Helene Fischer im Interview „Frauen müssen häufig zusätzliche Erwartungen erfüllen“

, aktualisiert am 03.01.2026 - 11:58 Uhr
„Ich liebe musikalische Vielfalt – sie ist ein Teil meiner Identität“, sagt Helene Fischer im Interview. Foto: Live Nation

Helene Fischer spricht über die Lehren aus ihrer Babypause, Hoffnungen und Sorgen – und verrät Details ihrer neuen Liveshow, bei der sie auch den Fans in Stuttgart ganz nahe kommt.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Helene Fischer plant für 2026 eine Tour, die vieles anders macht: eine 360°-Bühne, die das Publikum mitten ins Geschehen holt, eine Setlist aus zwei Jahrzehnten und eine Show, die weniger überwältigen als berühren will. Während die intensiven Proben erst im kommenden Jahr starten, steckt die Künstlerin aktuell tief in einer Phase kreativer Verdichtung. Im Gespräch spricht sie über die Babypause, neue Energien, alte Hits, gesellschaftliche Erwartungen – und warum Nähe für sie der stärkste Effekt überhaupt ist.

 

Frau Fischer, wie laufen die Vorbereitungen für die neue Show? Sind Sie schon im Stress, müssen täglich trainieren und proben – oder können Sie sich in Ruhe auf Weihnachten mit Ihrer Familie freuen?

Es ist gerade eine unglaublich kreative Zeit. Wir entwickeln Bilder, Atmosphären, Abläufe – und vieles entsteht tatsächlich zunächst im Kopf, bevor es auf der Bühne Realität wird. Die 360°-Bühne fordert uns, weil sie alles Gewohnte auflöst. Es gibt keinen „Hauptblick“, keine Vorderseite, keinen Schutzraum. Es ist ein Kreis und das verändert alles. Die intensiven körperlichen Proben beginnen im nächsten Jahr. Jetzt ist die Phase, in der Visionen wachsen und Form annehmen, und diese Phase genieße ich sehr.

Auf Ihrer letzten Tournee haben Sie mit dem Cirque du Soleil zusammengearbeitet und in Sachen Choreografie und Akrobatik neue Show-Maßstäbe gesetzt. Haben Sie vor, das mit der neuen Show noch zu toppen?

Ich empfinde die neue Show nicht als Wettlauf mit mir selbst. Es geht nicht darum, höher zu fliegen oder spektakulärer zu wirken. Es geht darum, wahr zu bleiben und die passende Form für die jeweilige Geschichte zu finden. Die neue Tour verfolgt ein anderes Ziel: Sie will das Publikum hineinziehen, nicht überwältigen. Die 360°-Bühne ist ein Erlebnis, das Nähe erzeugt, selbst im größten Stadion. Das ist auf eine ganz andere Weise intensiv.

Auch Ihre Band war sensationell. Mit der Ulmer Gitarristin Yasi Hofer haben Sie Ihrer Show einige großartige Rock’n’Roll-Momente geschenkt. Werden Sie erneut versuchen, von Schlager bis Rock das gesamte Musikspektrum abzudecken?

Absolut. Ich liebe musikalische Vielfalt – sie ist ein Teil meiner Identität. Jede Klangfarbe bringt eine eigene Emotion hervor. Mal ist es die Kraft eines Rocksongs, mal die Zärtlichkeit einer Ballade, mal die Euphorie eines Dance-Moments. Die 360°-Bühne ermöglicht uns, diese Kontraste räumlich zu inszenieren – das Publikum steht nicht nur davor, sondern in der Musik. Das macht große Freude.

Was haben Sie aus der Babypause mitgenommen, das nun in die neue Show einfließt – emotional oder kreativ?

