Vor etwas mehr als einem Jahr ergossen sich die Wassermassen über das Wieslauftal, am Wochenende feierten die Rudersberger den 50. Geburtstag ihrer Gemeinde und ihren Zusammenhalt.

Das Motto „Von uns – für uns“, das über den Heimattagen anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Rudersberg stand, war nicht einfach nur dahergesagt. Seitdem das Wieslauftal im vergangenen Jahr von Wassermassen überflutet wurde, haben sich die Rudersberger buchstäblich miteinander aus den Trümmern herausgeschafft. Am Wochenende wurde im Festzelt bei der Gemeindehalle deshalb nicht nur der Gemeindegeburtstag, sondern auch die Gemeinschaft groß gefeiert.

 

Es war ein Bild mit Symbolcharakter. Wo sich vor noch gar nicht allzu langer Zeit riesige Berge von Müll türmten, die die Wassermassen und Schlamm hinterlassen hatten, spielte jetzt Musik, wurde fröhlich gefeiert und gelacht. Nach rund 25 Jahren stand zum ersten Mal wieder ein Festzelt auf dem Platz vor dem Gemeindehaus, in dem beim Auftritt der Band Voxx-Club am Samstagabend rund 1000 Besucherinnen und Besucher abfeierten. Zur sicheren Befestigung des Zelts wurden dicke Löcher in den Boden gebohrt werden, denn der hatte bei dem Starkregenereignis im Juni 2024 so großen Schaden genommen, dass er ohnehin neu gemacht werden muss. „Deshalb konnten wir beim Zeltaufbau auch ein bisschen rustikaler vorgehen“, sagte Bürgermeister Raimon Ahrens augenzwinkernd.

Beim Gemeindejubiläum ist viel Stolz zu spüren

Der Rudersberger Schultes war beim viertägigen Gemeindejubiläum stets und überall präsent, wie seinerzeit auch in den Tagen nach der Flut. „Es war aber ein deutlich schönerer Einsatz, und die Grundstimmung ist durchweg positiv und entspannt gewesen. Alle haben es genossen, dass mal wieder so ein Fest bei uns stattfindet“, sagte er. Die Ereignisse vor einem Jahr, so Ahrens, seien vielleicht sogar ein bisschen wie eine Emotionalzündung für diese besondere Stimmung gewesen und „der Stolz, dass man das geschafft hat, dass man wieder so ein Fest feiern kann, nach allem, was man erlebt hat“.

Höhepunkt der Festtage in Rudersberg war der große Festumzug am Sonntag mit fast 50 Gruppen. Beim Auftakt, dem Jubiläumsempfang am Donnerstag in der Gemeindehalle, hatte Baden-Württembergs Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident Thomas Strobl den Zusammenhalt und den ehrenamtlichen Einsatz nach der Flutkatastrophe gelobt. „Bei uns gibt niemand auf“, sagte Robin Wenz von der Freiwilligen Feuerwehr Rudersberg. „Keiner hier hat sich unterkriegen lassen, auch wenn alle noch an den Folgen zu knabbern haben. Und darüber sind wir froh und auch ein bisschen stolz.“ Die Ereignisse von Pfingsten hätten alle enger zusammenrücken lassen, ergänzte Feuerwehrmann Sinan Cimen: „Diesen Zusammenhalt spürt man.“

Großer Auftritt für die Rudersberger Vereine

Wie der Bürgermeister waren sie und ihre Kameraden während der Flut und in den Tagen und Wochen danach im Dauereinsatz gewesen. Der samstägliche Festdienst war auch für Robin Wenz und Sinan Cimen hingegen ein angenehmer Zeitvertreib. Beim Familientag drehte sich das bunte Kinderkarussell gemächlich im Kreis, Mädchen und Jungen erklommen gut gesichert die Kletterwand, ritten auf einem künstlichen Bullen und tobten durch die auf allen Seiten ausgepolsterte Hüpfburg.

Im Festzelt hatten die Rudersberger Vereine ihren großen Auftritt. Geboten wurden Linedance von den Landfrauen Rudersberg, Guggenmusik mit den Carnevalsfreunden oder das „Nena-Projekt“ des Gesangvereins Oberndorf . Bei der Bewirtung arbeiteten sie als Festhelfer im Schichtdienst mit gemeinsamer Kasse. „Wir gehen davon aus, dass wir eine schwarze Null schreiben. Sollte unterm Strich ein positives Ergebnis rauskommen, verteilen wir es gerecht unter alle beteiligten Vereinen“, sagte Bürgermeister Ahrens.

Lob für das, „was die Gemeinde gemeinsam gerissen hat“

Auch Jens Krüger von den Schella Hexa trug ein Helfer-T-Shirt mit dem Festmotto „Von uns – für uns“. Die Narrenzünftler waren beim Familientag für die kühlen Getränke verantwortlich. Es sei überhaupt nicht selbstverständlich, dass sie an diesem Festwochenende hier stehen und feiern könnten. Das freue ihn riesig, erklärte er. Zwar sei noch längst nicht alles fertig saniert, auch ein guter Freund von ihm sei noch immer betroffen, doch alle blickten nach vorne. „Es ist schon erstaunlich, was die Gemeinde in den vergangenen zwölf Monaten gerissen hat, das gilt auch für unseren Bürgermeister“, lobte Krüger, der sonst mit den Schella Hexa am Schmotzige Donnerstag das Rathaus stürmt und den Schultes herausfordert.

Nicht nur rund ums Gemeindehaus, auch in der nah gelegenen Werkstatthalle, die anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Wiesel“ ihre Tore geöffnet hatte, herrschte Trubel. Während der markante und augenfällig gelbe Originalzug der Wieslauftalbahn die Besucher von Schorndorf aus zu den Heimattagen in Rudersberg brachte, standen zwei „Ersatz-Wiesel“ bereit, von denen eines immer wieder die 200 Meter von der Werkstatthalle bis zum Bahnhof und zurück ratterte– mit vielen kleinen und großen Besucherinnen und Besuchern im Führerstand.