Heimsheim/Leonberg Genug ist Angelika Klingel nicht genug

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Nun ist sie nominiert, mit dem bestmöglichen Ergebnis von 100 Prozent. Angelika Klingel will das schaffen, was angesichts des Wahlrechtes für die SPD kaum möglich scheint: Aus dem Wahlkreis 6 Leonberg-Herrenberg in den Landtag einziehen.

Frauen unter sich: Kandidatin  Angelika Klingel (l.) im Gespräch mit der  Leonberger  SPD-Chefin  Elviera  Schüller-Tietze. Foto: factum/Bach
Frauen unter sich: Kandidatin Angelika Klingel (l.) im Gespräch mit der Leonberger SPD-Chefin Elviera Schüller-Tietze. Foto: factum/Bach

Heimsheim - Nun ist sie nominiert, mit dem bestmöglichen Ergebnis von 100 Prozent. Angelika Klingel will das schaffen, was angesichts des Wahlrechtes für die SPD kaum möglich scheint: Aus dem Wahlkreis 6 Leonberg-Herrenberg in den Landtag einziehen. Die Heimsheimerin war lange Vorsitzende des Landesfrauenrates, ist in der evangelischen Landessynode und in vielen anderen Ehrenämtern aktiv. Jetzt will sie Berufspolitikerin werden.

Angelika Klingel gehört zu den Menschen, die sofort einen Raum einnehmen, wenn sie ihn betreten. Die 54-Jährige hat etwas zu sagen, und das will sie künftig in der Öffentlichkeit, im Wahlkampf und am besten im Landtag auch tun. „Meine Chancen sind gut“, sagt sie. Sie spricht von einer positiven Regierungsbilanz ihrer Partei, der sie erst seit Dezember 2014 angehört, setzt auf Frauenpower – auch im Duell mit der Leonberger CDU-Abgeordneten Sabine Kurtz. „Es ist wichtig, dass der Wahlkreis wieder gut von einer Regierungspartei vertreten wird.“

Natürlich kennt sie die schwierige Ausgangslage. Früher war der wegen seiner gebogenen Form „Bananenwahlkreis“ genannte Stimmbezirk eine sichere Bank, weil er einer der größten im Land ist. Daher saß die Gärtringer Sozialdemokratin Birgit Kipfer über Jahrzehnte auf ihrem Stuhl, teilweise waren bis zu vier Abgeordnete aus dem Wahlkreis in Stuttgart.

Sicher gewählt ist jetzt nur der direkt gewählte Abgeordnete – und das wird aller Voraussicht nach wieder Sabine Kurtz sein. Seit Grün-Rot das Wahlrecht geändert hat, gilt für die nicht direkt gewählten Mandatsträger eine neue Regel. Bislang wurden die absoluten Ergebnisse aller Kandidaten verglichen – wer die meisten Stimmen geholt hatte, war gewählt. Nun gilt das prozentuale Ergebnis. Und da ist der Wahlkreis Leonberg-Herrenberg für die SPD ein sehr schwieriger. Vor allem im ländlichen Gäu rund um Herrenberg ist die Partei traditionell schwach. Aber das ficht Klingel nicht an: „Würde ich nicht an meine Chance glaube, träte ich nicht an.“

Wer ist also Angelika Klingel, die nach dem Verzicht des SPD-Kreistagsfraktionschefs Tobias Brenner unangefochten die Wahlkreiskandidatin ist? Geboren wurde sie 1961 in Gerlingen als drittes von vier Kindern. Der Vater war selbstständiger Buchbinder. „In unserem Haushalt war immer Leben“, erinnert sie sich. Es wurde viel gearbeitet, sonntags gab es Ausflüge.

Angelika Klingel hatte schon als junges Mädchen einen vollen Terminkalender: Turnen, Singen, Posaunenchor, Gitarrenspiel. „Ich kann nicht lange stillsitzen“, bekennt die 54-Jährige. Mit 21 Jahren hat sie geheiratet. Bedingung war, dass die junge Beziehung den Militärdienst ihres Freundes Manfred übersteht. Sie hielt.

Angelika Klingel studierte Diakonie und Sozialarbeit, wurde schwanger und entschied sich, zu Hause zu bleiben. „Heute würde ich das vielleicht anders machen, aber damals war es das Richtige“, sagt sie. Zwei Kinder wurden geboren, die jetzt 28 und 25 Jahre alt sind. Ihr Mann war zunächst in einem Leonberger Autohaus tätig und wechselte zu Porsche nach Weissach.

Angelika Klingel engagierte sich in der Kirchengemeinde in ihrer neuen Heimat Heimsheim, sang im Kammerchor in Weil der Stadt, gab Elternkurse. 1998 begann sie als Referentin beim Evangelischen Gemeindedienst. Schließlich wurde sie Geschäftsführerin der evangelischen Frauenarbeit und der Müttergenesung im Land.

Darüber hinaus hat sie etliche Ehrenämter. „Ich traue mich gar nicht immer, alle aufzuzählen“, lacht Klingel, und tut es dann doch. Wichtig war ihr die Arbeit im Landesfrauenrat, den sie lange Jahre vorstand. Zudem war sie in Landesbeiräten wie dem für nachhaltige Entwicklung oder für Innovation in der Wirtschaft. Daher kennt sie die landespolitische Bühne, ist den Ministerpräsidenten Stefan Mappus, Günther Oettinger und Winfried Kretschmann schon gegenüber getreten. „Ich habe immer klar meine Meinung gesagt“, erklärt sie.

In der SPD ist sie erst seit Dezember. „Als Vorsitzende des Landesfrauenrates wollte ich neutral sein“, sagt sie. Von allen Parteien sei sie gefragt worden, über die Heimsheimer GEW-Landeschefin Doro Moritz kam sie zur SPD. „Das entspricht am besten meiner politischen Einstellung“, sagt sie. Und da nach dem Verzicht von Tobias Brenner im Wahlkreis dringend eine bekannte Bewerberin gesucht wurde, trat sie an. Nach einer Vorstellungstour in allen Ortsvereinen wurde sie nun nominiert.

Mit welchen Themen will sie punkten? „Es geht um Arbeitsplätze, um bezahlbaren Wohnraum, um einen erweiterten Familienbegriff.“ Die Gemeinschaftsschule hält sie für ein Erfolgsprojekt, bei der Hesse-Bahn kann sie die Skepsis in Weil der Stadt und Renningen verstehen. Beim Lückenschluss und dem Ausbau der B 464 sagt sie: „Wir brauchen eine Weiterentwicklung.“

Bleibt bei all dem Engagement noch Platz für Hobbys? Singen, Wandern, Motorradurlaube mit dem Mann – ja, dafür bleibt noch Zeit, aber eben meistens neben dem Ehrenamt. Wenn sie in einem Jahr in den Landtag gewählt werden sollte, wird die Freizeit wohl noch knapper.




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