Helene Fischer in Stuttgart Der Orkan Fischer fegt durch die Arena

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Helene Fischer ist bei ihrem Stuttgart-Konzert am Donnerstag in die Erste Liga der Entertainer aufgestiegen. Unser Autor war ebenso begeistert wie die 40 000 Fans in der Mercedes-Benz Arena.

Helene Fischer hat in Stuttgart 40 000 Fans begeistert. Weitere Bilder von ihrem Auftritt in der Mercedes-Benz-Arena zeigt die folgende Fotostrecke. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 15 Bilder
Helene Fischer hat in Stuttgart 40 000 Fans begeistert. Weitere Bilder von ihrem Auftritt in der Mercedes-Benz-Arena zeigt die folgende Fotostrecke. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Das war perfekte Unterhaltung: als Kritiker schreibt man gern mal eine solche Formulierung, wenn man zufrieden und mit sich und dem Abend im Reinen aus einer Premiere oder einem Konzert nach Hause geht. In Zukunft wollen wir etwas sparsamer mit diesem Urteil umgehen – jetzt, da wir erlebt haben, was „perfekte Unterhaltung“ wirklich ist.

Helene Fischer hat am Donnerstagabend satte zweieinhalb Stunden in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena nun wirklich eine perfekte Performance abgeliefert, hat Unterhaltung auf allerbestem Niveau geboten, hat in der ausverkauften Arena 40 000 Fans größtmögliches Zuschauerglück beschert. Sie hätte es sich summa summarum vermutlich nur halb so schwer machen müssen, um im ohnehin Fischer-begeisterten Publikum den beinahe gleichen Effekt zu erzielen. Aber das muss man bei dieser Künstlerin respektvoll feststellen: für halbe oder leichte Sachen ist sich Helene Fischer offensichtlich zu schade. Sie will nach einer Show mit sich und ihrem Auftritt ganz im Reinen sein. Mit Verlaub: diesbezüglich haben wir schon ganz andere Künstler erlebt.

Und dabei wäre beinahe die ganze Chose ins Wasser gefallen: noch eine halbe Stunde vor Fischers Auftritt goss es in Stuttgart in Strömen. Die Vorgruppe Glasperlenspiel versuchte vergeblich, den unter Schirmen und Plastikplanen versunkenen Zuschauern auf dem unbedachten Platz irgendwie Mut auf einen schönen Abend zu machen. Doch pünktlich um halb neun kam ein wenig Abendsonne durch – und die Popschlagerkönigin Helene Fischer konnte sich golden gewandet ein erstes Mal ihren von Anfang an jubelnden Fans zeigen.

Schlager auf hohem Popniveau

Eigentlich singt Helene Fischer immer noch das, was sie schon immer gesungen hat: Schlager. „Das ist unser Tag“, „Und morgen früh küss ich dich wach“, „Wunder dich nicht, dass ich dich liebe“, „Mein Herz läuft Marathon“ – das sind eigentlich genau die Textzeilen und Weltsichten, das ist genau jener stampfende Grundrhythmus, derentwegen man einen Radiosender wie SWR 4 lieber schnell überdreht.

Aber die Fischer macht aus diesen Titeln inzwischen viel mehr als Pitsch-Patsch-Schlagerkost. Ein mittelgroßes Orchester mit ordentlich Bläsern und Streichern, vor allem mit einem sehr ordentlichen E-Gitarristen katapultiert beinahe jede Nummer schnurstracks auf Popniveau, lässt die Leute längst nicht mehr dumpf im Takt mitklatschen, sondern mitswingen, mitgrooven, mitfetzen. So wird aus einem Herz-Schmerz-Reigen ein veritables Popkonzert in deutscher Sprache. Nie fühlt man sich irgendwie unter Niveau zugespaßt. In dieser musikalischen und stimmlichen Qualität bietet das außer der Fischer gerade weit und breit niemand.