Herbert Lutz Die Hoffnung auf den genetischen Zwilling

Von Ute Jenschur 

Auf der Suche nach einem passenden Stammzellenspender für den TSV-Abteilungsleiter Herbert Lutz beteiligen sich viele Freiwillige an einer Typisierungsaktion der DKMS.

Allein in den ersten zwei Stunden der Typisierungsaktion lassen  sich 300 Menschen als Stammzellenspender registrieren. Foto: factum/Bach
Allein in den ersten zwei Stunden der Typisierungsaktion lassen sich 300 Menschen als Stammzellenspender registrieren. Foto: factum/Bach

Leonberg - Es herrscht fast Volksfeststimmung am Samstagnachmittag beim TSV Höfingen, obwohl es um ein ernstes Thema geht. Freunde und Familie des an Leukämie erkrankten Fußballabteilungsleiters Herbert Lutz haben eine Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, kurz DKMS, organisiert. Der kleine Parkplatz vor der Glemstalhalle ist überfüllt, deshalb wird der große Parkplatz vor dem Bädle mit genutzt. In kleinen Grüppchen laufen die Menschen an der Glems entlang zur Halle. Auf dem Vorplatz gibt es Popcorn, hausgemachten Kuchen, belegte Brötchen und Getränke. In der Halle sind 50 Helfer dabei, die Speichelproben einzusammeln.

Allein in den ersten beiden Stunden haben sich 300 Menschen als Stammzellenspender registrieren lassen. „Das ist eine mega Anzahl“, sagt Maria Amarantidou, die heute für das DKMS-Zentrum in Tübingen die Organisation vor Ort macht und viel Erfahrung mit Typisierungsaktionen hat. Sie steht für alle Fragen zur Verfügung und weist die Helfer ein. Die stammen ausschließlich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Familie. Jeder, der gesund ist und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann sich registrieren lassen. Die Gewebemerkmale werden dann im Zentralen Knochenmarkspenderregister in Ulm gespeichert.

Suche nach einem genetischen Zwilling ist schwierig

„Der Ablauf ist einfach“, erklärt Miguel Hertwig. Er ist der Schwiegersohn von Herbert Lutz und sitzt als Helfer an einem der Tische. „Es gibt drei Wattestäbchen. Eine Minute lang wird das erste Stäbchen innen an der Wangenschleimhaut gerieben, ein zweites wird für die andere Seite verwendet. Mit dem dritten Wattestäbchen werden beide Seiten abgestrichen.“ Vor ihm sitzt Vera Mühlbauer, die ihre drei Proben vorsichtig in den dafür vorgesehenen Umschlag packt. Mit einem Kenncode versehen geht dieser an das Labor. Sie wäre auch bereit, sich für eine Stammzellenspende Knochenmark aus dem Becken entnehmen zu lassen. In über 80 Prozent der Fälle werden heutzutage die Stammzellen aber aus dem Blut des Spenders gewonnen. Ob eine Zellentnahme aus dem Becken notwendig ist, hängt von der Erkrankung des Patienten ab. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt jemals Stammzellen zu spenden, ist gering, denn die Suche nach einem genetischen Zwilling ist schwierig. Bestimmte Gewebemerkmale müssen bei Spender und Patient weitgehend übereinstimmen. Nur rund fünf Prozent der Registrierten spenden deshalb im Verlauf von zehn Jahren tatsächlich.

Weltweit sind 28 Millionen registriert

Herbert Lutz ist überwältigt von so viel Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Er kennt die meisten, viele kommen zu ihm, wünschen ihm alles Gute oder gratulieren noch zum wenige Tage zurückliegenden 60. Geburtstag. Einen Tag zuvor war er zur Chemotherapie in Tübingen, danach ging es ihm nicht so gut. Er wusste nicht, ob er überhaupt zur Typisierungsaktion würde kommen können. Aber am Samstag fühlt er sich besser. Noch im vergangenen Dezember hat er selbst zum 70. Mal Blut gespendet. Bei der dort üblichen Blutuntersuchung gab es keine Auffälligkeiten. Im März dann die niederschmetternde Diagnose Leukämie. Wegen einer unerklärlichen Müdigkeit war er zum Arzt gegangen, hatte zu der Zeit noch Tennis und Fußball gespielt.

Eine Knochenmarkspende könnte ihm helfen, gesund zu werden. Immerhin sind in dem Register in Deutschland fast acht Millionen Menschen registriert, weltweit sind es 28 Millionen. Alle Zentren sind vernetzt. Allein in Deutschland werden pro Jahr 3500-mal Stammzellen transplantiert, Tendenz steigend. Aktuell ist man in Deutschland in der Lage, für etwa 75 Prozent der Patienten einen sehr gut passenden Spender zu finden, für weitere 20 Prozent einen weniger optimalen Spender, der aber immer noch akzeptabel ist. „Wenn hier in Höfingen für mich selbst kein Spender gefunden wird, dann hilft diese Aktion vielleicht jemand anderem“, hofft Lutz. Etwa vier Wochen dauert es, bis klar ist, ob für ihn ein genetischer Zwilling dabei war.