Ist die Farbe wirklich so schlimm, dass man sie überstreichen lassen muss? Darüber musste der Gemeinderat in Heimsheim entscheiden.

Heimsheim - Sonnengelb erstrahlt der neue HeimsheimerBauhof nach seinem neuen Anstrich. Ein echter Blickfang, so viel ist sicher. Auf dem freien Feld sticht der massive Baukörper ganz schön heraus. Das kann man durchaus positiv sehen: So haben die Heimsheimer immer ein warmes Leuchten am Horizont, selbst an trüben Wintertagen. So einige Bürger sehen das aber offenbar ganz anders: Sie finden den Anstrich, der bis jetzt erst teilweise erfolgt ist, einfach nur furchtbar und haben das an ihre Vertreter im Gemeinderat weitergegeben.

 

Aber ist die Farbe wirklich so schlimm, dass man sie für nicht ganz 10 000 Euro gleich wieder übermalen muss? Mit dieser Frage musste sich der Heimsheimer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung befassen. Die Freie Wählervereinigung hatte einen entsprechenden Antrag gestellt.

Kostensteigerungen, Verzögerungen, Planerwechsel

Der Bauhof wird derzeit nahe der Stadthalle neu gebaut. In den Komplex werden auch Vereinsräume für den Musikverein Stadtkapelle integriert. Das Projekt hat es immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit geschafft – allerdings selten auf positive Weise. Auf diverse Kostensteigerungen, Verzögerungen im Bau und Unstimmigkeiten mit den Planern folgte schließlich ein Wechsel derselben. Nun hat es der Neubau dank seines Anstrichs erneut auf die Tagesordnung geschafft. „Ich habe mehrere Rückmeldungen bekommen, keine davon war positiv“, erzählt Walter Müller von der FWV. Das bestätigten seine Fraktionskollegen. Unterstützung kam unter anderem von der CDU: „Bislang haben wir nur eine Fassade gestrichen, daher können wir jetzt noch etwas tun“, findet Ralf Rüth. Immerhin müsse man mit der Farbe für eine sehr lange Zeit leben.

Die FWV beantragte, 8500 Euro bereitzustellen, um die bisher in Gelb gestrichenen Fassadenteile neu zu streichen – in einer Farbe, über die der Gemeinderat entscheiden sollte. „Wir als auch viele Bürgerinnen und Bürger stören sich an dem angebrachten gelben Farbton“, heißt es in der Antragsbegründung. „Der Bauhof mit Vereinsraum ist ein massiver Baukörper, der in einer sensiblen Landschaft steht und daher ein Farbkonzept benötigt, welche ihn besser in die Landschaft integriert.“ Außerdem sollte dieses Konzept besser auf die frisch sanierte Stadthallenfassade abgestimmt sein.

Die Farbe wurde in einer Präsentation vorgestellt

Das Delikate daran: Bereits vor einem Jahr hat der Gemeinderat in einer Präsentation gezeigt bekommen, wie die neue Farbe aussieht. Der Architekt hatte den Farbton in Abstimmung mit dem Musikverein ausgesucht, aus dem Gremium kam dazu kein Widerspruch. Die Erklärung: Offenbar wirkte die Farbe in der Präsentation im Kleinen völlig anders als jetzt am fertigen Objekt.

Selbst der Bürgermeister Jürgen Troll gesteht zu, dass er sich das Gelb anders vorgestellt habe. „Aber ich kann damit leben.“ Dazu handle es sich um ein Gebrauchsgebäude, das man ohnehin alle zehn Jahre neu streichen müsse. Andere Ratsleute sahen die Situation ebenfalls nicht so dramatisch.

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„Ich denke auch, das ist jetzt ein Aufreger, aber in zwei bis drei Monaten spricht da kein Mensch mehr darüber“, glaubt Sabine Kiedaisch von den Bürgern für Heimsheim. Rolf Vetter (SPD) spricht gar von einem Schildbürgerstreich, „wenn wir hier Geld für neue Farbe ausgeben, während wir überall sonst darüber diskutieren, wo man Geld sparen könnte“. Letztlich wird der Antrag eher knapp bei sechs Ja- zu acht Nein-Stimmen (bei einer Enthaltung) abgelehnt. Der Bauhof behält also seine gelbe Farbe.