Helena Zengel über Golden-Globe-Nominierung „Ich könnte schreien vor Glück“

Helena Zengel im Februar 2019 auf der Berlinale. Foto: dpa/Gregor Fischer

Die zwölfjährige Nachwuchsschauspielerin Helena Zengel aus Berlin ist in Hollywood angekommen. Im Interview verrät sie, wie es war, mit Tom Hanks zu drehen und gibt ihre Überraschung über die Nominierung für einen Golden Globe offen zu.

Berlin - Schon im Alter von fünf Jahren entdeckte Helena Zengel, geboren am 10. Juni 2008, die Schauspielerei für sich. Nach kleinen Rollen vor allem in Fernsehproduktionen wurde sie 2019 einer großen Öffentlichkeit bekannt, als auf der Berlinale der Film „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt Premiere feierte. Zengel spielt darin die verhaltensauffällige Benni und wurde für ihre beeindruckende Leistung mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet und für den Europäischen Filmpreis nominiert.

 

Vom 10. Februar an ist die Berlinerin nun an der Seite von Tom Hanks in dem Western „Neues aus der Welt“ (Netflix) zu sehen. Für ihre erste englischsprachige Rolle wurde sie gerade für den Golden Globe als beste Nebendarstellerin nominiert.

Helena, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den Golden Globe! Wie hast du davon erfahren?

Das war der schönste Tag meines Lebens! Ich war gerade beim Möhrenkaufen für mein Pferd, meine Mama hat im Auto auf mich gewartet, und als ich zurück kam, war die PR-Agentur am Telefon, und Mama meinte: „Du hast es geschafft, du bist für den Golden Globe nominiert!“ Im ersten Moment konnte ich gar nichts sagen, weil ich wirklich gar nicht damit gerechnet hatte. Das ist so unglaublich für mich, ich bin immer noch total überwältigt, irgendwie sprachlos, und gleichzeitig könnte ich schreien vor Glück!

Wonach suchst du – ich nehme an, gemeinsam mit deiner Mutter – überhaupt aus, welche Rollen für dich infrage kommen?

Meistens lesen meine Mutter und ich Drehbücher an zwei, drei Abenden und sprechen dann darüber. Die Geschichte und die Rolle müssen mir gefallen, das ist entscheidend. Aber wir achten natürlich auch drauf, dass die Sache meinem Alter angemessen und nicht zu krass oder intim ist.

Was hat dich konkret an „Neues aus der Welt“ gereizt?

Die Geschichte fand ich spannend, und ich hatte große Lust, im Wilden Westen und mit Pferden zu drehen. Das Mädchen, das ich spiele, spricht ja nicht wirklich, beziehungsweise spricht sie nur ein bisschen die Sprache der Kiowa. Das fand ich eine coole Chance, denn es gibt vor der Kamera als Schauspielerin kaum etwas Schwieriges, als sich auszudrücken, ohne zu reden. Und in Hollywood mit jemandem wie Tom Hanks zu drehen war natürlich auch einmalig.

Dabei wusstest du vorher eigentlich gar nicht, wer er ist, richtig?

Jein. Beim Namen Tom Hanks wusste ich schon, dass das ein bekannter Schauspieler ist. Aber ich wusste nicht, was für ein großer Star er wirklich ist, und kannte seine Filme nicht unbedingt. Das habe ich aber alles schnell nachgeholt.

Warst du dann nervös, als du ihn getroffen hast?

Ich hatte zum Glück gar keine Chance nervös zu sein, weil ich gar nicht wusste, dass ich ihn treffen würde. Denn eigentlich war ich nur für eine Probe mit dem Regisseur am Set, und erst als ich im Hair-and-Makeup-Trailer saß, wurde mir erzählt, dass ich Tom doch schon einen Tag früher als geplant treffe. Da hatte ich also gar keine Zeit aufgeregt zu sein. Er macht es einem aber auch sehr leicht. Tom ist wirklich ein ganz normaler, lustiger Typ und verhält sich gar nicht so, wie man das vielleicht von einem Superstar erwarten würde.

Seid ihr nach den Dreharbeiten noch in Kontakt geblieben?

