Ostfildern bringt die Wärmeplanung voran. Das Holzheizkraftwerk im Scharnhauser Park wird modernisiert, Nellingens Fernwärmenetz ausgebaut.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Das Fernwärmenetz in Nellingen wird ausgebaut. Außerdem soll die Wärmeversorgung im Scharnhauser Park mit dem Holzheizkraftwerk fortgeführt und modernisiert werden. Diese Bausteine der kommunalen Wärmeplanung haben die Ostfilderner Stadträte in ihrer Sitzung vor der Sommerpause beschlossen. Als eine der ersten Kommunen im Kreis Esslingen hatte Ostfildern das Strategiepapier verabschiedet.

 

Das Holzheizkraftwerk im Scharnhauser Park wird neu organisiert. Die Stadtwerke Ostfildern werden sich mit einem Anteil von 25,1 Prozent an der neu zu gründenden „Wärmeversorgung Scharnhauser Park GmbH“ beteiligen. Dieser Anteil entspricht einem Stammkapital von 25 000 Euro. Zusätzlich stellt der Gemeinderat den Stadtwerken bis zu 500 000 Euro für Eigenkapital zur Verfügung.

„Die neue Gesellschaft wird gemeinsam mit den Stadtwerken Esslingen betrieben, die 74,9 Prozent der Anteile halten“, sagt Stadtsprecherin Tanja Eisbrenner. Ziel sei es, das bisherige Heizwerk – bestehend aus Grundstück, Gebäuden und technischer Anlage – für 1,9 Millionen Euro zu kaufen und zu modernisieren. Hintergrund ist die Liquidation des bisherigen Betreibers, der Holzheizkraftwerk Scharnhauser Park, deren EEG-Förderung bis Ende 2024 ausläuft.

Stadt im Kreis Esslingen will klimafreundliche Wärmeversorgung sichern

Die Holzkesselanlage wird technisch erneuert. Die Investitionskosten werden auf etwa 3,8 Millionen Euro geschätzt. Künftig soll die Anlage rund 24 Gigawattstunden Wärme pro Jahr aus erneuerbaren Energien erzeugen. Damit wird der Scharnhauser Park klimafreundlich mit Wärme versorgt.

Blick ins Holzheizkraftwerk im Scharnhauser Park. Foto: Rudel/Hass

Das Nellinger Fernwärmenetz brachten die Kommunalpolitiker ebenfalls auf den Weg. Ausgangspunkt der neuen Trasse ist das Heizwerk am Hallenbad Nellingen, das überwiegend mit regenerativen Holzhackschnitzeln betrieben wird und damit Potenzial für künftige Anschlüsse bietet. Die Stadtwerke Ostfildern übernehmen Aufbau und Betrieb des Netzes.

Nellinger Haushalte zeigen Interesse an Fernwärme

Parallel zur Verlegung der Fernwärmeleitungen wird die Wasserversorgungsleitung in der Riegelstraße bis zur Schwabstraße sowie in der Ernst-Kirchner-Straße erneuert. Die Stadtwerke Ostfildern sind zuversichtlich, dass sich der Anschluss durch die neuen Nutzer rechnet. „Derzeit interessieren sich sechs Anschlussnehmer aus Nellingen dafür“, sagt Ingo Maihöfer, Geschäftsführer der Stadtwerke Ostfildern. Dabei gehe es jeweils um Anschlüsse für größere Wohnanlagen. Für die einzelnen Nutzer bleiben die Preise stabil. „Im Bereich Nellingen Nord werden wir zu den bestehenden Konditionen liefern.“

Dass viele Menschen die Wärmeplanung als „Bürokratiemonster“ betrachteten, gab Steffen Kaiser (Freie Wähler) zu bedenken. „Nun beweisen die Stadtwerke Ostfildern das Gegenteil, indem ein bestehendes und funktionierendes Heizkraftwerk genutzt wird, um die Fernwärmeversorgung im Bereich um das Nellinger Schulzentrum auszuweiten.“ Die Effektivität lobt auch Axel Deutsch (CDU): „Es macht Sinn, dass weitere Haushalte an das Netz angeschlossen werden und dass bei den Bauarbeiten parallel die Wasserversorgungsleitung erneuert wird.“ Diese Abstimmung von Leitungsträgern wünscht er sich öfter.

Grüne: „Ein Meilenstein für die Wärmewende“

„Die Wärmewende ist ein zentraler Hebel zur Erreichung unserer Klimaziele - lokal wie global“, ist Anja Raatzsch (Grüne) überzeugt. Der Gebäudesektor sei einer der großen Verursacher von Kohledioxid-Emissionen. Ostfildern habe mit der Wärmeplanung Weichen gestellt. „Ein wesentlicher Meilenstein ist der Ausbau des Fernwärmenetzes.“