Hemmingen verliert Porsche als Gewerbesteuerzahler Der Kämmerer hofft auf das, was noch aussteht

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Rückwirkend zum 1. 1. 2013 zahlt Porsche seine Gewerbesteuern nun über den Mutterkonzern VW in Wolfsburg. Stark betroffen von diesem Wechsel ist auch die Gemeinde Hemmingen, wo der Sportwagenbauer ein Entwicklungszentrum unterhält.

Porsche entwickelt weiter in Hemmingen, zahlt aber künftig vor allem an VW. Foto: dpa
Porsche entwickelt weiter in Hemmingen, zahlt aber künftig vor allem an VW. Foto: dpa

Hemmingen - Die Quelle Porsche ist für die Gemeinde Hemmingen fast ausgetrocknet. Nur noch 20 Prozent dessen, was der Stuttgarter Sportwagenbauer in Hemmingen bislang an Gewerbesteuer abführt, landet von diesem Jahr an in der Gemeindekasse der Strohgäu-Kommune. Stattdessen muss das Unternehmen, das in Hemmingen ein Entwicklungszentrum hat und bislang der größte Gewerbesteuerzahler am Ort war, seine Gewinne komplett an den Mutterkonzern Volkswagen in Wolfsburg überweisen. Dies haben die Aktionäre Ende April entschieden.

Rückwirkend zum 1. Januar 2013 muss Porsche seine Gewinne in die Zentrale nach Wolfsburg abführen. Hemmingens Kämmerer Horst Etzel trifft die Entscheidung nicht aus heiterem Himmel. „Wir hatten mit einem Minus von 75 Prozent gerechnet“, sagt er. Dass es nun 80 Prozent weniger sein werden, ändere wenig, so Etzel. Im nächsten Verwaltungsausschuss will er den Gemeinderat informieren.

„Porsche ist nicht das einzige Unternehmen am Ort“

Etzel hofft dennoch, das Gewerbesteuerziel von sieben Millionen Euro zu erreichen. „Porsche ist hier nicht das einzige Unternehmen.“ Zudem stehen die Steuererklärungen Porsches für die zurückliegenden vier Jahre noch aus. „Bislang haben wir nur die Steuervorauszahlungen des Unternehmens erhalten“, so Etzel. Die abschließenden Steuererklärungen des Autobauers für die Jahre 2009 bis 2012 stehe noch aus – und diese werden nach den alten Bedingungen errechnet. „In den zurückliegenden Jahren ging es Porsche nach eigenen Angaben ja ausgezeichnet“, so Etzel, „deswegen hoffe ich, dass noch etwas nachkommt.“ Wegen des Steuergeheimnisses nennt Etzel keine konkreten Zahlen. Allerdings gibt sein Gewerbesteueransatz für die kommenden Jahre Aufschluss über die Summe, die Porsche bislang bezahlt hat: Für 2016 setzt der Kämmerer fünf Millionen Euro an, zwei weniger als dieses Jahr.

Auch andere Kommunen im Kreis Ludwigsburg trifft es hart, etwa Tamm. Dort machten die Abgaben von Porsche bislang 55 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen aus. Zehn Millionen Euro stehen bislang im Haushaltsplan, sagt der Bürgermeister Roland Zeller. Im Nachtragshaushalt, der nun aufgelegt werden muss, plant die Kommune unterhalb des Hohenaspergs nur noch mit Einnahmen von 4,5 Millionen Euro. „Das einzige Gute ist, dass uns die rund 400 Arbeitsplätze erhalten bleiben“, so Zeller.