Heimsheim Der Waldkindergarten spaltet erneut den Gemeinderat

Von Kathrin Klette 

Bekommen die Naturkinder mehr Geld? Das entscheidet sich ganz knapp, mit nur einer Stimme Mehrheit.

In Heimsheim ist es umstritten, wie viel der Waldkindergarten bekommt. Foto: Andreas Gorr
In Heimsheim ist es umstritten, wie viel der Waldkindergarten bekommt. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Was eine einzelne Stimme in einer Demokratie ausmachen kann, das hat sich im Heimsheimer Gemeinderat sehr deutlich gezeigt, als es vor Weihnachten um einen Beschluss zum Waldkindergarten Wilde Wichtel ging. Seit der Wahl im Mai haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat leicht verschoben, sodass das Votum mit acht zu sieben Stimmen zugunsten des Waldkindergartens ausfiel. Die Stadt wird die Einrichtung fortan mit 85 Prozent ­bezuschussen (statt vormals 80 Prozent) und 100 Prozent des Abmangels übernehmen (statt vormals 50 Prozent).

Im Gegenzug sollen aber nur noch Heimsheimer Kinder dort einen Platz ­bekommen. Ähnlich wurde bereits in Mönsheim verfahren, wo die Naturkinder Flacht ebenfalls einen Waldkindergarten betreiben. Auswärtige Kinder, die bereits einen Platz in der Heimsheimer Einrichtung haben, dürfen diesen aber behalten.

Das Zünglein an der Waage

Der Waldkindergarten spaltet seit Beginn an den Heimsheimer Rat. Alle Vorgänge und Entwicklungen, die mit der Einrichtung zusammenhängen, werden von den Fraktionen der CDU und der Freien Wählervereinigung sehr kritisch beäugt. Demgegenüber heben vor allem die Bürger für Heimsheim und die SPD die Bedeutung des Waldkindergartens für die Stadt immer wieder hervor.

Zuletzt hatte die geplante Umwandlung des Vereins in eine gemeinnützige GmbH – eine Gesellschaft, die keine Gewinne erwirtschaften darf, – den Argwohn der CDU und der FWV geweckt. Das Zünglein an der Waage bei der jüngsten Abstimmung – je sieben Stimmen auf­seiten der CDU, FWV und Unabhängigen Wählervereinigung und aufseiten von BfH, SPD und Frauen für Heimsheim – bildete der Bürgermeister Jürgen Troll.

Der Hintergrund des Antrags der ­Naturkinder Flacht auf zusätzliche Unterstützung sind die steigenden Kosten. Diese sind fast komplett auf höhere Personalkosten zurückzuführen, da aufgrund des Fachkräftemangels die Erzieher nun nach Tarif bezahlt werden. Im Haushaltsplan für 2020 erwarten die Naturkinder einen Abmangel in Höhe von knapp 12 000 Euro, der weder durch Elternbeiträge noch durch die Unterstützung der Stadt aus­geglichen werden kann. Eine Lösung wäre entweder eine Erhöhung der Elternbeiträge, die bereits jetzt über denen in den städtischen Kindergärten liegen, oder die Reduzierung der Öffnungszeiten. Beides wollten die Naturkinder vermeiden. Die Verwaltung unterstützte den Antrag der Naturkinder und gab zu bedenken, dass Heimsheim im Vergleich zu anderen Kommunen mit Waldkindergärten „in ­Sachen Bezuschussung Schlusslicht“ ist.

Es bestehen Zweifel

Freie Wählervereinigung und CDU konnten den Antrag trotzdem nicht unterstützen, auch nicht den alternativen Vorschlag, dass zumindest 85 Prozent des Abmangels übernommen werden. „Ich finde, wir haben hier schon erhebliche Unterstützung geleistet“, fand Stefan Adelmann (FWV) und nannte zum Beispiel die Anschaffung der beiden Bauwagen. Zudem habe der Kindergarten Angebote wie das Arbeiten mit den Ponys im Barockreitzentrum, die andere Kindergärten nicht hätten, „dafür kann man auch mehr bezahlen“. Ralf Rüth unterstellte, dass den Naturkindern der Anreiz fehlen werde, kostenneutral zu arbeiten, wenn die Stadt den Abmangel vollständig übernimmt.

Gaby Wulff (BfH) sprach sich für den Verwaltungsvorschlag aus. Ihr Argument: Würde der Waldkindergarten seine Öffnungszeiten reduzieren, müsste die Stadt sich um die Betreuung der Kinder in den offenen Zeiten selbst kümmern, das Geld würde also „von der rechten in die linke Tasche wandern“. CDU und FWV hielt sie entgegen, dass das Angebot mit den Ponys keineswegs mit irgendeiner Sonderstellung zu tun habe, sondern solche Aktionen immer vom Engagement der Erzieher ­abhänge. „Dafür gibt es in städtischen Kindergärten manche Angebote, die es im Waldkindergarten nicht gibt.“

Kinder striegeln Ponys

Tatsächlich war die Arbeit mit den Ponys eine Folge der Zusammenarbeit mit dem Barockreitzentrum, erklärte die Vorsitzende der Naturkinder Flacht, Evelyn Quass. Der Waldkindergarten braucht eine Sturmunterkunft, dafür wurden bislang Räume im Barockreitzentrum angemietet, so entstand der engere Kontakt. Inzwischen haben die Naturkinder aber eine neue und günstigere Sturmunterkunft gefunden, wodurch auch das Pony-Striegeln für die Kinder entfällt. Rolf Vetter von der SPD stellte sich ebenfalls auf die Seite der Naturkinder und merkte an, dass es in Heimsheim schon früher einen nicht-städtischen Kindergarten gab, der von der Stadt auch mit 100 Prozent bezuschusst wurde. Javier Larrosa aus dem Vorstand der Naturkinder wandte sich  ­zuletzt noch einmal in Richtung der Kritiker: „Wir sollten mal an einen Punkt kommen, an dem wir nicht wegen 12000 Euro jedes Mal einen Gang nach Canossa antreten müssen.“




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