastruktur für Fußgänger. Mehr Maßnahmen gegen Falschparker auf Fuß- und Radwegen.“

Ein Ort, der relativ schlecht abschneidet, ist Plochingen – so auch bei der Lebensqualität. „Plochingen hat sich leider in den letzten Jahren von einer schönen Kleinstadt mit Wohlfühlcharakter zu einem Ort entwickelt, von dem man am liebsten nur noch weg möchte“, schreibt eine Teilnehmerin. „Eine sehr traurige Tatsache.“ Ein Teilnehmer beklagt die schlechte Lage ausgerechnet zwischen den zwei Städten, die mit Lebensqualität punkten und Menschen aus anderen Orten anziehen: „Es spielt sich alles in Esslingen oder Kirchheim ab.“

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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