Heimat-Check Stuttgart So stark unterscheiden sich Stuttgarts Stadtbezirke bei der Lebensqualität

In einem Stadtbezirk Stuttgarts empfinden die Bewohner die Lebensqualität als besonders hoch. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Wo ist die Lebensqualität in den 23 Stuttgarter Stadtbezirken am besten? Die Antworten der Teilnehmer an unserer nicht repräsentativen Umfrage Heimat-Check fallen unterschiedlich aus. Ein Stadtbezirk liegt jedoch klar vorn.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Ein beliebter Satz aus der Fußballersprache lautet: „Wir haben genügend Qualität im Kader.“ Bei der Umsetzung auf dem Platz hapert es dann manchmal. Das liegt häufig am Trainer, aber nicht nur. Ähnlich ist’s beim Thema Lebensqualität. Stuttgart hat genügend Lebensqualität, kann’s aber nicht immer so zeigen, oder es wird nicht so wahrgenommen. Und an manchen Stellen hapert es auch wirklich.

 

Das ist unserer Heimat-Check-Umfrage zu entnehmen, an der 10 847 Stuttgarterinnen und Stuttgarter teilgenommen haben. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, liefert jedoch ein interessantes Stimmungsbild – gerade auch im Hinblick auf die Lebensqualität in Stuttgart, eines von 14 abgefragten Themen. Die Fragestellung dazu lautete konkret: „Wie bewerten Sie die Lebensqualität in Ihrem Stadtbezirk?“ Und: „Wie wird Ihr Stadtbezirk von Außenstehenden wahrgenommen?“

Degerloch liegt vorne, Zuffenhausen hinten

Antworten gingen aus allen 23 Stadtbezirken ein. Teilgenommen haben zwischen 1,42 Prozent (Wangen) und 9,9 Prozent (Mühlhausen) der Einwohner. Auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (gut) steht als Ergebnis aus beiden Fragen zur Lebensqualität im Durchschnitt der Wert 6,85. Die Kategorie zählt damit zu den am besten bewerteten. Der Durchschnittswert aus allen 14 Themengebieten ergab eine 5,84. Nach den führenden Kategorien Sauberkeit und Sport & Vereine landete der Bereich Lebensqualität auf Platz drei – vor ÖPNV, Sicherheit, Seniorenfreundlichkeit und Gesundheitsversorgung, die allesamt ebenfalls überdurchschnittlich abschnitten.

Die Meinungen zur Lebensqualität in den 23 Stadtbezirken fallen allerdings sehr unterschiedlich aus. Das Unternehmen Umfrageheld, das die Befragung im Auftrag unserer Zeitung durchgeführt hat, schreibt in seiner Auswertung: „In Degerloch wird die Lebensqualität mit 8,57 Punkten am besten bewertet gefolgt von Sillenbuch (8,293) und Stuttgart-West (8,08). Bis Platz zwölf des Stadtbezirk-Rankings bewegen sich die Bewertungen in Sachen Lebensqualität über dem Durchschnitt.“ Am Ende des Rankings landet Zuffenhausen mit 4,59, dem einzigen Wert, der unter fünf liegt. Das passt ins Gesamtbild der Umfrage, die Degerloch anführt und Zuffenhausen am Ende der Stadtbezirktabelle sieht.

Nach Degerloch wird die Lebensqualität am höchsten in Sillenbuch (8,29), Stuttgart-West (8,08), Botnang (7,85), Stuttgart-Nord (7,77), Birkach (7,63), Möhringen (7,53), Vaihingen (7,43), Obertürkheim (7,43), Stuttgart-Süd (7,39), Plieningen (7,03) und Weilimdorf (6,98) bewertet – sie liegen alle über dem Durchschnittswert von 6,85.

