Blutspender aus Heimsheim Der kleine Pikser ist schnell vergessen

Von Kathrin Klette 

Siegfried Raichle hat 150-mal Blut gespendet. Gerne möchte er auch andere dazu ermutigen.

Siegfried Raichle Foto: Andreas Gorr
Siegfried Raichle Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Ich wollte einfach Gutes tun.“ Wer Siegfried Raichle so zuhört, wie er über das erzählt, wofür die Stadt Heimsheim ihn öffentlich geehrt hat, könnte meinen, als sei das gar nichts so Außergewöhnliches. Doch ein Jubiläum wie seines ist eine echte Seltenheit und in Heimsheim sogar eine Premiere: Siegfried Raichle hat in seinem Leben mehr als 150-mal Blut gespendet. Sogar im Urlaub ist er immer wieder dem Ruf des Roten Kreuzes gefolgt. „Da habe ich zwar nicht gezielt danach gesucht“, erzählt er. „Aber wenn es sich ergeben hat, hab’ ich natürlich mitgemacht.“

Gebürtig kommt der heute 73-Jährige aus Stuttgart. 1973 zog er nach Heimsheim, wo er mit seiner Frau Magdalene lebt. Die Söhne sind längst aus dem Haus. „Jetzt verwöhnen wir uns gegenseitig“, erzählt Siegfried Raichle lachend.

„Das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt“

Mit dem Blutspenden ist er zum ersten Mal in seiner Lehre zum Industriemechaniker bei den Fortuna-Werken in Berührung gekommen. „Das war Anfang der Sechziger. Mein Vater war auch Blutspender und hat mich dazu animiert. So hat das Ganze eine Eigendynamik entwickelt.“ Eine Dynamik, die sich über viele Jahre bewahrt hat – wenn auch mit einigen mal freiwilligen, mal unfreiwilligen Pausen. Während seiner Studienzeit setzte Siegfried Raichle zum Beispiel komplett aus. „Und bei meiner Arbeit bei Bosch war ich weltweit unterwegs, in Nigeria, Japan, Trinidad oder auch den USA.“ Und nach bestimmten Auslandsaufenthalten gibt es eine längere Frist, innerhalb derer nicht gespendet werden darf. „Sonst hätte ich das bis heute sicher noch häufiger gemacht.“

Trotzdem blieb Siegfried Raichle immer am Ball. „In den Siebzigern habe ich richtig damit angefangen, ein großer Teil kam aber erst in den letzten 15 Jahren zusammen, da konnte ich wirklich regelmäßig spenden gehen.“ Das Jubiläum der 50. Blutspende feierte er 1994, die 100. im Jahr 2007. Dabei wäre ihm einer seiner Einträge fast durch die Lappen gegangen. „2005 war ich auf Kur in Rheinland-Pfalz und wollte zum Blutspenden gehen. Die wollten mich aber als Erstspender eintragen und erst gar nicht annehmen“, erinnert er sich. Irgendwann habe er sogar mit der Zeitung gedroht. „Am Ende haben sie mich ganz großzügig doch mitmachen lassen“, berichtet er und ergänzt schmunzelnd: „Hinterher haben sie mir sogar einen riesigen Geschenkkorb zugeschickt.“

Leben retten ist Ehrensache

Blutspenden – das ist schließlich Ehrensache für Siegfried Raichle. „Ich wollte einfach etwas Gutes tun“, sagt er über sein jahrzehntelanges Engagement. Zumal er mit seiner Blutgruppe, Null negativ, ein viel gefragter Universalspender sei. „Ich wurde deswegen vom DRK auch regelmäßig angeschrieben, weil mein Blut ein so besonderer ,Saft’ ist“, erzählt er.

Trotzdem wird er die 160 wohl nicht mehr knacken. Nach den Bestimmungen des DRK ist mit seinen 73 Jahren nun Schluss – nach insgesamt 154 Spenden. Langweilig wird ihm ohne dieses nicht sehr zeitintensive „Hobby“ wohl nicht werden. „In meiner Freizeit höre ich zum Beispiel gerne klassische Musik, das ist eine schöne Bereicherung, da wird der Kopf frei für die eigentlichen Dinge des Lebens.“ Auch ins Theater und zu Konzerten gehe er gerne.

Umgekehrt wird dem Roten Kreuz und den Patienten, die auf die Spenden angewiesen sind, sein Einsatz sicher fehlen. Siegfried Raichle möchte deshalb andere, die sich noch nicht dazu durchringen konnten, sich der Nadel zu stellen, ermutigen: „Es ist nur ein kleiner Pikser. Den vergisst man schnell, wenn man sich bewusst macht, dass man damit jemandem das Leben rettet.“ Wer es kann, sollte es darum auf jeden Fall einmal probieren. „Und wenn er dann dabei bleibt – umso besser.“