Heimsheim Die Predigt schreibt er nicht schon im Sommer

Zwei Wochen vor Weihnachten  fängt Christian Tsalos  mit den Predigten für das Hochfest an. Foto: Andreas Gorr
Zwei Wochen vor Weihnachten fängt Christian Tsalos mit den Predigten für das Hochfest an. Foto: Andreas Gorr

Acht Gottesdienste in kurzer Zeit und zahlreiche andere Termine: Für Christian Tsalos gibt es viel zu tun. Dennoch mag der evangelische Pfarrer die Weihnachtszeit.

Heimsheim - Ein bisschen Weihnachten ist bei Christian Tsalos schon vor zwei Wochen eingekehrt. Denn seitdem ist seine Predigt fertig – eine Predigt von einem halben Dutzend, die der Pfarrer an diesem Hochfest halten wird. Acht Gottesdienste sind es an den Tagen vom vierten Advent und in der darauffolgenden Woche, allein vier davon an Weihnachten selbst.

Und alles will vorbereitet sein. Einmal, berichtet er, habe er in den Sommerferien einen Kollegen getroffen, der seine Weihnachtspredigt am Strand geschrieben hat. Christian Tsalos schmunzelt, das könne er dann doch nicht. Adventsstimmung muss schon sein, auch wenn in dieser Zeit vieles zusammenkommt. Weihnachtsfeiern mit den Senioren, den Mitarbeitern, dem Kirchengemeinderat, Schulgottesdienste und der Weihnachtsmarkt.

Stressig ist es schon, auch wenn Christian Tsalos das Wort nicht so sehr mag. „Und das normale Geschäft geht ja weiter“, sagt er. Dennoch läge dem Heimsheimer Pfarrer nichts ferner, als möglichst schnell den Januar herbeizusehnen. „Es ist eine schöne Zeit, ich feiere gern die Gottesdienste an Advent und Weihnachten“, sagt er.

Fünf Stunden für einen Text

Denn schließlich sind es die Gottesdienste, die das Zentrum dieser Zeit bilden. Und deren Zentrum wiederum ist die Predigt von Christian Tsalos. Vier bis fünf Stunden braucht er schon, bis der Text fertig ist. „Als erstes lese ich den Bibeltext genau und gehe ihn gedanklich durch“, berichtet er vom Prozess des Schreibens.

Die Bibeltexte, über die die Pfarrer in der evangelischen Kirche predigen, sind von der Landeskirche vorgegeben. „Ich muss mich einfühlen in ihre Stimmung“, sagt er. Wie könne er die Bedeutung so rüberbringen, dass sich die Leute angesprochen fühlen? Das überlegt er sich genau, über längere Zeit hinweg, beim Einkaufen, beim Spazierengehen.

Und gerade die Botschaft von Weihnachten, die ist immer noch hochaktuell, findet der Theologe: „Es geht um die große Liebe Gottes zu den Menschen.“ Besonders ist nicht so sehr, dass ein Kind geboren wurde – das geschieht schließlich jeden Tag viele Male. „Besonders ist das, was aus Jesus Christus wurde, nämlich der Erlöser der Welt“, erklärt er. „Indem Gott Mensch wurde, wendet er sich in Liebe zu uns.“

Natürlich kennt auch Christian Tsalos die Angst vor dem weißen Blatt, die Angst, keine Ideen für die Predigt zu haben. „Aber ich predige gern“, sagt er, „und deshalb schreibe ich sie eigentlich auch gern.“ Und wenn er erst einmal dabei ist, dann läuft es auch.

„Ich freue mich über jeden, der kommt“

Am Heiligen Abend beginnt die Gottesdienst-Tournee dann mit dem Familiengottesdienst um 15.30 Uhr, später um 22 Uhr die Christmette, der traditionelle Spätgottesdienst in dieser heiligen Nacht. Die gemütliche Heimsheimer Kirche wird dann aus allen Nähten platzen, es ist auch hier der bestbesuchte Gottesdienst im Jahr. „Auch wenn es nur einmal im Jahr ist – ich freue mich über jeden, der kommt“, sagt Christian Tsalos. „Ich sehe das auch als Einladung, dass jemand vielleicht wieder kommt, wenn es ihm gefallen hat.“

Tsalos ist indes nicht nur Pfarrer, sondern auch Ehemann und Familienvater. Er schmunzelt, denn die Familie lebt natürlich auch mit seinem Beruf. „Zwischen den beiden Gottesdiensten an Heiligabend, also zwischen 18 und 22 Uhr, haben wir Zeit für die Familie“, berichtet er. Als Mangel empfindet er das nicht, dass er an den Feiertagen arbeiten muss. „Wir würden ja ohnehin in die Gottesdienste gehen“, sagt er. Nur, weit weg wohnende Verwandte zu besuchen, geht leider nicht. Aber die kommen dann eben nach Heimsheim zu Besuch.

Viel Arbeit also. Aber Weihnachten geht ja nur bis zum 6. Januar. Urlaub gibt es für Christian Tsalos dennoch erst an Pfingsten.




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