Henker der IS-Geiseln „Jihadi John“ heißt Mohammed Emwazi

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Der Schlächter des IS ist identifiziert: „Jihadi John“ heißt in Wahrheit Mohammed Emwazi. Er ist gebürtiger Kuwaiter und wuchs in Großbritannien auf.

London - Schock, Empörung und anhaltende Bestürzung hat die Demaskierung „Jihadi Johns“ in London ausgelöst. Dass Mohammed Emwazi, der am Donnerstag als der IS-Geisel-Schlächter in Syrien entlarvt wurde, in der Themsestadt aufwuchs und vor wenigen Jahren offenbar noch ein relativ stiller Schüler und höflicher Informatik-Student war, hat erhebliche Unruhe in der alten Heimat des 26-Jährigen ausgelöst.

Bei den Angehörigen seiner Opfer in Großbritannien hat Emwazis Identifizierung ebenso schmerzliche wie unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Bethany Haines, die Tochter des wohl von „Jihadi John“ enthaupteten Hilfsdienst-Freiwilligen David Haines, erklärte, die Familien sämtlicher Opfer wären erleichtert, wenn nun jemand Emwazi „eine Kugel zwischen die Augen“ verpassen würde. Bethanys Mutter Dragana Haines hingegen forderte, man müsse Emwazi fangen und vor den Richter bringen: Denn er selbst würde es nur als Ehre empfinden, „im Kriegseinsatz“ getötet zu werden.

Ein junger Mann mit guten Manieren

Vollkommen „am Ende“ sollen unterdessen Eltern und Geschwister Emwazis sein, die noch immer in einem Reihenhäuschen in West-London leben. Weder der 22-jährige Bruder Emwazis noch die jüngeren Schwestern, die beide noch zur Schule gehen, sollen etwas von Mohammeds schaurigem Aufstieg zum vermummten Repräsentanten des IS-Terrors auf den Enthauptungs-Videos der letzten Monate gewusst haben.

Ein erstes Bild, das von Emwazi in Umlauf gekommen ist, zeigt ihn in der vordersten Reihe seiner Londoner Grundschulklasse. Geboren in Kuwait, war er mit den Eltern im Alter von sechs Jahren nach Großbritannien gekommen. Der Vater hatte erst als Lieferwagenfahrer und später als Taxifahrer in London gearbeitet. Die Mutter hatte sich um die wachsende Familie gekümmert. Nach der Schule hatte Emwazi an der Universität von Westminster von 2006 bis 2009 Computer-Programme studiert und nebenher Arabisch gelernt. Frühere Freunde haben ihm bescheinigt, ein junger Mann „mit guten Manieren“ gewesen zu sein, der sich gern modisch kleidete, aber auch seinem Glauben fest anhing. „Religiös, aber nicht extrem“ sei Mohammed gewesen, erklärte einer dieser ehemaligen Bekannten jetzt Londoner Reportern: „Gewalttätig war er absolut nicht.“

Während der Studienzewit radikalisiert

Unterdessen mehrten sich am Freitag die Fragen, ob Emwazi an der Uni radikalisiert worden sei. Der Westminster-Hochschule ist schon seit Längerem von vielen Seiten eine allzu lasche Politik gegenüber extremistischen Rednern und militanten Islamisten-Gruppen vorgeworfen worden. Ein Sprecher der Hochschule erklärte am Freitag, die Universität dulde „keinerlei Intoleranz“ und sei „voll am Regierungsprogramm gegen Extremismus beteiligt“.

Wahr scheint zu sein, dass Emwazi während seiner Studienzeit auch in seinem Wohngebiet in Nordwest-London immer mehr mit islamistischen Aktivisten und Predigern in Kontakt kam. Zwei der Personen, mit denen er damals offenbar locker verbunden war, ein Mann libanesischen und ein Mann ägyptischen Ursprungs, wurden später in Somalia von US-amerikanischen Drohnen getötet. Von Emwazi selbst weiß man inzwischen, dass er spätestens 2009 der britischen Polizei und den Geheimdiensten bekannt war. Erstmals wurde er in jenem Jahr in Tansania gestoppt, wo er angeblich „auf Safari“ gehen wollte. Danach sollen ihn britische Agenten in Amsterdam und Polizisten in Dover auf ruppige Art verhört und ihm Überwachung angekündigt haben.

Der Organisation „Cage“ zufolge, die in London nach eigenen Worten „Opfer des Kriegs gegen Terror“ vertritt und bei der Emwazi sich mehrfach über seine Behandlung beklagte, beschuldigte jetzt die britischen Behörden, mit ihrem Verhalten Emwazi erst radikalisiert zu haben. Zuvor, meint man bei „Cage“, sei der spätere „Jihadi John“ „eine wirklich sanfte Person“ gewesen. Diese Version der Dinge haben aber die meisten britischen Kommentatoren als „lächerlich“ zurückgewiesen. „Die rührselige Geschichte“ könne man gleich vergessen, meinte der Tory-Abgeordente Sir Gerald Howarth.




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