Helge Bathelts literarischer Nachlass Literarische Freundschaft, über den Tod hinaus
Der Autor Hans-Peter Dolecki hat den literarischen Nachlass des ehemaligen Vhs-Chefs Helge Bathelts herausgegeben.
Der Autor Hans-Peter Dolecki hat den literarischen Nachlass des ehemaligen Vhs-Chefs Helge Bathelts herausgegeben.
Ein Buch als Trauerbewältigung? Warum nicht. Im Tod vereinigen sich Trauer und Liebe, mithin die stärksten Gefühle, die ein Menschen haben kann. Vorigen Sommer war Helge Bathelt gestorben, der ehemalige Chef der Volkshochschule Herrenberg. Sein guter Freund, der Autor Hans-Peter Dolecki, hat jetzt im Selbstverlag die hinterlassenen Gedichte, Essays und Geschichten Bathelts herausgegeben. Also war der Saal der Herrenberger Volkshochschule am Donnerstag der bestmögliche Ort, um das in diesem Jahr erschienene Buch „Kopfgeburten“ mit einer Lesung vorzustellen.
Bathelts Gedichte sind gereimte Aperçus, seine Geschichten sind alltagstauglich, darunter manch seltenes Stück: Etwa ein durchweg erfundener Dialog über das Glück in der Liebe eines ebenso durchweg erfundenen islamischen Philosophen. Oder ein Räsonnieren über den Typ des Schwadroneurs, dem man in einem Flugzeug hilflos ausgeliefert ist, und schließlich eine schwäbische Version der Geschichte, in der drei zusammenhängende Worte schon als unanständiger Redeschwall gelten.
Lesenswert sind auch die Essays von Helge Bathelt über die Kunst, die kluge Gedanken wiedergeben und ebenso kluge Gedanken entwickeln, weil er hier Fachmann ist. Heiter beschreibt er Moden und Mechanismen der Kunstmarktes, von denen man bislang einfach nicht glauben wollte, dass sie tatsächlich so existieren.
Diese Texte las Hans-Peter Dolecki am Donnerstagabend mit Verve und Temperament vor. Es war mehr ein Deklamieren als ein Lesen, mehr gefühlvolles Schauspiel als die Wiedergabe von Wörtern. Das Publikum applaudierte und hörte ihm gespannt zu. Hans-Peter Dolecki verstand es, die Texte in eine wohlabgewogene Reihenfolge zu bringen, die von Anfang bis Ende der Lesung einen Spannungsbogen bildete und auch die Zäsuren, wie die Texte über den Tod von Bathelts Frau Monika, kunstvoll mit einschloss. Die Lesung begleitete der Gitarrist Thomas Brenner mit virtuoser Jazz- und Blues-Gitarre, ebenso ein Freund und Bekannter des Verstorbenen, wie viele, die zu diesem Leseabend gekommen waren.
Elena Hocke, die stellvertretende Chefin der Volkshochschule, hatte es übernommen, ihren großen Vorgänger zur würdigen. Helge Bathelt, 1948 in Sindelfingen geboren, studierte bis 1975 in Tübingen Geschichte, Germanistik und Politik, anschließend Kunstgeschichte in Wien. Seine Magisterarbeit schrieb er über den Vormärz, seine Promotion beschäftigte sich mit der Anwendung von sozialwissenschaftlichen Methoden auf historische Forschungen. 1975 wurde er Chef der Volkshochschule Herrenberg, die er über 30 Jahrzehnte, bis zu seinem Ruhestand, erfolgreich leitete. Eine Tätigkeit, die ein Berufsleben eigentlich ausgefüllt hätte, doch hatte sich Bathelt eben nicht damit zufrieden gegeben, sondern gleichzeitig eine geradezu rastlose Tätigkeit entfaltet, zumeist als Kurator von Ausstellungen und als Dozent in Esslingen und Tübingen.
Sein Tod hinterlässt im kulturellen Leben Herrenbergs eine klaffende Lücke, die nur gefüllt wird durch die zahlreichen Initiativen, die er angestoßen hat. Darunter ist etwa die Europäische Kulturgemeinschaft, die Bathelt 2007 gründete, das Institut für Kommunales Kulturmanagement, das es seit 2014 gibt, und in dem im Jahr 2015 ins Leben gerufenen Jerg-Ratgeb-Skulpturenpfad in Herrenberg.
Zu den Herrenberger Institutionen kann man auch seine VHS-Bildungsreisen zählen, für die er den Reiseleiter spielte, was ihm großen Spaß gemacht hatte. Auch weil er dort sein umfangreiches Wissen habe präsentieren können, wie Elena Hocke in ihrer Laudatio betonte. Sein bevorzugtes Ziel war Italien, das bevorzugte Wissensgebiet die Kultur der Renaissance.
Helge Bathelt: Kopfgeburten. Seltsame, überflüssige und grenzwertige Gedichte & Texte. Herausgegeben von Hans-Peter Dolecki. Textdesign editions. Herrenberg 2024. 260 Seiten. Das Buch ist im Herrenberger Buchhandel oder direkt beim Herausgeber unter mail@dolecki.de zu haben.