Henning Baum als Camper in ARD-Komödie Papa ist der Beste

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Vordergründig geht es in der ARD-Komödie „Mein Schwiegervater, der Camper“ um Machos und Weicheier. Doch eigentlich fragt sie nach, was einen guten Vater ausmacht.

Gleich knallt’s: Hartmut (Henning Baum, li.) und Markus (Oliver Wnuk) mögen einander noch nicht. Lena (Birte Hanusrichter, li.) und ihre Mutter Helga (Inga Dietrich) behalten das wachsam im Auge. Foto: ARD Degeto/Conny Klein 17 Bilder
Gleich knallt’s: Hartmut (Henning Baum, li.) und Markus (Oliver Wnuk) mögen einander noch nicht. Lena (Birte Hanusrichter, li.) und ihre Mutter Helga (Inga Dietrich) behalten das wachsam im Auge. Foto: ARD Degeto/Conny Klein

Stuttgart - Manche Männer lassen sich mit deftigen Worten ganz gut beschreiben. Das Etikett Stinkstiefel etwa benennt nicht die angenehmste Form der Schöpfung. Ein gar nicht so alter deutscher Fernsehfilm heißt denn auch „Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel“. Man hätte sich die Schmähung vielleicht für die Hauptfigur des neuen ARD-Films „Mein Schwiegervater, der Camper“ aufheben sollen. Dessen Titel klingt nämlich viel zu harmlos. Aber selbst das anrüchige Schimpfwort Stinkstiefel wäre für Hartmut noch ein Kompliment.

Hartmut, der von Henning Baum in all seiner überlegenen Fleischhaftigkeit gespielt wird, ist der angesehene sogenannte Käpt’n auf einem Campingplatz und Chef des Lebens seiner Tochter Lena (Birte Hanusrichter). Dass ihm sein Mädchen nun ausgerechnet den smarten Markus (Oliver Wnuk) ins Kleinreich schleppt, passt dem Käpt’n gar nicht. Weil Markus ein „Eierlöffel“ ist. Und ein „Osterhase“.

Markus muss viel schlucken

Dass Lenas Lover auch nicht gerade begeistert ist vom zukünftigen Schwiegervater, von diesem „Neandertaler“, interessiert nicht einmal die Auserwählte. Die Tochter findet den Vater allerhöchstens „sperrig“ – und für sie gilt: „Kein Papa, keine Lena“.

Markus, der von seinem wenig mitfühlenden Vater Jack (Wolfgang Michael) alleine groß gezogen wurde, sind Raubeinigkeit und Machismo so zuwider wie die Welt der Dauercamper. In der muss er sich nun beweisen. Hier, wo die Menschen mit stundenlanger Hingabe ihre Vorzeltteppiche saugen, fliegen schnell die Fetzen – ganz so, wie man es schon aus der mehrteiligen Hollywoodsaga, beginnend mit „Meine Braut, ihr Vater und ich“, mit Ben Stiller und Robert De Niro kennt.

Für Markus gibt es viel zu schlucken: die vom Schwiegervater servierte marinierte Rinderzunge zum Beispiel. Schon die bringt er nicht hinunter. Fast ersticken wird er aber am hehren obersten Gebot von Hartmut: „Familie lügt nicht.“ Denn Markus muss einfach lügen. Er darf zum Beispiel nicht verraten, dass er Anwalt ist. Schließlich gelten die bei allen auf dem Campingplatz als Berufslügner. Und Lena wiederum will nicht, dass irgendjemand jetzt schon von ihrer Schwangerschaft erfährt, schon gar nicht ihr Vater.

Gefangen im Mikrokosmos der Dauercamper

Jeder andere als Markus würde sich spätestens jetzt schreiend vom Acker machen. Doch der sensible werdende Papa, der schon vor der Geburt seines Kindes Züge eines Helikoptervaters aufweist, will ja alles besser machen als Hartmut – und als Jack.

Die Handlung, auf Scheinheiligkeit und Lügen aufgebaut wie das klapperigste Zeltgerüst, wird bald mit lautem Getöse in sich zusammenfallen – so viel ist klar. Die Komödie von Holger Haase ist aber mehr als eine mit Slapstick geladene Lachmuskelattacke aus Hollywood. Still und leise und ohne aufdringlich im Wertesystem herumbohrenden Zeigefinger beantwortet sie wie nebenbei die Frage, wann ein Mann ein Mann ist.

Der verdrehte Mikrokosmos der Dauercamper, in dem kleine putzige Maulwürfe als großes hässliches Feindbild herhalten müssen, in dem auch bei brisanten Problemen nicht vorsichtshalber die Polizei gerufen, sondern alles „unter uns“ geregelt wird, in dem die Massenmünzduschen zum asozialen Kampfplatz des Käpt’ns werden, ist nur der lustig-schräge Nährboden für ernste Fragen. Zum Beispiel für diese: Was heißt es, ohne Vater aufzuwachsen, wie Markus’ Neffe in spe? Was heißt es heutzutage, Vater zu sein? Genauer gesagt: Was heißt es, ein guter Vater zu sein?

Charakterstudie über Väter

Ist das nun also eine Komödie? Oder doch vielmehr eine Tragikomödie? Die Stärke des Drehbuchs von Andi Rogenhagen, Frederik Hunschede und Holger Haase ist die Grundtraurigkeit, die den Film durchzieht wie der sich ansammelnde Schrott den Campingplatz – und die sich widerspiegelt in den nur auf den ersten Blick treudoofen Augen von Markus. Dessen Melancholie, dessen Gedanken übers Vatersein tragen den Film über alle Albernheiten hinweg.

Am Ende ist „Mein Schwiegervater, der Camper“ eine Charakterstudie über Väter. Voller Hilflosigkeit. Voller Verzweiflung. Voller Lügen. Voller Liebe.