Heldenmarkt in Fellbach Nachhaltig geht auch bei Sport und Mode

Daniel Knorr weiß, wie man auf dem nachhaltigen Balanceboard das Gleichgewicht halten kann. Foto: Gottfried Stoppel

Eine Kostprobe nehmen, reinschlüpfen, ausprobieren: Beim Heldenmarkt in der Alten Kelter konnten die Besucher am Wochenende mit allen Sinnen erfahren, wie sich Genuss, Spaß und Umweltschutz kombinieren lassen können. Doch nicht alle sind zufrieden.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Als sie es laut ausspricht, kann sie es selbst kaum glauben, aber dann gibt Carina Breisch es unumwunden zu: „Was Mode und das Einkaufsverhalten beim Kleiderkaufen angeht, sind Männer echte Vorbilder.“ Schließlich würden die in der Regel wirklich nur dann einen neuen Pulli kaufen, wenn das alte Lieblingsstück reif zum Wegschmeißen sei, statt Unmengen an Ungetragenem im Kleiderschrank anzuhäufen.

 

Es gibt in der Kleiderei nur eine klitzekleine Ecke mit Männermode

Deshalb hat die 37-jährige Inhaberin der Kleiderei Stuttgart auch nur eine klitzekleine Ecke mit Männermode. Für Frauen dagegen bietet das Secondhandgeschäft eine große Auswahl – 20er-Jahre-Fummel mit glitzernden Pailletten, Schönes fürs Büro, Kleider in allen Formen, Farben und für so ziemlich jeden Anlass. Auch bei der Nachhaltigkeitsmesse Heldenmarkt, die am Wochenende in der Alten Kelter in Fellbach stattfand, hatte Carina Breisch auf einer Kleiderstange eine kleine Auswahl mitgebracht und erklärte auf Nachfrage gut gelaunt das Konzept. Das sieht vor, dass man die dortigen Klamotten nicht kauft, sondern einfach mietet. „Unser Umgang mit Mode ist so verschwenderisch. Wir wollen gegen die Schrankleichen angehen. Wer Mitglied wird, kann vier Klamotten mieten und diese dann beliebig oft austauschen“, erklärt die Inhaberin der Kleiderei. Es gebe auch die Möglichkeit, die Kleider – ausnahmslos gespendete Secondhandware – zu kaufen, aber die Grundidee sei das Mieten. „So kommt man weg von der Wegwerfkleidung und hat trotzdem den Spaß der wechselnden Mode. Nur wer ganz klar sagt, das Teil will ich für immer behalten, oder wer zu weit weg wohnt, um es zurückzubringen, der kauft etwas.“

Das Balanceboard hält Besucherin Brigitte Bracht davon ab weiterzugehen

Auch Brigitte Bracht will noch bei der Kleiderei vorbeischauen, schließlich möchte sich die Besucherin an allen Ständen des Heldenmarkts umschauen – wäre da nicht das Balanceboard von Ismael Silva Lobes und Daniel Knorr von Zarte Bande. Während die jungen Herren aus Tübingen keine Probleme haben, das Gleichgewicht zu halten, fällt es Besuchern, die sich auf das skateboardartige Brett trauen, deutlich schwerer, stehen zu bleiben. „Das ist eine gute Übung und wichtig für das Gleichgewicht und das Gehirntraining“, bewirbt Daniel Knorr das nachhaltige handgemachte Board, das in einer Werkstatt aus regionalem Holz, ohne Massenproduktion, hergestellt wird. „Das macht richtig Spaß, das auszuprobieren. Da bleibt man hängen“, sagt Brigitte Bracht und würde sich wünschen, es kämen mehr vorbei.

Und in der Tat schlendern am Samstagnachmittag eher weniger Gäste entlang der liebevoll dekorierten Stände, um sich bei Vorträgen oder direkt bei den Ausstellern über faire Geldanlagen, Hilfe zur Selbsthilfe, wie beispielsweise bei der „Ein Dollar Brille“, Umwelt- und Menschenrechte, nachhaltigen Schmuck und besondere Pflegeprodukte, veganes und regionales Essen und Trinken und vieles mehr zu informieren. „Wir freuen uns, nach einer längeren Pause wieder hier zu sein. Jeden Besucher interessiert etwas anderes. Aber wir haben ein breites Spektrum mit 40 Ständen und Rahmenprogramm“, sagt Miriam Rietzler vom Messe-Veranstalter Ecoventa, die betont, dass das Thema Nachhaltigkeit auch bei ihnen im Berliner Büro und im Privaten gelebt werde, weil es einfach „so wichtig und aktuell“ sei. „Und unserer stärkerer Messetag ist meistens der Sonntag, da ist bestimmt mehr Ansturm.“

Zwei Frauen sind mit ihrem Foodtruck extra aus Karlsruhe angereist

Das würden sich auch Angelique Sapnara und Julia Merkhoffer wünschen, schließlich sind sie mit ihrem Foodtruck extra aus Karlsruhe angereist. „Bisher ist wirklich sehr wenig los, was schade und ärgerlich ist, weil wir für den Stand Geld zahlen und unsere Sachen präsentieren wollen.“ Was die beiden Frauen zeigen wollen, befindet sich aber eigentlich gar nicht im Foodtruck, sondern auf ihrem Smartphone. Denn während sie mit dem veganen Truck erfolgreich für Feiern jeder Art gebucht werden und auch schon in der Region Stuttgart ihre Bowls, Wraps oder Pitas kredenzt haben, geht es ihnen in erster Linie um ihre App, die genau wie ihr Catering „Leftovercooking“ heißt. „Die App organisiert den Vorrat, sagt, was man kochen kann, und sorgt dafür, dass nur das eingekauft wird, was wirklich benötigt wird“, erklärt Julia Merkhoffer. So würden dank eines Ampelsystems weniger Lebensmittel verschwendet und Zeit und Geld gespart. „Wir schmeißen seitdem eigentlich gar nichts mehr weg aus dem Kühlschrank und wenn doch mal, dann tut es richtig weh“, sagt Angelique Sapnara.

Nicht weit entfernt von den beiden Unternehmerinnen hat Schmuckdesignerin Ida Fischer ihren Stand, und auch bei ihr wird kaum was weggeworfen. Ihre Schmuckstücke beinhalten Spiegel, Plexiglas in Kombination mit Messing. „Ich werte alte Stücke auf und fertige so nachhaltige Unikate.“

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