Die Pause hat mir Klarheit geschenkt. Wenn man einen Schritt zurücktritt, sieht man Dinge schärfer. Ich habe viel nachgedacht über die Essenz von Live-Momenten: Was bleibt? Was berührt? Was überdauert den Applaus? Diese Show wird – ohne große Worte – sehr persönlich. Nicht privat, aber innerlich. Es geht viel um Verbindung, um Raum, um Energie, um die Kraft eines gemeinsamen Abends.

Weil Sie ein Superstar, aber auch zweifache Mutter sind, geraten Sie automatisch in gesellschaftliche Debatten über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Glauben Sie, dass Frauen, die in ihrem Beruf erfolgreich sein wollen, es schwerer haben als Männer, wenn sie gleichzeitig eine Familie haben möchten?

Ich glaube, dass Frauen häufig zusätzliche Erwartungen erfüllen müssen – unausgesprochene wie ausgesprochene. Aber am Ende braucht es vor allem Strukturen, die Vielfalt zulassen: verschiedene Lebensmodelle, verschiedene Arbeitsmodelle. Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht, dass alle dasselbe tun, sondern dass alle die Freiheit haben, ihr Leben zu gestalten – ohne Rechtfertigung.

Helene Fischer geht 2026 auf Stadiontournee Foto: Live Nation

Sie erfüllen sich mit der 360°-Bühne inmitten der Fans einen lang gehegten Wunsch. Was wird für das Publikum dadurch möglich, was in den Shows vorher nicht ging?

Die 360°-Bühne ist wie ein lebendiger Herzschlag. Sie macht etwas möglich, das auf klassischen Bühnen kaum entsteht: echte Nähe in einem riesigen Raum. Man steht nicht vor den Menschen, sondern mitten unter ihnen. Die Energie kommt von allen Seiten – sie trifft einen, man gibt sie zurück, und sie vervielfacht sich. Es ist eine Art musikalischer Wirbel, der einen mitzieht. Das habe ich mir immer gewünscht.

Sie führen die Fans durch zwei Jahrzehnte Musikgeschichte. Wie schwer war es, aus 20 Jahren Hits eine Setlist zu erstellen?

Es ist ein emotionaler Prozess. Man schaut auf 20 Jahre zurück, auf Songs, die einen geprägt haben, auf Lieder, die Menschen begleitet haben. Und gleichzeitig möchte man die Vergangenheit nicht nur feiern, sondern frisch erzählen. Die 360°-Bühne hat uns geholfen, Entscheidungen zu treffen. Manche Songs wirken im Kreis enorm stark – andere brauchen eine „Front“. So hat sich die Setlist fast wie von selbst geformt, aber eines kann ich jetzt schon sagen: sie wird sich bis zur Premiere noch oft ändern.

Gibt es Songs, die Sie lange nicht mehr gesungen haben und 2026 bewusst zurückholen? Wird es vielleicht auch überraschende Neuinterpretationen einiger Hits geben?

Ja – und ja. Einige Lieder bekommen ein völlig neues Arrangement. Andere kehren zurück, weil sie sich im 360°-Setup neu anfühlen. Ich liebe es, meine eigenen Songs zu überraschen – und damit auch das Publikum.

Sie planen zwar keine Stargäste für Duette auf die Bühne zu holen. Gibt es trotzdem derzeit eine Musikerin oder einen Musiker, mit der oder dem Sie gerne einmal zusammenarbeiten würden?

Ich bin offen für Begegnungen, lasse mich gern inspirieren – aber ich mag es nicht, Kooperationen zu erzwingen. Die schönsten musikalischen Momente entstehen oft aus Zufällen, aus Augenblicken, aus spontanen Impulsen.

Mehr als 750.000 Fans werden die Tour sehen. Spüren Sie die Erwartungshaltung – oder eher die Vorfreude?

Beides – aber die Vorfreude überwiegt bei weitem. Ich empfinde es als großes Geschenk, vor so vielen Menschen stehen zu dürfen. Dieser Gedanke motiviert mich, erdrückt mich nicht. Er erfüllt mich mit Dankbarkeit und einer tiefen Verantwortung, diesen Abenden gerecht zu werden.

