Hemdenhersteller aus Bietigheim Die Krise im Modehandel lässt Olymp kalt

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Der Hemdenhersteller aus Bietigheim wächst gegen den Trend. Olymp hat seinen Umsatz in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Der Familienunternehmer Mark Bezner hat eine einfache Erklärung für seinen Erfolg.

Fliege, Krawatte oder nichts: Olymp-Chef  Bezner hat für sich die Frage beantwortet. Foto: dpa
Fliege, Krawatte oder nichts: Olymp-Chef Bezner hat für sich die Frage beantwortet. Foto: dpa

Stuttgart - In Bietigheim passt das ansonsten eher überstrapazierte Bild vom „gegen den Strom schwimmen“ noch ganz gut. Schließlich ist Mark Bezner, der Chef des Hemdenherstellers Olymp, selbst ehemaliger Leistungsschwimmer. Angepasstheit gehört nicht zu den besonderen Eigenschaften des 55-Jährigen, unter dessen Führung sich der Umsatz des Familienunternehmens von rund 22 Millionen Euro im Jahr 1995 auf zuletzt 266 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018 mehr als verzwölffacht hat. So erscheint Bezner auch als einziger mit Krawatte zur Vorlage der Jahresberichts, akkurat gebunden und farblich auf den blauen Anzug abgestimmt.

Das einstige Muss in den Chefetagen und Managerkreisen ist mittlerweile zum Sorgenkind und Ladenhüter mutiert: „Wir verzeichnen in jedem Jahr Rückgänge von 15 bis 20 Prozent“, sagt Bezner und scherzt doch, dass diese nicht einmal durch den aktuellen Trend zum Hosenträger aufgefangen würden. Der geschäftsführende Gesellschafter hat trotz der Krawattenmuffeligkeit seiner Kunden und dem schwierigen Marktumfeld noch Grund zur Zuversicht. Immerhin verkündet er ein Umsatzwachstum von 3,1 Prozent im Vergleich zu 2017.

Viele Modehändler kennen den Begriff „Wachstum“ nicht

Wachstum – diesen Begriff kennt ein beträchtlicher Teil des stationären Modehandels in Deutschland praktisch gar nicht mehr. Der Gesamtumsatz der Branche hat zuletzt 2010 zugelegt. Danach gab es mehrere Jahre der Stagnation, seit 2016 schrumpfen die Erlöse der Textilhändler in den Fußgängerzonen und Einkaufszentren jährlich um zwei Prozent; so auch 2018, wie das Fachblatt „Textilwirtschaft“ am Dienstag mitgeteilt hat.

Olymp erwirtschaftet knapp zwei Drittel seines Jahresumsatzes im Heimatmarkt, „der im vergangenen Jahr für uns stabil gewesen ist“, erklärt Bezner. Das Plus resultiere aus Zuwächsen in wichtigen europäischen Märkten wie den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Diese hätten Einbußen im Russlandgeschäft sowie in den russischen Nachbarstaaten, aber auch in Belgien und Großbritannien mehr als ausgeglichen. Auch der Münchener Strickwarenhersteller Maerz, der zur Firmengruppe gehört, hat seinen Umsatz erneut kräftig gesteigert. Er legte im Geschäftsjahr 2018 um 5,7 Prozent auf knapp 30 Millionen Euro zu – das sind bereits acht Millionen Euro mehr als bei der Maerz-Übernahme im Jahr 2010.

Der größte Wachstumstreiber im Markt ist der Onlinevertrieb. Hier hat Olymp mit einem Anteil von rund zehn Prozent am Gesamtumsatz des Unternehmens noch Luft nach oben. Der Mittelständler stellt sich auch gegen den allgemeinen Trend zu einer rabattgetriebenen Preispolitik vieler Konkurrenten; immerhin kostet jedes zweite in Deutschland verkaufte Hemd weniger als 20 Euro – nicht so bei Olymp. Die neue Premium-Linie Signature, in der ein Hemd zwischen 99 und 119 Euro statt 49 bis 59 Euro wie die klassischen Olymp-Hemden kostet, habe die Erwartungen übertroffen. Bezner spricht von einer sechsstelligen Anzahl verkaufter Hemden und ist optimistisch, mit dieser Luxus-Kollektion, die nur bei zehn Prozent der weltweit etwa 3800 Shops angeboten wird, einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich zu erreichen. Auch eine weitere neu eingeführte Produktlinie – eine Mischung aus Freizeit- und Business-Hemd – treffe den Nerv der Zeit, in dem ein lässigerer Kleidungsstil in der Geschäftswelt Einzug halte.

Hosen und Damenmode kommen nicht ins Sortiment

Doch was ist es, das den Hemdenschneider auch „in rauer See“ (Bezner) Kurs halten lässt? Der Firmenchef hat einen typisch schwäbischen Erklärungsansatz: „Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können, und verzetteln uns nicht.“ Zum Beispiel schließt er eine Sortimentsaus­weitung auf Hosen oder auf Damenbekleidung für die nächsten Jahre aus. Auch Übernahmen von Konkurrenten, die sich in heraufziehenden Krisenzeiten anböten, hat Bezner nicht im Sinn. Stattdessen setzt er auf organisches Wachstum, etwa durch die ­Expansion nach Südostasien oder in die USA.

Hier hat Olymp einen wichtigen Erfolg im Namensstreit mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) der Vereinigten Staaten errungen. Die Blockade des NOK stand einem Markteinstieg des deutschen Hemdenherstellers jahrelang im Weg: Seit Mitte 2018 sind die Markenrechte nun zwar eingetragen, die finale Entscheidung für den Schritt über den Atlantik sei allerdings noch nicht gefallen, sagt Bezner: „Wir testen derzeit die Akzeptanz unserer Produkte und haben Kontakt zu einigen Wunschpartnern aufgenommen.“

Während die Belieferung von US-Kunden noch in der Ferne liegt, macht ihm die Zufriedenheit der Kunden in Großbritannien wegen des bevorstehenden Brexit bereits akut Sorgen: „Keiner in der Branche weiß, zu welchen Bedingungen wir ab April die Ware auf die Insel schicken werden“, sagt er. Das Marktumfeld für den Modemacher aus Bietigheim bleibt unruhig.