Stuttgart - Die Evangelische Heimstiftung in Baden-Württemberg ist mit 156 Einrichtungen eine der größten Träger von Pflegeheimen im Land. Jetzt hat ihr Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider eindringlich über „den Frust und das Unverständnis“ von zahlreichen seiner fast 10.000 Mitarbeitern berichtet: „Die größte Belastung für Pflege und Betreuungskräfte ist nach wie vor der Zwang zum Tragen einer FFP-2-Maske den ganzen Tag über.“ Das sei den Mitarbeitern „nicht mehr vermittelbar“, denn 90 Prozent der Bewohner in den Einrichtungen der Heimstiftung seien geimpft und über 50 Prozent der Mitarbeitenden ebenfalls. Von der Landespolitik fühle sich das Personal bei der Neufassung der Corona-Verordnung „vergessen“. Zwar sei es gut, dass es jetzt Lockerungen für Pflegebedürftige in Heimen gebe, so seien mehr Besuche von mehreren Personen möglich und bei geimpften Bewohnern könnten die Besucher im Einzelzimmer sogar auf Maske und Abstand verzichten.
Frust und Unverständnis bei den Mitarbeitern
Eine Erleichterung verlangt Schneider jetzt aber auch für geimpfte Mitarbeiter. Er hat einige Zitate gesammelt, die die Stimmung in den Heimen widerspiegeln: „Wenn Angehörige ohne Masken Besuche machen dürfen, warum dürfen wir nicht unser Gesicht zeigen?“ heißt es beispielsweise, oder: „Warum habe ich mich überhaupt impfen lassen?“ Seit Monaten ringe man bei der Pflege „sprichwörtlich um Luft“, sagten Mitarbeiter laut Schneider. Das Arbeiten mit der Maske den ganzen Tag über sei sehr anstrengend, man habe in jüngster Zeit „immer mehr Überlastungsanzeigen“ erhalten: „Die Stimmung ist am Kippen.“
Appell geht an Sozialminister Lucha
Die Heimstiftung verlange „spürbare Lockerungen für geimpfte Mitarbeiter“, so Schneider: „Sozialminister Lucha muss nachbessern und für sie sofort die FFP-2-Maskenpflicht aufheben.“ Lockerungen für Geimpfte wären auch für Unentschlossene eine Motivation, sich doch noch impfen zu lassen.
Auf einen andere Benachteiligung der Pflegeheime – allerdings von ihren Bewohnern – hat der Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Helmut Kneppe, aufmerksam gemacht. Im Interview mit der „Heilbronner Stimme“ forderte er, dass die Corona-Bundes-Notbremse eine Art „Notausgang“ für Heimbewohner offen halten müsse. Es müsse sichergestellt sein, dass auch bei einer Inzidenz über 100 die besondere Situation geimpfter Heimbewohner angemessen berücksichtigt werde. Eine pauschale Notbremse berge „die Gefahr, dass alles über einen Kamm geschoren, also Ungleiches gleich behandelt wird“. Die Situation von Senioren in Heimen sei nicht vergleichbar mit Menschen, die zu Hause leben und auch unter Corona-Bedingungen im Alltag diverse Kontaktmöglichkeiten hätten.