Herausforderer blitzt in Stuttgart ab CDU schickt lieber wieder Karin Maag nach Berlin

Karin Maag und Stefan Kaufmann (hier bei einer Wahlparty im Jahr 2017) sollen erneut für die Stuttgarter CDU in den Bundestagswahlkampf ziehen. Foto: Lichtgut//Oliver Willikonsky

Im innerparteilichen Duell um die Nominierung für den Bundestagswahlkreis Stuttgart II hat sich die amtierende Abgeordnete durchgesetzt. Im anderen Wahlkreis tritt Stefan Kaufmann an. Der Verlierer des Parteitags ist diesmal ein Stadtrat.

Stuttgart - Die Christdemokraten in Stuttgart haben es bei der Nominierung ihrer Bundestagskandidaten am Freitag so spannend gemacht wie lange nicht mehr. Als der Kreisparteitag im SSB-Veranstaltungszentrum Waldau um 23 Uhr endete, stand fest: Die amtierenden Abgeordneten Stefan Kaufmann und Karin Maag werden sich auch im September 2021 wieder bei den Wählerinnen und Wählern in Stuttgart um die Wiederwahl bewerben. Doch speziell Maag musste erst eine ernste Herausforderung bestehen, ehe sie den Zuschlag für die Kandidatur im Bundestagswahlkreis Nr. 259 (Stuttgart II) mit den nördlichen Stadtbezirken, den Neckarorten und Botnang erhielt.

 

Maag, die seit 2009 Abgeordnete ist, war von Maximilian Mörseburg herausgefordert worden, dem früheren Kreisvorsitzenden der Jungen Union, Vize-Fraktionschef im Rathaus sowie Vorsitzenden der CDU-Bezirksgruppe Botnang. Seit gut zwei Wochen schon hatte es parteiintern geheißen, der Ausgang des Duells zwischen der 58-jährigen Juristin und dem 28-jährigen Juristen lasse sich nicht vorhersagen. In der Debatte vor dem Wahlgang stiegen dann für Maag verdiente Parteihonoratioren in den Ring, nämlich die vormalige Bundestagsabgeordnete Erika Reinhardt und der frühere Stuttgarter OB Wolfgang Schuster.

Dagegen sprach sich Alexander Kotz, Fraktionschef im Gemeinderat, dafür aus, auch junge Menschen in den Bundestag zu bringen. Das war Wahlhilfe für Mörseburg, möglicherweise auch einer Rivalität mit Maag um die OB-Kandidatur in Stuttgart geschuldet, die dann doch dem Backnanger OB Frank Nopper zufiel. Das hauptsächliche Unterstützerlager von Mörseburg im Ringen um den Bundestagswahlkreis vermuten Sachkenner in der Partei vor allem in Bad Cannstatt. Dort denken nicht wenige Christdemokraten, auch der Bezirksgruppenvorsitzende Roland Schmid, recht konservativ.

Da schien Mörseburg zu passen. Denn er hält sich zwar, wie er unserer Zeitung sagte, „in manchen Punkten für moderner“ als Maag, in manchem aber „vielleicht für konservativer und pointierter“. So sagt er zum Beispiel, man dürfe trotz Zusammenarbeit in Europa die „nationale Identität nicht vergessen“. Er habe eine klare Vorstellung von der Gesellschaft. Die CDU dürfe ihre Werte und ihren Markenkern nicht vergessen. Sein Motto ist: Die CDU soll junge, frische Köpfe präsentieren und Dynamik bei der Gestaltung der (digitalen) Zukunft versprechen. In seiner Vorstellungsrede mahnte er auch neue Konzepte der CDU an. Die sei nicht klar einzuschätzen. Mörseburg: „Ich weiß auch nicht genau, wo wir gerade stehen.“ Recht deutlich setzte er sich für christliche Werte ein und warnte vor Zuwanderung. „Wir können nicht alle aufnehmen.“ Es dürfe „kein unkontrollierbarer Zustand“ entstehen.

Stefan Kaufmann hat an dem Abend den lockeren Part

Karin Maag signalisierte in ihrer Vorstellungsrede vor allem Selbstbewusstsein und Stolz auf ihre Arbeitsbilanz. Sie versuchte mit ihrer Erfahrung und ihrer Expertise als gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag zu punkten. Sie habe Gesundheitsminister Jens Spahn die Mehrheiten für seine Corona-Politiker besorgt und hier im Wahlkreis mit Repräsentanten der Ärzteschaft Schutzmasken aus Asien organisiert. Außerdem sei doch entscheidend, wer diesen schwierigen Wahlkreis am ehesten wieder holen könne. Sie habe schon dreimal das Direktmandat errungen. Mit Gesundheitspolitik werde man nach der Coronakrise auch Wahlen gewinnen können. Sie habe aber auch noch andere Arbeitsgebiete, wolle einen Umweltschutz ohne Verbote und ebenso Klimaschutz.

Am Ende votierten von 194 Stimmberechtigten in der Wahlkreiskonferenz für den Wahlkreis Stuttgart II genau 104 für Maag und 89 für Mörseburg. Eine Stimme gab es für Julia Reznitcaia, die 35-jährige Kreisvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA), die besonders Sozialpolitik, bessere Arbeitsplatz- und Bildungsaussichten für junge Leute sowie das Werben um Menschen mit Migrationshintergrund thematisiert hatte.

Viel einfacher war es zuvor in der deutlich kürzeren Wahlkreiskonferenz für den Bundestagswahlkreis Nr. 258 (Stuttgart I) mit dem südlichen Stadtgebiet gewesen. Hier setzte sich Stefan Kaufmann mit 78 von 82 gültigen Stimmen locker gegen den spontan angetretenen Dauerbewerber Ulrich Raisch (4 Stimmen) durch. Der 51-Jährige Abgeordnete sagte, er gehe mit großer Lust in die diversen Wahlkämpfe und möchte in seinem Wahlkreis zum vierten Mal das Direktmandat holen. Innovation, Zukunftstechnologien und die große Transformation in der Wirtschaft würden der Schwerpunkt seiner Arbeit als Abgeordneter bleiben.

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