Heimsheim Ein Traumberuf – aber nur für Schleckermäuler

Von Kathrin Klette 

Heute ist der Tag des Honigs. Manuela Schenk hegt eine besondere Faszination für das zuckersüße Naturprodukt. Sie arbeitet bei der Landesanstalt für Bienenkunde als Honigtesterin und ist außerdem leidenschaftliche Hobby-Imkerin.

Manuela Schenk  ist dem Honig nicht nur im Beruf verbunden Foto: Andreas Gorr
Manuela Schenk ist dem Honig nicht nur im Beruf verbunden Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Ob im Tee, auf dem Brot oder im leckeren Kuchen: Für manche Menschen ist Honig das einzig Wahre. Der 7. Dezember ist sogar ganz und gar dem süßen Nahrungsmittel gewidmet und gilt als internationaler Tag des Honigs.

Wer das goldgelbe Naschwerk besonders zu schätzen weiß, ist Manuela Schenk aus Heimsheim. „Was mich daran fasziniert, ist das unendliche Bouquet an Aromen“, schwärmt die 45-Jährige. Und sie weiß, wovon sie spricht. Denn Schenk ist nicht nur Hobby-Imkerin, sie arbeitet auch seit vielen Jahren bei der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim. Dort testet sie als technische Assistentin Honigsorten auf Herkunft und Qualität.

Für so manchen ist das wohl die Vorstellung vom absoluten Traumberuf, Honig schlecken zu dürfen und auch noch dafür bezahlt zu werden. Doch zu den Aufgaben von Manuela Schenk gehört natürlich noch einiges mehr. Zum einen untersucht sie Honig, den privaten Imker freiwillig zuschicken, um mehr über ihr eigenes Produkt zu erfahren.    „Die Landesanstalt     unterstützt damit die Praxis der Imker.“ Gleichzeitig bekommt sie auch Proben von Herstellern, die ihre Waren für den Deutschen Imkerbund vertreiben – zu erkennen am goldenen Deckel und dem grünen Aufdruck. Diese Produkte müssen natürlich bestimmten Anforderungen genügen, „deshalb gibt es immer wieder stichprobenartige Kontrollen“, sagt die Expertin.

Honig enthält wichtige Enzyme

Untersucht wird der Honig zunächst äußerlich: Wie sieht er aus, wie riecht er, wie schmeckt er? „Wir müssen in der Tat viel Honig kosten“, erzählt Manuela Schenk und lacht. „Dabei können wir uns aber regelmäßig abwechseln.“ Im nächsten Schritt wird das Produkt auf Herz und Nieren geprüft. Sind zum Beispiel noch viele der bieneneigenen Enzyme enthalten, die den Honig so wertvoll machen, oder sind sie durch falsche Lagerung verloren gegangen? „Das ist ein hohes Qualitätsmerkmal“, erklärt Schenk. Auch der Wassergehalt darf für eine gute Qualität nicht zu hoch sein.

Darüber hinaus wird die Herkunft des Honigs ermittelt. Denn die ist nicht immer so eindeutig. „Wir hatten schon Produkte von privaten Imkern, die dachten, sie hätten einen reinen Blütenhonig, und am Ende war es doch ein Rapshonig.“ Das könne zum Beispiel passieren, wenn der Imker seine Bienenvölker gezielt auf Obstwiesen fliegen lasse, „sie sich am Ende aber doch lieber für den Raps entscheiden“.

Ob ein Honig im Regal eher trüb und cremig oder klar und durchsichtig ist, hat mit der Qualität übrigens gar nichts zu tun, erklärt Manuela Schenk. „Es gibt Honigsorten, die schneller kristallisieren als andere, weil sie mehr Traubenzucker enthalten. Zum Beispiel von Raps oder Klee.“   Das Kristallisieren sei aber ein rein optischer „Makel“, „es ist eben ein Naturprodukt“. Werde der Honig auf maximal 40 Grad im Wasserbad erhitzt, bekomme er wieder seinen zarten goldenen Schimmer. Auch ob das Produkt heller oder dunkler ist, „hängt allein damit zusammen, wo die Biene war. Waldhonig ist zum Beispiel immer dunkler.“

Vier Bienenvölker in Münklingen

Wer Manuela Schenk so zuhört, kann kaum glauben, dass es gar nicht die Freude am Honig war, der sie zu ihrem Beruf brachte. „Vorher hatte ich damit eigentlich gar nicht viel zu tun“, erinnert sich die 45-Jährige. Angefangen hatte sie als medizinisch-technische Assistentin in einem medizinischen Labor, bis sie sich nach etwas anderem umsehen wollte und schließlich an die Universität Hohenheim kam. Von da an packte sie ganz rasch das Honigfieber. „Und ich habe auch bald angefangen, selbst Bienen zu halten“, erzählt sie.

Als ihre Kinder kamen, legte sie zwar eine längere Pause ein, seit einiger Zeit hält sie auf einem Gartengrundstück in Münklingen aber wieder Bienenvölker – vier an der Zahl. „Für meinen Mann ist das ein schöner Ausgleich neben der Arbeit, und ich bin ein Mensch, der ohnehin sehr naturverbunden ist. Ich liebe es, rauszugehen und zu beobachten, wie hier das Zusammenspiel von Tier und Natur wirkt.“ Und natürlich freut sie sich auf den guten Honig – nicht nur wegen des leckeren Geschmacks. „Wenn man sich die Nahrungsmittelindustrie anschaut, wo überall künstliche Zusatzstoffe reinkommen, – Honig ist einfach etwas Natürliches.“