Vor fünf Jahren hat sich der Heimatverein Deizisau gegründet. Inzwischen ist er auf 83 Mitglieder angewachsen, hat unter anderem eine respektable ortsgeschichtliche Sammlung aufgebaut und als Höhepunkt seiner noch jungen Historie vor zwei Jahren das Dorfmuseum an der Neckarstraße 1 eröffnet. Dort wird im ehemaligen Elternhaus der inzwischen verstorbenen Deizisauerin Martha Clauß neben einem Rückblick auf die Ortsgeschichte auch ein Teil der Sammlung des Museums präsentiert.
Als Martha Clauß das aus dem Jahr 1893 stammende Bauernhaus vor etwas mehr als fünf Jahren an die Gemeinde veräußerte, hatte sie den Verkauf mit der Bedingung verbunden, dass sich in Deizisau ein Heimatverein gründet, der in dem Gebäude an das bäuerliche Leben in der Gemeinde erinnert.
Entrümpelung war die erste Aufgabe
Diesem Wunsch hat sich Franz Bingel, der den Heimatverein vor fünf Jahren mit aus der Taufe gehoben hat und ihm seither vorsteht, angeschlossen. „Die ersten Jahre waren geprägt von der Entrümpelung und der Grundreinigung des Bauernhauses“, erzählt Bingel. Bis heute haben er und seine Mitglieder bei rund 450 Arbeitstreffen rund 5600 Arbeitsstunden investiert. Parallel dazu erarbeitete der Verein unter der Federführung von Marco Bantel ein erstes Konzept für das Dorfmuseum und erweiterte seine ortshistorische Sammlung.
Im Amtsblatt der Gemeinde wurde an die Deizisauer appelliert, nichts mehr wegzuwerfen, bevor jemand vom Heimatverein geprüft hat, ob etwas fürs Dorfmuseum von Interesse sein könnte. „Wir haben geschaut, was wir haben, was wir brauchen und was wir präsentieren können“, so Bingel weiter. Am 1. Juli 2023 war es dann endlich soweit. Das Dorfmuseum öffnete seine Pforten.
Im vergangenen Jahr kamen 700 Besucher ins Dorfmuseum
Inzwischen hat es an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet. An diesen Tagen werden Führungen angeboten und es gibt für die Gäste Kaffee und Kuchen. Darüber hinaus gibt es Sonderführungen für Schulklassen und Kindergärten. „Allein im Jahr 2024 hatten wir 700 Besucher“, sagt Bingel. 500 von ihnen machten eine Führung mit. Um noch mehr Leute ins Museum zu locken, sollen neben der Dauerausstellung künftig auch Sonderausstellungen gezeigt werden.
Die erste Sonderausstellung, die noch bis zum 3. Oktober zu sehen ist, erinnert an das Deizisauer Kinderfest, das vor 125 Jahren zum ersten Mal stattgefunden hat. Die nächste Ausstellung will der Heimatverein laut seiner Schriftführerin Gitta Zwißler, die sich unter anderem auch um das Archiv und das Magazin des Museums kümmert, altem Kinderspielzeug widmen. Die Ausstellung soll im April 2026 eröffnet werden.
Köngener Ortsgeschichte soll digitalisiert werden
Gefragt, was sich der Heimatverein für die nächsten Jahre vorgenommen hat, brauchen Zwißler und Bingel nicht lange nachzudenken. Sie verweisen unter anderem auf den Garten hinter dem Museum. Dort hat sich zwar schon einiges getan. Es wurden beispielsweise ein Bauerngarten und ein kleiner Teich angelegt, eine Kräuterspirale aufgebaut, ein Bienenhügel gestaltet, in der alten Scheune eine Bar eingerichtet und der Hof für das eine oder andere Fest fit gemacht.
Doch es gibt weitere Pläne. „Wir wollen den ehemaligen Hühner- und Hasenstall zu einem Verkaufsraum umbauen, um im Erdgeschoss des Museums selbst Platz zu schaffen“, erzählt Bingel. Zudem sei geplant, die ortsgeschichtliche Sammlung weiter auszubauen und Teile davon auch online beim Museum-Digital des Landes Baden-Württemberg zu präsentieren. Ebenso will der Heimatverein seinen vier Jahre alten Flyer neu gestalten. „Wir wollen nicht stagnieren, sondern uns in allen Bereichen weiterentwickeln“, verweisen Bingel und Zwißler auf die Marschroute.