Hellmut Hattler in Esslingen Bass und Stimme funkeln

Von Bernd Haasis 

Spielfreude ohne Ende: Der E-Bassist Hellmut Hattler hat mit seiner Band in der Esslinger Dieselstraße seine Wiedergenesung gefeiert.

Aus seinen Songs scheint die Sonne: Hellmut Hattler Foto: Hattler
Aus seinen Songs scheint die Sonne: Hellmut Hattler Foto: Hattler

Esslingen - Die Bassnoten fließen, knacken, rütteln auf, so wie man das kennt vom großen deutschen E-Bassisten Hellmut Hattler (66). Und bald wirkt der Krautrock-Veteran von Kraan am Freitag in der Esslinger Dieselstraße wieder, als wäre die Bühne sein Zuhause. „Es war nicht klar, ob der Hattler wieder aus den Schläuchen entlassen wird“, sagt er mit Blick auf eine schwere Erkrankung 2018 und verteilt Komplimente an „gute Läden“ wie die Dieselstraße und sein „überqualifiziertes Musikpersonal, das mir die Treue hält“.

Die Freude der Musiker ist mit Händen zu greifen, sie feiern eine Wiedergeburt. Und eigentlich sind es zwei Bands, die in der Dieselstraße Stücke vom Album „Live Cuts II“ darbieten: Die eine spielt geschmeidigen funky Pop-Jazz als Grundierung für die Soulstimme der Stuttgarter Sängerin Fola Dada, die andere, nicht minder faszinierend, ist ein vor Energie strotzendes Fusion-Instrumentaltrio.

Hattler macht Faxen

Fola Dada Stimme funkelt, wenn sie die Hymne „Waiting“ intoniert oder das schwebende „Mirrorman“. Beim Duett „Fine Days“ umschmeicheln Gesang und Bass einander, doch ­etwas ist anders: Hattler macht Faxen und gestikuliert – bis Fola Dada einen kleinen Lachanfall bekommt und kurz pausieren muss, ehe beide das Stück feierlich zu Ende bringen.

Wie gewohnt betätigt sich Torsten de Winkel als Klang-Chamäleon und malt die Kulisse in geschmackvollen Farben aus; an E-Gitarre, E-Sitar und Gitarrensynthesizer findet er immer den richtigen Sound und Anschlag. Der Stuttgarter Oli Rubow schlägt an einem minimalistischen Drumkit nicht nur die schärfsten Beats, sondern umspielt diese auch nach Belieben. Er zeigt, wie viel sich mit wenig machen lässt, wenn man Ideen hat. Hattler, der auf den vier Saiten seines Basses facettenreicher spielt als andere auf den sechs ihrer Gitarre, bildet das Kraftzentrum.

„Love & Freedom“ prangt zwischendurch im Bühnenhintergrund, und durch Hattlers Musik scheint die Sonne. Für einen Abend war der Frühling schon da.