Herbert Feuerstein wird 80: Glückwünsche vom Peiniger Harald Schmidt Stöhn – Ächz – Hechel – Lechz: „Mad“ Feuerstein geht aufs Altenteil

Über seine TV-Partner Harald Schmidt: „Er ging vor wie ein afrikanischer Diktator. Nur dass er die Macht nicht hatte.“ Foto: dpa 13 Bilder
Über seine TV-Partner Harald Schmidt: „Er ging vor wie ein afrikanischer Diktator. Nur dass er die Macht nicht hatte.“ Foto: dpa

Herbert Feuerstein war Chefredakteur, Reisereporter, Comedy-Autor, Schauspieler und Musiker. Aber in Erinnerung ist er vor allem als Prügelknabe von Harald Schmidt. Der wiederum glaubt: „Er hat es genossen.“

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart/München - Herbert Feuerstein gibt keine Interviews zu seinem 80. Geburtstag am Donnerstag (15. Juni). Er habe sich weitgehend ins Privatleben zurückgezogen, teilt seine Sprecherin mit. Dafür will aber sein langjähriger Sketch-Partner Harald Schmidt etwas sagen. Was fällt ihm als erstes ein, wenn er an Herbert Feuerstein denkt? „Frauen.“ Immerhin ist der Mann in dritter Ehe verheiratet, und seine derzeitige Frau ist 35 Jahre jünger als er.

„Schmidteinander“

Die Gegensätzlichkeit des „Schmidteinander“-Duos war wohl das wesentliche Erfolgsrezept der Sendung. Schmidt ist 29 Zentimeter größer als Feuerstein. Und auch von der Persönlichkeit her könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Hier der für seine Schlagfertigkeit und Bosheit gleichermaßen bekannte Zyniker Schmidt, dort der verschmitzte Feuerstein, der sich stets in Bescheidenheit übt und versichert, er sei selbst kein Fan von sich selbst: „Ich kann mich nicht sonderlich leiden.“

„Ich glaube, er hat es überwiegend genossen“

Dementsprechend war es auch eher Schmidt, der in der anarchischen WDR-Serie von 1990 bis 1994 die Pointen bekam und die Lacher einsammelte. Feuerstein kassierte die Schläge. Hat er mit dieser Aufteilung wirklich nie Probleme gehabt? „Ich glaube, er hat es überwiegend genossen“, meint Schmidt.

Das könnte sogar stimmen, denn das Fanpost-Aufkommen bewies, dass sich die Zuschauer mit dem Underdog Feuerstein identifizierten. Außerdem, so berichtete er selbst einmal in einem dpa-Interview, profitierte er von Schmidts Trägheit: „Schmidt wurde relativ schnell faul und ließ mich alles schreiben, dadurch konnte ich die Inhalte an mich ziehen.“

„Ich möchte meine Ruhe haben“

„Ich möchte meine Ruhe haben“, sagte Feuerstein gerade der „Süddeutschen Zeitung“ zu seinen nicht mehr vorhandenen Zukunftsplänen. Versuchungen gebe es immer wieder, „aber ich lehne fast alle neuen Sachen ab“. Auch wenn er heute vor allem noch auf „Schmidteinander“ angesprochen wird, Feuerstein hat noch vieles andere gemacht.

Der Liebe wegen verschlug es den Österreicher mit abgebrochenem Musikstudium einst nach New York, wo er als Korrespondent arbeitete. Zurück in der Alten Welt, wurde er 1973 Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Satire-Zeitschrift „MAD“ und steigerte die Auflage von 10 000 auf 400 000. Er gilt als Erfinder wegweisender Comic-Vokabeln wie „Hechel“, „Ächz“ und „Würg“. So wirkte Feuerstein lange still im Verborgenen.

„Hemmungsloser Mut zum Chaos“

Nebenbei begann er fürs Fernsehen zu schreiben und bekam 1986 seine erste WDR-Show „Wild am Sonntag“, die allerdings noch kein Erfolg war. Danach saß er im Rateteam der von Harald Schmidt moderierten Spielshow „Pssst . . .“, und dann kam der große Durchbruch mit „Schmidteinander“. 1994 erhielt Feuerstein einen Bambi für seine „anarchistische Originalität“ und den „hemmungslosen Mut zum Chaos“. Kurz danach wurde die Sendung eingestellt - Schmidt hatte laut Feuerstein die Lust daran verloren. Zudem konnte er dem Lockruf des Sat.1-Geldes nicht länger widerstehen.

Dem nunmehr prominenten Feuerstein boten sich viele Möglichkeiten zum Weitermachen, und er nutzte sie weidlich. Er trat in Operetten und Theaterstücken auf, wurde Ratefuchs in der Wiederauflage von „Was bin ich?“ und Reporter für die ARD-Reihe „Feuersteins Reisen“. Außerdem schrieb er Bücher.




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