Verbraucher äußern im Internet ihren Unmut über die steigenden Gaspreise. Quasi jeder Versorger verteuert die Wärmeenergie massiv. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Wirtschaft: Inge Nowak (ino)

Jo ist merklich sauer: „Kann das sein das die kWh (Kilowattstunde) Stunde nun bei 24 Cent liegt bzw. 300 Prozent mehr als vor einem Jahr?“, fragt der Gas-Kunde. Auch Brigitta macht ihrem Unmut in Internet Luft: „Grünwelt liefert seit dem 3.12.2021 nicht mehr. Bin jetzt in der Ersatzversorgung der Stadtwerke. Die verlangen das Dreifache und wenn ich andere Anbieter suche, liegen auch diese weit über dem bisherigen Tarif. Ich werde so mindestens 1000 Euro mehr im Jahr bezahlen“, schreibt sie auf dem Preisvergleichsportal 1-Gasvergleich.

Die Gaspreise in Deutschland steigen in diesem Jahr auf breiter Front. 630 Grundversorger haben allein zum 1. Januar Erhöhungen angekündigt, im Schnitt um saftige 53 Prozent, hat das Internet-Vergleichsportal Check24 errechnet. Bisher sind es in diesem Herbst und Winter mehr als 1000 Gasgrundversorger, die von ihren Kunden mehr verlangen. Und erste Anbieter – wie eben Grünwelt/Gas.de – haben die Belieferung bereits Anfang Dezember ganz eingestellt. Die betroffenen Gaskunden droht nun zwar keine kalte Wohnung, weil automatisch der lokale Grundversorger einspringen muss. Allerdings beziehen sie ihr Gas zu deutlich höheren Kosten.

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Verbraucherschützer gehen aber davon aus, dass alle Gasanbieter noch in diesem Jahr die Preise erhöhen werden. Die EnBW hatte bereits im November angekündigt, ihren Grundversorgungstarif Gas zu erhöhen – bei einem Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden um 18,7 Prozent. In einem ähnlichen Umfang sollten auch die Wettbewerbstarife der EnBW steigen. Lediglich Kunden, die eine Preisgarantie vereinbart haben (das gibt es nur außerhalb der Grundversorgung), bleiben vorerst verschont – auch wenn es auch in solchen Fällen schon Kündigungen und Preishöhungen gegeben hat. Experten rechnen frühestens in einigen Monaten – also zum Ende der Heizperiode – mit einer Entspannung bei den Gaspreisen.

Die rapide Verteuerung hat mehrere Gründe. Da ist zum einen der Preisanstieg an der Energiebörse. Energieversorger, die sich nicht langfristig abgesichert haben, zahlen derzeit 560 Prozent mehr für Erdgas als vor einem Jahr. Das hat mit der weltweiten wirtschaftlichen Erholung zu tun. Auch weil die Lager weniger gut gefüllt sind als in der Vergangenheit konkurrieren viele um das beschränkte Angebot, heißt es bei Verivox. Vor allem Kunden in Asien sind demnach bereit, deutlich höhere Preise zu bezahlen. Immerhin haben zuletzt laut Check24 Flüssiggaslieferungen aus den USA nach Europa eine deutliche Entspannung am kurzfristigen Spotmarkt ausgelöst: Am Wochenende lag der Preis für eine Megawattstunde bei 84,32 Euro nach 212,95 Euro am 31. Dezember.

Hinzu kommen gedrosselte Fördermengen in Russland und Nervosität am Markt angesichts des Ukraine-Konflikts. Zum 1. Januar ist zudem die CO2-Abgabe auf Brennstoffe gestiegen. Seit 2021 gibt es diese Abgabe auch auf Erdgas. 2021 betrug sie rund 0,455 Cent pro Kilowattstunde – aktuell liegt sie bei 0,56 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2026 wird die Abgabe Jahr für Jahr erhöht.

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