Klar! Tom hat kein Whatsapp, aber wir schreiben uns Textnachrichten oder Emails und schicken uns Fotos oder Videos. Zum Start des Films jetzt gerade besonders, aber auch zu Weihnachten, Silvester oder zum Geburtstag. Es ist natürlich schade, dass die Promotion-Tour für den Film wegen Corona ausgefallen ist und wir uns nicht persönlich sehen konnten. Darauf hatte ich mich nämlich sehr gefreut. Aber das kann man nun einmal nicht ändern.

In Deutschland hast du ja schon einige Drehs erlebt. War es eine andere Erfahrung, in Amerika zu arbeiten?

Eine Sprache zu sprechen und mit einem Superstar in einem Land zu drehen, in dem ich noch nie vorher war, das war schon ein anderes Gefühl als hier zu Hause einen Film zu machen. Und dann gibt es in New Mexico, wo wir gedreht haben, auch ganz schön viele Tiere. Schlangen und Spinnen sind uns da jedenfalls einige über den Weg gelaufen. Deswegen war ich schon auf dem Flug dorthin ziemlich aufgeregt. Außerdem bin ich vorher noch nie so lange geflogen.

Hat sich dein Englisch durch den Dreh deutlich verbessert ?

Es gibt schon immer Wörter oder auch mal ganze Sätze, die ich nicht verstehe. Aber das, was ich für den täglichen Gebrauch können muss, um mich mit Leuten auseinanderzusetzen, spreche ich inzwischen schon ziemlich flüssig. Wir schauen auch viele Filme in der englischen Originalfassung, das hilft auch.

Dazu kam ja aber auch noch die schon erwähnte Sprache der Kiowa. Wie schwierig war es, das zu lernen?

Das fand ich am Anfang schon ziemlich schwierig. Die Aussprache und die Laute sind in vielen Fällen ganz anders als das, was wir in unserer Sprache kennen. Da musste ich mich ganz schön anstrengen, das alles zu lernen. Aber als ich das einmal konnte, habe ich mir die Sprache mit meiner tollen Trainerin eigentlich ganz gut erarbeitet. Drei Wochen, anderthalb Stunden am Tag.

Das Reiten musstest du wahrscheinlich nicht so ausgiebig trainieren, schließlich hast du selbst ein Pferd. Wusste der Regisseur Paul Greengrass das?

Ich habe es ihm erzählt, als er mir bei unserem ersten Treffen in London berichtet hat, dass ich im Film viel mit Pferden zu tun haben werde und keine Angst vor denen haben müsse. Da konnte ich ihn gleich beruhigen, dass er sich darum bei mir keine Sorgen machen muss.

Nach „Systemsprenger“ hat auch deine Figur in „Neues aus der Welt“ wieder ein ziemlich heftiges Schicksal. Passiert es dir manchmal, dass du die Emotionen der Rolle mit nach Hause nimmst?

Nö, das hatte ich noch nie. Egal ob am Set oder wenn der Film fertig ist, hatte ich noch nie ein Problem damit, meine Rolle abzulegen. Dadurch, dass wir die Rollen vorher und nachher gründlich durchsprechen und bearbeiten und ich immer weiß, worum es geht, finde ich das nicht schwierig. Bei Benni in „Systemsprenger“ haben mich viele gefragt, ob ich da nicht manchmal die Rolle und die Realität vermischt habe. Aber solange mir selbst klar ist, wer ich bin und wer die andere Person ist, nehme ich da nichts mit nach Hause.

Apropos „Systemsprenger“: der Film war ja ein riesiger Erfolg und hat sicherlich in deinem Leben vieles verändert. Was war der aufregendste Moment der letzten Jahre?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut, den Deutschen Filmpreis zu gewinnen. Das war eine große Ehre. Aber der glücklichste und tollste Moment in meiner Karriere war bislang wirklich der, als Paul Greengrass gesagt hat, dass ich die Rolle in „Neues aus der Welt“ habe. Da war ich wirklich total aufgelöst und bin nur wild herumgesprungen vor Freude.

Wirst du bei der Schauspielerei bleiben? Oder hast du andere Berufswünsche?

Eigentlich möchte ich bei der Schauspielerei bleiben, weil sie mir wirklich viel Spaß macht. Das ist wirklich meine Leidenschaft. Aber ich könnte mir zum Beispiel auch vorstellen, irgendwann mal nebenbei Drehbücher oder auch Romane zu schreiben. Oder sogar Regisseurin zu sein.

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