Wenn Sie der Helene Fischer des Jahres 2006 einen Tipp geben könnten: Was würden Sie ihr sagen?

Ich würde ihr sagen: Hab Vertrauen. Druck ist nicht dein Freund. Freude ist dein Motor. Und du darfst Pausen machen, ohne Angst zu haben, etwas zu verlieren.

Viele Menschen erleben unsere Zeit als unruhig und polarisiert. Was glauben Sie: Welche Rolle kann Musik heute für gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen?

Ein Konzert ist einer der wenigen Orte, an denen Menschen aus sehr unterschiedlichen Welten zusammenkommen können – ohne Diskussion, ohne Bewertung. In einem Stadion stehen Menschen nebeneinander, die sonst vielleicht nie miteinander sprechen würden. Und für zwei Stunden teilen sie dieselbe Freude, denselben Moment. Das schafft Verbindung – und manchmal auch Hoffnung.

Ihre Fanbasis ist extrem divers – jung, alt, konservativ, progressiv. Was bedeutet es Ihnen, Menschen aus so unterschiedlichen Lebenswelten für ein paar Stunden zusammenzubringen?

Es ist eines der größten Geschenke meiner Karriere. Ich liebe diese Vielfalt. Sie zeigt mir, dass Musik Grenzen überwindet – Altersgrenzen, soziale Grenzen, politische Grenzen. Wenn ich auf der Bühne stehe und sehe, wie verschieden die Menschen sind und wie sie trotzdem gemeinsam feiern, dann fühle ich mich unglaublich privilegiert.

Wenn Sie heute auf Deutschland schauen – was macht Ihnen Hoffnung, was bereitet Ihnen Sorge?

Hoffnung machen mir Menschen, die füreinander einstehen – im Kleinen wie im Großen. Sorge bereitet mir der Ton, der manchmal zu laut, zu hart, zu schnell urteilt. Ich glaube fest daran, dass wir Wege finden müssen, wieder mehr zuzuhören.

Sie positionieren sich nicht parteipolitisch. Wann ist für Sie der Punkt erreicht, an dem man öffentlich Haltung beziehen muss? Gibt es Themen, bei denen Sie sagen: Hier würde ich niemals schweigen?

Es gibt grundlegende Werte, die mir sehr wichtig sind. Respekt, Freiheit, Würde, Gleichberechtigung und ein fairer Umgang miteinander. Dafür einzustehen ist für mich selbstverständlich – ganz unabhängig von politischen Debatten.

Helene Fischer: 360° Stadion Tour 2026

  • Mi. 10.06.2026 Dresden Rudolf-Harbig-Stadion
  • Sa. 13.06.2026 Berlin Olympiastadion
  •  Di. 16.06.2026 Stuttgart MHPArena
  • Fr. 19.06.2026 Frankfurt Deutsche Bank Park
  • Sa. 20.06.2026 Frankfurt Deutsche Bank Park
  • Di. 23.06.2026 Gelsenkirchen VELTINS-Arena
  • Fr. 26.06.2026 Köln RheinEnergieSTADION
  • Sa. 27.06.2026 Köln RheinEnergieSTADION
  • Fr. 03.07.2026 Hamburg Volksparkstadion
  • Sa. 04.07.2026 Hamburg Volksparkstadion
  • Di. 07.07.2026 Hannover Heinz von Heiden Arena
  • Sa. 11.07.2026 Wien Ernst-Happel-Stadion
  • Di. 14.07.2026 Zürich Stadion Letzigrund
  • Fr. 17.07.2026 München Allianz Arena

Tickets für die Stadion-Tournee von Helene Fischer sind hier verfügbar.  

Helene Fischer gehört mit nahezu 18 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Popstars Europas. Mehr als sieben Millionen Fans haben sie im Verlauf ihrer Tourneen erlebt. Die Helene Fischer 360° Stadion Tour wird von Live Nation veranstaltet.

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