Heimsheim Die Kandidatin will – und will doch nicht

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Sandra Müller von der „Nein-Partei" kandidiert (nicht) als Schultes in Heimsheim. Sie will ein Alternative für alle Wähler sein, denen die anderen Kandidaten nicht zusagen.

Die Bürgermeisterwahlen in Heimsheim stehen im April an. Foto: dpa
Die Bürgermeisterwahlen in Heimsheim stehen im April an. Foto: dpa

Heimsheim - Ein neuer Tag, eine neue Bewerbung. Sandra Müller aus dem schleswig-holsteinischen Barmstedt kandidiert bei der Bürgermeisterwahl in Heimsheim. Anscheinend, müsste man eigentlich voranstellen. Denn während unserem Blatt ein Schreiben zugesandt wurde, in dem eine PR-Agentur die Bewerbung der 41-Jährigen mitteilt, hat man im Heimsheimer Rathaus noch keine Kenntnis von ihren Ambitionen. „Hier ist noch nichts eingegangen, die Dokumente könnten sich aber auch noch auf dem Postweg befinden“, heißt es von dort.

Die Bestätigung gibt es von Marius Augustin, dem Inhaber jener PR-Agentur mit Sitz im bayrischen Poing nahe München: Sandra Müller tritt tatsächlich bei der Wahl an. Bürgermeisterin werden möchte sie aber nicht. Denn sie geht für die Partei der „Nein-Idee“ an den Start. Das heißt: sollte sie gewählt werden, nimmt sie das Amt nicht an. „Ich möchte die Alternative für all diejenigen sein, denen keiner der anderen Kandidaten zusagt“, wird sie in der Agenturmitteilung zitiert. Am liebsten wäre ihrer Partei übrigens eine „Nein“-Option auf den Stimmzetteln. Dafür müsste allerdings die baden-württembergische Kommunalverfassung geändert werden.

Telefon der Kandidatin ist kaputt

Telefon kaputt

Für ein persönliches Statement war Sandra Müller gestern nicht zu erreichen. Marius Augustin nennt den Grund: „Ihr Telefon ist vor kurzem kaputt gegangen.“ Sandra Müller selbst werde sich auf alle Fälle auch „intensiv mit den kommunalpolitischen Themen“ in der Schleglerstadt auseinandersetzen – damit die Heimsheimer Bürger auch wissen, zu was genau sie „Nein“ sagen müssen. Außerdem wolle sie auch persönlich in nächster Zeit in der Stadt zugegen sein – wie ihr Sprecher Augustin selber ebenfalls.

Notiz am Rande: Augustin war bis 2009 Mitglied in der rechtsextremen NPD, stieg dann allerdings aus. Seitdem ist er als „Wiedergeborener Christ“ in der Münchener Ortsgruppe der Freikirche ICF (International Christian Fellowship) aktiv. Und natürlich für die „Nein“-Partei.

Thema: Legalisierung von Cannabis

Wenig konkrete Forderungen

Doch zurück zur eigentlichen Kandidatin: Die politischen Themen von Sandra Müller? Gesundheitswesen und Sozialsystem gibt sie selbst an. Eine der wenigen konkreten Forderungen ist die Legalisierung von Cannabis. Dann gibt es Angaben zu ihren Hobbys: Die Norddeutsche betreibt Gartenpflege und Hundetraining. Sie ist geschieden, hat eine 21-jährige Tochter und arbeitet als telefonische Kundenbetreuerin, wie es in dem Schreiben heißt.

„Jeder Bürger sollte das Recht haben, auch bei einer Bürgermeisterwahl Nein zu sagen“, steht im Programm der Partei. Zu welchen kommunalpolitischen Themen allerdings die Heimsheimer Bürger ihre Ablehnung äußern sollen, darüber gibt Sandra Müllers Bewerbung noch keinen Aufschluss. Zeit, sich vorzustellen, bleibt ihr noch bis zum Wahltag am 21. April. Zuletzt hatte bereits der amtierende Bürgermeister Uwe Rupp seine erneute Kandidatur für den Posten des Rathauschefs eingereicht.




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