Heimat-Check Region Stuttgart Wo die Menschen im Rems-Murr-Kreis am liebsten wohnen

In Winterbach lebt es sich besonders gut. Foto: Gottfried Stoppel

Die Menschen im Rems-Murr-Kreis scheinen sich in ihrem Wohnumfeld überwiegend sehr wohl zu fühlen. Fast jede Kommune erreicht in der Kategorie Lebensqualität einen positiven Wert, und im Ranking liegen sie dicht beieinander.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Eines vorweg: Unter dem Strich lebt der ganz überwiegende Teil der Bürger gern im Rems-Murr-Kreis. Die Lebensqualität wird im Schnitt mit einer 7,20 bewertet. Auf einer Skala von eins für die negativste und zehn für die beste Bewertung ist das durchaus ein hervorragender Wert – zumal man hierzulande ja gemeinhin nicht zu Übertreibungen neigt. „Wie bewerten Sie die Lebensqualität in Ihrer Gemeinde?“ und „Wie wird Ihre Gemeinde von Außenstehenden wahrgenommen?“ hatten die Fragestellungen in der Kategorie gelautet.

 

Interessantes Stimmungsbild

Auch wenn die Umfrage, an der immerhin 2623 Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis teilgenommen haben, wohl strengen Anforderungen an ein repräsentatives Ergebnis nicht genügt, so zeichnet sie doch ein interessantes Stimmungsbild – gerade, was das subjektive Empfinden betrifft. Und das ist offenkundig überwiegend positiv. Sieht man von den vier letztplatzierten Kommunen ab, von denen wiederum drei wegen zu geringen Rücklaufs aus der Wertung genommen wurden, hat fast jede der 31 Kommunen im Rems-Murr-Kreis mindestens eine sechs vor dem Komma.

Für den Landrat Richard Sigel ist das nicht nur ein Beweis dafür, dass die Menschen gern an Rems, Murr und im Schwäbischen Wald leben – wofür man im Übrigen in den vergangenen Jahren auch viel in Freizeit- und Erholungswert investiert habe. Das Ergebnis schließe sich letztlich auch perfekt an das Motto zum 50-jährigen Bestehen des Kreises an: „Miteinander lebenswerter“.

Winterbach im Ranking vorn

Beim Ranking hat Winterbach mit einem Wert von 8,54 die Nase knapp vorn vor den „Tälesgemeinden“ Allmersbach (8,47) und Weissach (8,21). Als Schlusslicht wird die Gemeinde Plüderhausen mit einer 5,96 gewertet. Kaisersbach, Kirchberg an der Murr und Spiegelberg liegen rein rechnerisch zwar noch hinter der Remstalkommune, dort lag die Zahl der Teilnehmer allerdings jeweils nur im einstelligen Bereich.

Natürlich ist der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller über die Spitzenposition seiner Kommune hocherfreut, schließlich bedeute dies, dass die Winterbacher sich in der Gemeinde sehr wohlfühlten und gern dort lebten. Das könne er als Bürgermeister, aber auch als Privatmensch, der mit seiner Familie sehr gern in Winterbach lebe, nur bestätigen. Und eine Erklärung dafür hat er auch parat: „Schön gelegene Wohngebiete umgeben von Weinbergen und Streuobstwiesen entlang der teilweise renaturierten Rems, eine sehr gelungene Ortskernsanierung, welche moderne Architektur mit den dörflichen Gassen verbindet, und die attraktive Ortsmitte mit zahlreichen Fachgeschäften und Einkaufsmöglichkeiten zeichnen Winterbach als attraktiven Ort aus.“ Zudem biete Winterbach ein vielfältiges Kultur-, Sport- und Freizeitangebot. Der großen Nachfrage nach Wohnraum begegne man mit einem Neubaugebiet, welches derzeit erschlossen werde und Platz für bis zu 220 Wohneinheiten schaffen soll.

Die bestbewertetste Große Kreisstadt

Auch der Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann mag den Umfrageergebnissen gern folgen. Seine Kommune landet mit einem Wert von 8,14 auf Rang vier und ist die bestbewertete Große Kreisstadt. Die „tolle Kultur- und Naturlandschaft, das gute Miteinander, unsere Vereine und Institutionen und nicht zuletzt unsere gute Infrastruktur und die vielen neuen Flächen und Aussichtspunkte, die wir in den vergangenen Jahren geschaffen haben, tragen dazu bei, sich in Weinstadt wohlzufühlen“, interpretiert er auf Nachfrage. „Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen.“

Schlusslicht immer noch mit gutem Wert

Ein wenig konsterniert zeigt sich hingegen Benjamin Treiber, der Bürgermeister von Plüderhausen. Denn die große Nachfrage nach Wohnraum im Ort signalisiere ihm eigentlich, dass die Menschen gern in Plüderhausen leben würden. Aber tatsächlich habe er bei einer von ihm selbst im Wahlkampf vor zwei Jahren durchgeführten Umfrage einige Verbesserungswünsche gehört. Insbesondere die durch die quer durch den Ort verlaufende Bahnlinie angespannte Verkehrssituation, aber auch andere Mängel in der Infrastruktur seien moniert worden.

Daran werde jetzt in einem Gemeindeentwicklungsprozess unter Einbeziehung der Bürgerschaft gearbeitet. Die Resonanz dort, aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten, bei denen ehrenamtliches Engagement gefordert ist, zeigten ihm, dass die Stimmung in Plüderhausen eigentlich sehr gut sei. Und man muss ja auch einräumen: Die 5,96 mag im Ranking vergleichsweise schlecht sein – absolut gesehen liegt der Wert aber noch gut im positiven Bereich.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15.120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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