Bürgerumfrage der Stadt Stuttgart sieht sinkende Lebensqualität

So zufriedenstellend die Lebensqualität im Vergleich mit den anderen Kategorien erscheint, so erhellend ist der Blick auf die jüngste repräsentative Bürgerumfrage der Stadt Stuttgart von 2021. Demnach setzt sich in der Landeshauptstadt „ein Rückgang in der Bewertung der gegenwärtigen Lebensqualität fort. Die Bindung an Stuttgart als Wohnort und die allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben in Stuttgart sind zwar hoch, im Vergleich zu 2019 jedoch geringer“, heißt es dort. 79 Prozent der Stuttgarterinnen und Stuttgarter hatten in dieser Befragung ein deutliches „Ja, ich lebe gern in Stuttgart“ geäußert, zwei Prozentpunkte weniger als bei der Umfrage 2019. „Im Zeitvergleich ist dies der niedrigste Wert, der je erreicht wurde“, heißt es in der Auswertung.

„Wie können nur solche Pflasterwüsten geschaffen werden“, fragt ein Bürger

Dass vielfach Verbesserungsbedarf besteht, geht auch aus den knapp 4000 Kommentaren hervor, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Heimat-Check-Umfrage einreichten. An vielen Stellen werden Bäume vermisst, überhaupt innerstädtisches Grün. „Die Innenstadt ist meines Erachtens nicht gut auf die Herausforderungen der lokalen innerstädtischen Klimaerwärmung vorbereitet“, schreibt ein Bürger. Ein anderer kritisiert die Gestaltung von Plätzen (Marienplatz, Erwin-Schoettle-Platz, Bihlplatz) in der Stadt als „erbärmlich schlecht“: „Wie konnten nur solche Pflasterwüsten geschaffen werden? Im Sommer ist es schon jetzt viel zu warm in der Stadt. Jede südeuropäische Stadt könnte hier beispielgebend sein.“ Wieder andere vermissen ein Klima, das den Bedürfnissen junger Familien gerecht wird: „Alle Straßen sind komplett zugeparkt und bieten keinen Raum für Kinder.“ Außerdem: „Das Thema Stadt am Fluss und dessen Umsetzung dauert viel zu lang.“ Große Defizite sehen viele der Teilnehmer vor allem in Bad Cannstatt und dort besonders rund um den Wilhelmsplatz.

Die Meinungen zur Lebensqualität in Stuttgart gehen weit auseinander

Lebensqualität, so finden machen, sehe anders aus. Schon rein optisch. „Viele Leute in Stuttgart wirken unzufrieden“, schreibt ein Bürger. „Vielleicht hat das auch mit Faktoren wie schlechter Luft und mangelndem Gemeinschaftsgefühl zu tun? Hier wäre etwas Lockerheit und mehr Spaß am Leben eine gute Idee.“ Andere sehen das durchaus erfüllt: „Stuttgart-Ost ist ein wundervoller Lebensort, der oft unterschätzt wird“, merkt ein Teilnehmer an. Ein anderer tut kund: „Bin im Allgemeinen sehr zufrieden.“

Die Meinungen gehen weit auseinander. Es melden sich Stuttgart-Fans und solche, die die Stadt schnellstmöglich verlassen und ihr Glück woanders suchen wollen. Apropos Außenwahrnehmung. Wie wird Stuttgart aus der Ferne gesehen? Auf dem Reiseportal Trip-Advisor findet sich folgende Stimme: „Stuttgart an sich ist nicht die schönste Stadt Deutschlands, jedoch liegt sie relativ attraktiv und ist umringt von vielen Attraktionen. Zudem bietet sie vor allem im Sommer einiges an Abwechslung mit all ihren Festen.“ Klingt durchaus nach Lebensqualität und einem Wert von mindestens 6,85.

Worum es beim Heimatcheck geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in den 23 Bezirken Stuttgarts erhoben. Im Zeitraum zwischen dem 28. April und dem 21. Mai konnten Teilnehmer online ihr Votum abgeben. Den Anspruch, eine repräsentative Umfrage zu sein, erhebt der Heimat-Check dabei ausdrücklich nicht.

Systematik
 In 14 Kategorien haben wir während der Abstimmungsphase je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (gut) beantwortet werden konnten. Dabei ist es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima gegangen.  

 

 

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